Abb. 172. Ausschnitt aus der großen Bienenkolonie von Anthophora parietina F. von Markovo 1918.

Es war ersichtlich, daß in den Einzelheiten des Baues, in der Anordnung der Lehmspangen, in der Größe der Durchbrechungen, in der Biegung der Röhre, in den Einzelheiten des Ausgangs die einzelnen Anflugsröhren untereinander verschieden waren. So kam ich zu dem Schluß, daß der Vorteil dieser Bauten in einer solchen großen Kolonie darin bestand, daß jede Biene ihren eigenen Bau an seiner Form rasch erkennen konnte.

Ich prüfte diese meine Theorie, indem ich kleine Veränderungen an den Ausgängen vornahm, Stückchen vom Rand oder das ganze gekrümmte Ende abbrach. Es war auffallend, wie die heimkehrende Biene, die zunächst geradewegs auf ihre Röhre losgeflogen war, nun zögerte, ähnlich wie ihre weniger künstlich bauenden Nachbarn der anderen Arten hin und herflog und sich oft erst nach langer Zeit entschloß, den Versuch des Einfliegens zu machen.

Wie interessant wäre es gewesen, längere Zeit vor diesen Bauten zu verweilen, zu beobachten und zu experimentieren. Leider war dies zunächst unmöglich und die Absicht, noch einmal die Stelle aufzusuchen, wurde durch allerlei Ereignisse verhindert.

Damals konnte ich noch beobachten, daß um die Nester zahlreiche andere Hymenopteren herumflogen, welche als Nestparasiten in die Löcher eindrangen, um ihre Eier bei der fremden Brut unterzubringen. Es waren mancherlei Formen, unter ihnen am auffälligsten die wie Edelsteine schimmernden Goldwespen (Chrysiden), deren Schönheit sie nicht hindert, solche für die Bienenbrut verderbliche Absichten zu verfolgen. Dazu kamen andere Arten von Nestparasiten, welche im 25. Kapitel erwähnt sind.

Überall in Mazedonien, wo ich solche Siedelungen solitärer Bienen an Lehm- und Lößwänden antraf, in Kaluckova an den Lehmmauern der Häuser und Gärten, bei Valandova, Dedeli und Üsküb fing ich solche Goldwespen mit ihren prachtvollen, wie in glänzende Metallpanzer gehüllten Körpern, Tiere von verschiedenster Größe bis herab zu winzig kleinen Wespchen, welche wie Goldstaub schimmerten.

Am Wodno fand ich auch zahlreiche Ameisenarten, darunter einige, die ich sonst in Mazedonien nicht beobachtet hatte. Daß die Körnerameisen aus der Gattung Messor hier bis hoch hinauf zahlreich vorkommen, überall ihre Bauten und Straßen sichtbar waren, ist nicht verwunderlich. Ebensowenig, daß in den Obst- und sonstigen Bäumen Camponotus-Arten häufig bauten. Interessanter war mir das Auffinden eines eigenen Baues der kleinen Diebesameise Solenopsis fugax West., welche also hier ihrem deutschen Namen keine Ehre machte. Auch eine noch winzigere dunkelbraune kleine Ameise (Plagiolepis pygmaea Latr.), eine südliche Form, die ich schon aus dem Kaiserstuhl bei Freiburg i. Br. kannte, fand ich nur auf diesem Berg.

Nicht minder interessant was das Vogelleben. Hier erlegte ich schon Mitte April einen Kuckuck (Cuculus canorus canorus L.), der also hier, wie an der Riviera früher angekommen war, als bei uns in Deutschland. Auch der Grünling war schon da (Chloris chloris mühlei Parrot.). Der Weidenlaubsänger (Phylloscopus collybita collybita Viell.), und der Vitislaubsänger (Ph. trochilus trochilus L.) waren etwas später häufig in den grünen Büschen. Dort ließen sich auch verschiedene Grasmücken hören und an den unteren Hängen war auch hier die Nachtigall ein häufiger Vogel. Am Eingang der Treskaschlucht trieb sich in den hohen Bäumen am Fluß die Sumpfmeise herum (Parus palustris stagnalis Br.). Dort und weiter oben am Berg wimmelte es manchmal von Zaunkönigen (Troglodytes troglodytes L.).

Ebenfalls in der Treskaschlucht begegnete mir die Ringdrossel (Turdus torquatus alpestris Br.) und an den Hängen gab es zahlreiche Balkanamseln (Turdus merula aterrima Mad.).