Tiere, welche man im Frühsommer im ganzen Gebiet häufig antraf, welche auf blühenden Pflanzen und auf Bäumen saßen, die man leicht von Büschen herunterschütteln konnte, waren die bunten Baum- und Blattwanzen. Viele von ihnen waren auch ganz seltsam gestaltet.
Sie gaben zu manchen Beobachtungen Anlaß, und so will ich einiges von ihnen berichten. Ich verdanke die Bestimmungen Herrn Dr. Schumacher. Die Formen sind vielfach tiergeographisch sehr interessant, indem sie wie in anderen Gruppen die Zusammensetzung der mazedonischen Fauna aus südlichen, nördlichen und östlichen Elementen erkennen lassen.
Von Schildwanzen ist eine Form zu erwähnen, welche auf den auf S. 189 Abb. 100 abgebildeten Echiumstauden häufig vorkam. Es ist ein großes braunes Tier mit weißen Punkten an der Oberseite übersät. Bei Berührung läßt es sich sofort fallen und verschwindet vollkommen zwischen den braunen verwelkten Wurzelblättern der Stauden, welche die gleichen weißen Punkte zeigen. Der wissenschaftliche Name der Art ist Psacacta exanthematica Scop.
Ein interessanter Fund war Leprosomatessa (Leprosoma) carinata Mont., eine flache sandfarbene Art, ein ausgesprochenes Steppentier, das bisher außer in der Walachei und im Banat noch nirgends gefunden worden war. Auf Disteln und Flockenblumen fand sich eine Blumenwanze mit stark vortretenden Seitenecken des Vorderrückens und fünf geschwungenen erhabenen Leisten auf der Oberseite (Ancyrosoma leucogramma Gmel.). In geradezu überwältigenden Mengen lebte auf Kirschbäumen und Pflaumenhecken Apodiphus amygdali Germ., eine vorderasiatische Art. An Mengen wetteiferte mit ihr auf Disteln Carpocoris purpureipennis Deg. und die Beerenwanze Dolycoris baccarum L.
Bemerkenswert war das Vorkommen von Nezara-Arten, welche in den Tropen und Subtropen weit verbreitet sind, so N. viridula L. und N. (Acrosternum) heegeri Fieb., welch letztere z. B. aus Deutsch-Ostafrika bekannt ist.
Ein wichtiger Fund bei Kaluckova war Opisthotaenia fulvipes Reut., die neu war für den europäischen Kontinent und nur aus Kaukasien und Kleinasien bekannt war.
Habe ich schon oben Formen von Wanzen erwähnt, welche ihrer Umgebung auffallend ähnlich sind, so möchte ich ihnen noch eine Form hinzufügen, Phyllomorpha laciniata Vill., eine Blattwanze, deren Gestalt durch Fortsätze am Rand und deren graubraune Färbung sie einem verschlissenen, verdorrten Blatt ähnlich machte.
An dieser Stelle will ich noch zwei Fälle auffallender Ähnlichkeit von Insekten mit Tieren und Blumen erwähnen, die ich in Mazedonien beobachtete. Die eine betrifft einen Käfer aus der Gattung Necydalis, den ich auf der Plaguša Planina fing, und welcher einer Wespe mit dünner Taille in Farben und Formen ganz außerordentlich ähnlich sah ([Abb. 22 c]).
Noch merkwürdiger war eine Beobachtung am Wardar oberhalb Demirkapu. Dort wuchs an lichten Stellen im Weidengebüsch eine stark behaarte Pflanze mit leuchtend violetten Blüten (Anchusa hybrida Tenn.).