Das hat sich als sehr erfolgreich und gewinnbringend bewährt, ist zu einer Dauerorganisation gemacht worden und wird mit Nutzen in Kalifornien weiter betrieben. Wenn ich an die Melonenfelder unten im Wardartal dachte und an die Möglichkeiten eines zukünftigen größeren Betriebes durch die Bulgaren, so nahm ich mir sofort vor, ihnen unsere Entdeckung mitzuteilen. Leider entwickelte sich alles anders als man damals hoffte.

Vom Gipfel des Berges zieht sich der Kamm zu immer höheren und unwirtlicheren Felsenmassen hin, die schließlich in ungeheurem Absturz zum Tal der Treska abfallen. Dieses stellt eine der majestätischsten Schluchten in dem an solchen Schaustücken so reichen Mazedonien dar. Als im Februar die Sonne einen trügerischen Frühling über das Tal von Üsküb gezaubert hatte, habe ich einen Ausflug mit einigen deutschen Ärzten in die Treskaschlucht und an ihren Westhang unternommen.

Mächtig strömt die Treska aus der schattigen Klamm hervor, deren Wände 600-800 m hoch fast senkrecht zu beiden Seiten aufsteigen. Welche Arbeit hat das Wasser da wohl in Jahrtausenden geleistet, um das harte Gestein bis zu dieser Tiefe durchzubohren. Auf beiden Seiten führen steile Saumpfade hoch in die Felsen hinauf, wo zwei einsame Bergklöster sicher jahrhundertelang eine Zuflucht der mazedonischen Christen waren. Heute liegen beide in Ruinen.

Das eine von ihnen, Sveti Nedelja, war unser Ziel. Auf steilen Pfaden klommen wir die Hänge entlang. Einige junge Albaner, Hirten, welche wir unterwegs antrafen, trugen uns unseren Proviant hinauf und zeigten uns den Weg, der allmählich bis zu einer Höhe von 800-900 m uns führte. Hier waren die Hänge unten von einer eigenartigen Buschvegetation bedeckt, die aus Buchsbaum (Buxus sempervirens L.) bestand. Auf dem vergilbten Rasen erhoben sich Gruppen dieser dunklen Büsche; in den oberen Teilen zeigten ihre Blätter noch ihr glänzendes Dunkelgrün, während sie unten durch den Winter dunkelrotbraun gefärbt waren, so daß sie fast aussahen, als wären sie aus Bronze gegossen. Zwischen dem Buchs standen Wacholdersträucher, die zum Teil baumartig gewachsen waren und in ihren Umrissen fast an Kiefern erinnerten (Juniperus communis L.).

Später im Jahr, im Juni, blühte in der Treskaschlucht außer anderen eigenartigen Pflanzen die schöne, eigenartige Ramondia serbica Pančič. mit ihren großen rosaweißen Blüten in einem Kranz dunkler Blätter zwischen dem grauen Gestein, ein schönes Bild darbietend.

Jede Wendung des Steigs brachte neue wilde Gebirgslandschaften. Stellenweise konnte man weit in die gewaltige Klamm hineinschauen, die nach Süden eng und hoch sich hinzog. Ihre Wände stiegen in Absätzen fast senkrecht in die Höhe; auf den Vorsprüngen standen Bäume und Büsche und von ganz oben sahen wir tief hinunter auf die Ruinen von Kirche und Kloster von Sveti Nikola. Wie auf einer aus den Felsen hervorragenden Plattform lagen die Gemäuer auf einer kleinen Fläche höchst malerisch in der Felsenwildnis am rechten Ufer der Treska, während wir am linken emporkletterten.

Da lag nicht weniger romantisch das Kloster Nedelja an den Felsen angeklammert vor uns. Die Vorliebe der slavischen Mönche für bizarre Felsenlandschaften hatte hier sich ausleben können. Heute war es noch schwerer, von einem Mauerrest zum anderen zu gelangen als einstmals, als noch hölzerne Treppen und Galerien sie verbanden. Die Trümmer hingen ziemlich isoliert, zum Teil über tiefem Abgrund, umwuchert von Brombeersträuchern, Rosenhecken und Buchsbaum. Reste von Türmen und Arkadengalerien waren noch zu erkennen. Auch hier in der Höhe waren die Mauern zum Teil aus Felsgestein mit wagrechten Zwischenlagen aus roten Ziegeln gebaut.

Die Mönche hatten auch hier die Lage für schöne Aussichten gut gewählt. Auf kleinen Balustraden, über dem Abgrund hängend, hatte man großartige Blicke die Schlucht aufwärts, in ihre Tiefe, aus der der Fluß nur leise zu uns herauf brauste und vor allem zur Schlucht hinaus in das Tal von Üsküb. Man sah drunten den Zusammenfluß des Wardar mit Treska und Lepinatz, die Felder und Baumgruppen der Talfläche, jenseits die Hänge des Karadakh, ein schönes, farbiges Bild. Während wir oben verweilten, kreisten fünf mächtige Mönchsgeier über uns und tauchten oft tief in die Schlucht hinein, so daß wir von oben auf ihre Rücken und ihre schimmernden Flügelfedern blicken konnten.

Im Mai wurde es immer reizvoller auf dem Wodno. Eine Menge interessanter blühender Pflanzen entzückten den Botaniker, so Astragalus fugioniferus Fisch. und Genista nyssana Petr. Im Dörfchen Oberwodno bildeten Erlen, Weiden und andere Büsche einen dichten Hain um einen kleinen Bach, in welchem die Frauen des Ortes ihre Wäsche wuschen. An den Obstbäumen hingen schon reifende Früchte.