Wald ist hier infolge der Nähe der großen Stadt noch weniger erhalten als in der Plaguša. Wo Wasser ist, an den Schluchten und in der Nähe der Ortschaften, sind größere Baumbestände vorhanden. So sind die Dörfer von stattlichen Obst- und Nußbäumen, Pappeln, Erlen und Weiden umgeben. In der Nähe des Dorfes Neresi befindet sich ein stattlicher Hain von Edelkastanien ([Abb. 173], [S. 355]), der einzige, den ich in Mazedonien sah, außer einem bei Kalkandelen im Sarskatal. In dem westlichen Teil des Bergzuges, gegen die Treskaschlucht zu, mehren sich Bestände von Eichen und Buchen, die aber stets ziemlich licht sind, höchstens Wäldchen, keine Wälder bilden.

Prof. Müller phot.

Abb. 168. Alter mazed.-bulgarischer Friedhof in Pletvar.

Zu allen Zeiten des Jahres gab es auf dem Wodno etwas Interessantes zu beobachten. Im ersten Frühling waren auch hier, wie unten in Üsküb, Spinnen besonders häufig; im Kapitel über die Spinnenfauna Mazedoniens habe ich auch die Arten erwähnt, die auf dem Wodno vorkommen. Von Arten, welche ich unten im Tal nicht antraf, erwähne ich den Weberknecht (Metaphalangium propinquum Luc.), von dem ich hier oben schon im April ein junges Männchen fand. Von echten Spinnen stieß ich ebenfalls Anfang April auf die Springspinne (Hyctia canestrinii Canest. u. Pav.), von Wolfsspinnen auf die stattliche Lyçosa amentata (Clerk), welche sonst im Süden Mazedoniens häufiger war.

Röhrenspinnen waren auch oben nicht selten, so die große Tarentula praegrandis C. L. Koch. Unter den Steinen fanden sich außer allerhand Spinnen viele Juliden und Skolopender, auch Skorpione der Art Euscorpius carpathicus L. Unter anderen Steinen gab es zu dieser Zeit zahlreiche langhörnige Käfer aus der Gattung Dorcadion, die jetzt im Frühjahr in vielen Arten auftrat, während ich im vorigen Sommer nur zerfallene Reste von ihnen gefunden hatte.

Die ersten Frühlingsschmetterlinge sahen nicht viel anders aus als bei uns; auch hier flogen zuerst Zitronenfalter, Weißlinge, kleine Füchse und vor allem der unvermeidliche Distelfalter, dieser häufigste Tagschmetterling Mazedoniens.

Beim Aufstieg kam man durch blühende Hecken, in den Dörfern blühten die Obstbäume. Weiße und gelbe Krokus sproßten zwischen den Büschen, Veilchen dufteten und etwas später tauchten zahlreiche Anemonen auf. Einen wundervollen Kontrast zu den fernen schneebedeckten Bergen bildeten die sanft grünenden Weiden und Pappeln, die blütenbedeckten Pfirsich-, Pflaumen- und Aprikosenbäume, später die Apfel- und Birnbäume.

Winterlicher wurde der Eindruck, stieg man im April in die Gipfelregionen des Wodno, dort waren die Flächen noch braun und kahl; nur in windgeschützten Mulden hatten die Büsche ausgetrieben. An einer solchen Stelle konnten wir interessante Beobachtungen machen. Nahe dem Gipfel fanden sich alle Sträucher bedeckt von tausenden kleiner Käfer. Es war unser Marienkäfer, der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata B.), der gerade aus seinem Winterquartier mobil wurde. So ließ sich hier feststellen, daß dieser Käfer in Mazedonien im Winter auf Berggipfeln Massenquartiere bezieht. Das tut er wohl auch in Deutschland; wenigstens ist im Riesengebirge entsprechendes schon gesehen worden. Aber in Mitteleuropa hat man bisher kaum auf dies Verhalten geachtet.

Mir fielen damals gleich die interessanten Beobachtungen ein, welche in Kalifornien an einer Coccinellide gemacht und wirtschaftlich in sehr kluger Weise ausgenutzt wurden. Die Art Hippodamia convergens überwintert dort in Mengen im Gebirge, während sie im Sommer in der Ebene als Blattlausvertilgerin in den ausgedehnten Melonenpflanzungen eine sehr nützliche Arbeit tut. Die amerikanischen Entomologen haben diese biologischen Eigentümlichkeiten ihrer einheimischen Art rationell ausgenützt. Im Winter werden von eingelernten Sammlern die Käfer in den vorher erkundeten Winterquartieren eingeheimst, in kalten Räumen bis zum Frühsommer aufgehoben und dann in bestimmt zugemessenen Portionen auf den Melonenfeldern ausgesetzt.