Die Hüften umspannte ein breiter Gürtel aus farbigem, festem Wollgewebe. Von ihm hing ein langer, enger weißer Rock bis kurz über die Knöchel herab. Ihn überdeckte bis zu den Knien ein kurzer Rock mit einem breiten unteren Saum, der oft ebenso schön gewirkt war wie der Gürtel. Darüber hing vorn die breite, steife Schürze bis zu den Füßen in gleicher Länge wie der weiße Rock.

Die Schürze ist der besondere Stolz der Mazedonierin; sie ist in reizvollen, meist polyedrischen Mustern aus schwerer Wolle gewebt. Weiß und rot waren hier in Neresi an Kleid wie Schürze die vorherrschenden Farben. Die Füße waren meist mit schwarzen Strümpfen bedeckt und steckten in aus Leder eigenartig gebogenen Schuhen, an denen Schuhkörper und Sohle aus einem Stück gefertigt waren, den sogenannten Opanken.

Abb. 177. Zopfschmuck einer mazedonischen Bauersfrau. Südmazedonien bei Negorci.

Ähnlich waren die Anzüge der Männer gefertigt. Auch hier weiße Ärmel, kurze ärmellose, wollene Westen, die meist schwarz waren. Die Männer trugen wie die Frauen Gürtel, von denen an der rechten Seite zwei breite Streifen herabhingen, die man auch bei den Weibern nicht selten beobachten konnte. Unter dem Gürtel schaute ein kurzer weißer Rock heraus, den aber nicht alle Männer, sondern vorwiegend die jüngeren trugen. Unter ihm folgten enge weiße Hosen, die entweder bis auf die Schuhe herabhingen oder von diesen durch schön gewirkte Gamaschen getrennt waren.

Von dieser bunten, bewegten Menge wurden wir nicht unfreundlich begrüßt und aufgefordert, in einer Laube Platz zu nehmen, die von Reben umrankt, an der Seite der Kirche hinzog und eine einfache Holzbank mit einem Tisch davor enthielt ([Abb. 175], [S. 357]). Da Hauptmann Lessing den Dolmetscher machen konnte, entspann sich bald eine lebhafte Unterhaltung.

Als einer der Kirchenvorstände von meinem Begleiter hörte, ich sei Naturforscher, meinte er, das treffe ja sehr gut, denn heute sei das Fest des heiligen Panteleimon und der sei der Heilige der Ärzte und Naturforscher. Er führte uns in die Kirche, wo es von Weihrauch duftete und vor dem Ikonostas, der Schranke zwischen dem Kirchenraum und dem Allerheiligsten, brannten zahlreiche Kerzen. Unter den Heiligen, welche in alten Bildern in dem reichen Schnitzwerk der Schranke eingerahmt waren, zeigte er mir Sveti Panteleimon mit den Geräten und Abzeichen des Arztes. Als ich mich darauf entschloß, dem Heiligen eine stattliche Kerze anzuzünden, war die Freundschaft geschlossen. Man veranlaßte uns, wieder unseren Platz auf der Bank in der Laube einzunehmen, bewirtete uns mit Kaffee und mit Raki, dem trefflichen Zwetschenschnaps der Bulgaren.

Abb. 178. Zigeuner als Flötenbläser.

Unterdessen hatten die Tänze wieder begonnen und die Tanzmusik dröhnte durch den Hof. Es waren Zigeuner, welche musizierten; drei Instrumente gab es, einen Dudelsack, eine lange schwarze Holzflöte und eine dröhnende Pauke. Es war eine grelle, schrille Musik mit eigenartigem Rhythmus, welcher den Tänzen entsprach. Alle Tänze der Balkanvölker sind Reigentänze; Serben, Bulgaren, Rumänen, Griechen und Mazedonier tanzen in ähnlicher Weise. Doch gibt es eine Menge von Varianten dieser Tänze, nicht nur nach den verschiedenen Nationen, sondern auch vielfach nach den verschiedenen Landschaften. Überall haben sie einen ähnlichen Namen: Choros, Horo u. dgl.