Zwei Stunden war ich vom Rastplatz am Waldrand geritten, als ich endlich an einen Platz kam, der zum Lagerplatz geeignet erschien. Er lag unter den ersten Felsenwänden, war von großen Blöcken bestreut, dazwischen mit Rasen bewachsen. Weide war also da, Wasser auch, nur Holz fehlte, da er weit über der Baumgrenze lag. Die notwendige Winddeckung war durch einen mächtigen Felsen mit steilem Abfall gegeben. Wir bestimmten später die Meereshöhe des Lagerplatzes auf 1950 m.

Es dauerte lange, bis meine Truppe nachkam; am letzten Rastplatz hatte sich ein Unfall ereignet. Die erschöpften Mannschaften hatten nicht genügend auf die Pferde geachtet und so hatte mein Wachtmeister einen Huftritt an den Kopf erwischt, als er schlafend am Boden lag. Zum Glück hatten wir gerade an diesem Tag einen Arzt bei uns, der uns bis ins erste Lager begleiten wollte. Der hatte den Verletzten verbunden und nahm ihn am nächsten Tag wieder mit nach Üsküb zurück.

Wir aber schlugen vor Abend noch unsere Zelte auf; wir schmiegten sie möglichst tief in die Mulden vor den Felsen hinein, um vor dem vom Berg herunterfegenden Wind geschützt zu sein. Direkt über uns dehnten sich Grashalden in einen Halbkreis von Felsen hinein, deren oberer Rand von einem langen, schmalen Schneefeld eingefaßt wurde. Eine prachtvolle Mondnacht folgte dem anstrengenden Tag. Wir waren alle zu sehr ermüdet, als daß wir sie genießen konnten. Zudem trieb ein kalter Wind uns in die Zelte und unter die warmen Decken.

Am nächsten Morgen machte ich mich zeitig auf, um womöglich die so viel angezweifelten Seen aufzufinden. Steil die Talmulde hinauf ging es durch sumpfiges Gelände zwischen Felsen in der Richtung auf das Schneeband. Ein noch kälterer Wind als gestern abend wehte von oben herunter uns entgegen und versprach wenig Gutes für die nächsten Tage.

Abb. 193. Lager am Pepelakkar.

Kaum dreiviertel Stunden hatte ich anzusteigen, da stand ich vor den Seen. Es waren zwei kleine Wasseransammlungen, kaum 1-2 m tief, mit klarem Wasser; der Boden war von Steinen bedeckt. Grün schimmerten sie aus dem weißgrauen Gestein heraus, wenn man aus der Höhe auf sie hinabblickte. Ein Damm aus Felsentrümmern und Geröll trennte sie von dem Abhang der Talmulde.

Das klare, kalte Wasser enthielt eine spärliche Tierwelt: Larven der Chirocephalus-Art, welche wir einige Tage später weiter unten im Begovatal im erwachsenen Zustand fanden, Wasserkäfer, oligochäte Würmer und sonst sehr wenig Getier. Es waren diese kleinen Wasseransammlungen eine rechte Enttäuschung. Wir hatten nach den Karten etwas Größeres und Interessanteres erwartet. Die Wasserkäfer waren Dytisciden, unserm Gelbrand verwandt, aber kleinere Arten. Zwei Arten fanden sich in dem kalten Wasser, Gaurodytes solieri Aubé, eine alpine Art, und Gaurodytes nitidus F. Auch eine Wasserwanze (Corixa Sahlbergi (?)) wurde dort gefangen.

Hinter den Seen stieg der Berg schroff zum Schneeband hinan; eine mächtige Schutthalde füllte den Raum zwischen scharfen Felsenrippen aus. Das Schneeband war kaum 50 m breit; an den Schnee schloß sich noch eine steile Halde an, die bis zum Bergkamm reichte, der über die drei Gipfel des Pepelak hinstrich. Das Gestein des Berges, wie der Ufer der Seen war Gneis. Das herabfließende Schmelzwasser füllte die Seen. Von ihnen floß es in einigen Rinnsalen ab, welche in kleinen Wasserfällen talab strebten. Die Seen lagen auf einer Meereshöhe von 2100 m.

Die Pepelakseen sind typische Karseen. Hinter ihnen steigen die Berge steil an; vor ihnen liegt eine Moräne von 6-7 m Höhe. Unser Geologe Dr. Gripp stellte fest, daß in der Moräne seitlich des Abflusses Kuppen aus Granatglimmerschiefer aufragen, welche zu Rundhöckern abgeschliffen sind und deutliche Gletscherschrammen aufweisen. Er fand etwa 25 m höher die Reste eines zweiten Kars mit einer etwa 150 m langen Moräne von durchschnittlich 7 m Höhe. Diese kleinen zwei Kare liegen in der Rückwand eines viel größeren Kars, das den ganzen Bogen zwischen den Gipfeln Pepelak-Nord und Pepelak-Süd umfaßt. Als Reste des einstigen Karsees finden sich in 2020 m Höhe zwei durch einige Felskuppen getrennte Moorbecken. Am Gestein am Rande dieses Karbodens sind ebenfalls Rundhöcker nachzuweisen.