Abb. 169. Treskaschlucht von Sv. Nedelja gesehen.

Auf den Wegen wälzten die heiligen Skarabäen ihre Mistkugeln und eine Fülle von Bienen beflogen die Blüten. Vor allem auffallend waren solitäre Bienen mit langen Fühlern, Vertreter der Gattung Eucera, und Arten von Andrena und Halictus sah man in ihren Löchern im Boden ein- und ausfliegen.

Um einen Begriff von der Mannigfaltigkeit, die mir manchmal an einem Ort entgegentrat, zu geben, führe ich die Bienenarten einzeln an, die nach den Bestimmungen von Dr. Friese damals am Wodno von mir gefangen wurden: von Eucera die Arten E. seminuda Bz. und E. caspica var. peregi Moos., von Halictus die charakteristischen Vertreter H. quadrinotatus K., malachurus K. und rufocinctus K. Noch reicher war die Gattung Andrena vertreten, und zwar mit sieben Arten (A. thoracica F., A. pectoralis Perez, A. bimaculata var. apiformis Kriechb., A. gwynana K., A. ephippium var. macedonica Friese n. var., A. flavipes K., A. taraxica Gir.). Gerade dort war es auch möglich, das Vorkommen von zwei Generationen im Jahre bei einigen Arten, so Andrena thoracica F. und pectoralis Perez, von denen je eine Generation im April und eine im Juli flog.

Dieselbe Feststellung gelang bei Anthophora crinipes Sm., von der auch beide Generationen auf dem Wodno gefunden wurden; und die gleiche Beobachtung wurde auch bei A. acervorum L. gemacht.

Damit war die Menge der Wodnobienen noch nicht erschöpft. Im Frühjahr flogen noch Ceratina cyanea K., Osmia cornuta L. und im Hoch- und Spätsommer kam noch eine ganze Anzahl dazu, so Osmia notata F., O. dimidiata Mor. Vier Arten von Megachile (M. lagopoda L., M. leucomalla Gerst., M. apicalis Spin., M. argentata L.), ferner noch Anthidium cingulatum Latr.

Auf die Gefahr hin, manchen Leser etwas zu langweilen, habe ich diese lange Liste hier eingefügt, um zu zeigen, wie vielseitige Aufgaben dem Naturforscher dort im Lande überall sich boten.

Im Mai und Juni besuchte ich auch die Südseite des Wodno und kam öfter bei den Vorbereitungsexpeditionen für die große Forschungsfahrt in die Golesniza Planina ins Kloster Markovo. Man erreichte es am besten auf einem Weg, der über den östlichen Sattel des Wodno in das Tal der Markova Reka führte. Am Abhang lag das Dorf Kisela-Voda, bei welchem Dr. Gripp interessante Pflanzenversteinerungen entdeckte. Entweder durch das Tal des Markovabachs oder über die Hänge des Wodno gelangte man in ein engeres Stück des Tals, in welchem an einem lößartigen Hang inmitten von Pappeln und Weiden, von grünen Wiesen umgeben, das malerische gastliche Kloster lag.

Es ist dem heiligen Dimitri geweiht, so auch die malerische Kirche in ihm, welche aus der Serbenzeit Mittelmazedoniens stammt. Daher ist sie in Bau und Stil erheblich verschieden von der älteren Kirche in Neresi (S. 365). Auch diese Kirche ist reich ausgemalt; die Malereien sind zwar zum Teil überschmiert, aber besser erhalten als in Neresi. In der Apsis finden sich Darstellungen von Heiligen und Engeln.

Am Bach lag ein großer Lehmschuppen, dessen Wand für den Zoologen außerordentlich interessant war. Ich besuchte ihn zweimal, um dort zu beobachten und zu sammeln. Oft hatte ich in Mazedonien Wände voll der Nester von einsam lebenden Bienen gesehen. Beim Anstieg zur Klosterruine Sv. Nedelja in der Treskaschlucht waren die sandigen Wände neben dem Weg zum Teil ganz porös gewesen von den Nestern von Anthophora und ähnlichen Bienen. Damals schon, in den ersten Tagen des Februar, waren die ersten dieser Bienen ausgeflogen, und zwar waren es damals nur Männchen gewesen, welche wohl vergeblich auf das Ausfliegen der Weibchen gewartet hatten. Denn in jenen Tagen hatte der harte Winterrückschlag eingesetzt.