Dr. Gripp phot.

Abb. 170. Kloster Markovo (Sveti Dimitri).

Im Juni an der Lehmmauer bei Markovo sah es anders aus; da flogen nur Weibchen. Die hier wohl rechtzeitig ausgeflogenen Männchen waren längst gestorben und hatten die Weibchen bei der Arbeit des Bauens und Pflegens der Brut allein gelassen. Diesmal waren die Bienenweibchen in eifrigster Tätigkeit.

Abb. 171. Klosterhof von Markovo. Tabak zum Trocknen und Gähren aufgehängt.

Viele hundert Bauten senkten sich in die Lehmwand hinein, von deren Aussehen die umstehende Photographie eine Vorstellung gibt ([Abb. 172], [S. 351]). Nicht alle diese Bauten waren von der gleichen Bienenart gebaut. Manche Öffnungen hatten einen kleinen Durchmesser, in diese sah man kleine Bienchen hineinkriechen, andere waren größer und waren das Werk größerer Tiere. Vor allem waren aber auffallend die Bauten der offenbar häufigsten Art, welche einen zierlichen Vorbau trugen, der das Loch umfaßte und in Gestalt einer nach unten gekrümmten Röhre über die Oberfläche der Lehmwand vorragte. Die war nicht ringsum geschlossen, sondern bestand aus einem zierlichen Gitterwerk, welches in Gestalt von Stäbchen und Strängen ein luftiges Gebilde darstellte. Offenbar hatte die Biene beim Bau kleine Lehmklümpchen herangetragen und eins an das andere angeklebt. Da der Anbau genau die gleiche Farbe hatte, wie die Lehmwand selbst, so war es nicht unwahrscheinlich, daß die Baumeisterin beim Aushöhlen der inneren Röhre des Baues das ausgegrabene Material der Lehmwand gleich beim Anbau verwandte. Dabei war sie ganz eigenartig vorgegangen; sie hatte nicht etwa gleichmäßig am Umkreis des Ausgangsloches angebaut, sondern oben und unten kleine Lehmwürstchen gebildet, die da und dort untereinander verklebten und so das Gitterwerk erzeugten. Die ganze große Kolonie war noch im vollen Ausbau. Manches Weibchen, welches einen oder mehrere Bauten schon gefüllt hatte, fing gerade mit einem neuen an. So konnte man alle Stadien des Baues an der Wand nebeneinander sehen. Hier bohrte eine Biene gerade an einem neuen Loch, dort schloß eine einen fertigen Bau; hier war eine an der Ausgangsröhre tätig, dort war eine andere eifrig beim Aus- und Einfliegen und beim Eintragen von Blütenstaub und Honig als Nahrung für ihre Brut.

Denn in der Lehmwand hatte die Bienenmutter im inneren röhrenförmigen Bau eine Reihe von Zellen geglättet, jede durch eine Zwischenwand von der vorigen getrennt, in die sie Blütenstaub eingetan, etwas Honig hinzugefügt und dann vor dem Zuschließen ein Ei auf diesen Nahrungsvorrat gelegt hatte. War sie mit einem Bau fertig, so begann sie mit einem neuen und so fort, bis ihre Kräfte erschöpft waren und sie sich zum Sterben hinlegte. Ihre Brut ließ sie wohlversorgt mit genügender Nahrung zurück. Die konnte ohne die Mutter auskommen; und wenn sie im nächsten Frühling ausschlüpfte, Männchen und Weibchen, die sich begatteten, dann starben die Männchen wieder nach kurzem, fröhlichem Leben im Sonnenschein und ließen die Weibchen allein bei der großen Sommerarbeit, die sie ungelernt, ohne Leitung und ohne die Gesellschaft von Eltern, durchzuführen hatten. Und das konnten sie auch sehr gut; denn sie hatten alle Fähigkeiten dazu als Erbgut von ihren Vorfahren mitbekommen, wie schon ihre Eltern.

Wir sahen auf dem Bild neben den Nestern mit den Ausgangsröhren auch allerhand Nester von verschiedenen Bienenarten ohne solche.

Es war reizvoll zu beobachten, wie an all den Hunderten von Bienennestern ein ständiges Aus- und Einfliegen stattfand. Die Erbauerin der Anflugsröhren war eine große, dunkle Biene (Anthophora parietina F.), von der diese Bauweise schon lange bekannt ist. Achtete man nun auf den Anflug der verschiedenen Bienen, so konnte man große Unterschiede in der Art bemerken, wie die einzelnen Tiere ihr eigenes Nest fanden. Bei den Formen mit den einfachen Löchern, so z. B. Andrena hattorfiana Spm. (vgl. [Abb. 189], [S. 377]), sah man vielfach die Bienen, wenn sie anflogen, zunächst vor der Lehmwand hin- und herfliegen, als suchten sie ihr eigenes Nest. Nach einiger Zeit flogen sie direkt auf ein Nest zu und krochen in dieses hinein. Nicht immer aber hatten sie das richtige getroffen. Manchmal kamen sie sofort wieder heraus und suchten von neuem. Ja es kam vor, daß sie schleunigst wieder zurückkamen, vertrieben von der rechtmäßigen Eigentümerin.

Ganz anders verhielt sich aber Anthophora parietina, die Erbauerin der Anflugsröhren; denn als solche erwiesen sich bei diesen Beobachtungen jene Vorbauten. Ohne Zögern flog jede ankommende Biene auf ihr eigenes Nest los und bewies die Richtigkeit der Wahl dadurch, daß sie drinnen blieb, solange die Arbeit dauerte, die sie dort zu erfüllen hatte. Stracks schlüpfte sie mit dem Kopf voraus in den Bau und kam ebenso mit dem Kopf zuerst wieder heraus; die anderen Bienen, welche in fremde Bauten geraten waren, kamen meist rücklings aus diesem zurück.