Abb. 206. Die Hirten in der Mandra Sribatschan.

In der Mandra dampfte die Milch in großen Töpfen, in denen sie zu dem vorzüglichen Kiselo Mleko, der Sauermilch, dem Yogurth zubereitet wurde. Es wurde auch gebuttert und Käse hergestellt. Die Produkte wurden von hier mit Lasttieren in etwa einem Tagesmarsch nach Veles gebracht.

Abb. 207. Bauern in Kiselawoda beim Schafmelken.

Der Rückmarsch, nach Abbruch des Lagers, führte uns am Nachmittag des 28. Juni durch Buchenwälder und malerische Schluchten über den Kamm, welcher das Begovamassiv mit dem Liseč verbindet. Unsere Absicht, letzteren noch zu besteigen, mußten wir aufgeben, da wir die Entfernungen unterschätzt hatten. Der Proviant für die Mannschaften ging auf die Neige, ebenso der Hafer für die Pferde. Auch waren am letzten Abend Abgesandte der bulgarischen Opcinabehörden in der Mandra angelangt, welche Einspruch erhoben, daß den Bundesgenossen in der Sennerei deren Produkte verkauft wurden. Da wir unsere wesentlichen Ziele erreicht hatten, beschloß ich auf dem Paß nach Südosten den Abstieg anzutreten und am nächsten Tage Üsküb wieder zu erreichen.

Im Walde wurden noch zahlreiche Schnecken gesammelt, Nacktschnecken und Clausilien. Die Waldbäche beherbergten auch eine reiche Fauna, vor allem Larven von Trichopteren und Perliden, deren Imagines auch vielfach herumflogen, viel gejagt von der häufigen Lacerta muralis, der Mauereidechse. Im Wasser der Bäche fanden sich zahlreiche Larven des gefleckten Salamanders (Salamandra maculosa), der sich also hier in einer Höhe von 1800 m fast genau zur selben Zeit fortpflanzt wie in Deutschland. Von den zahlreichen Wasserwanzen seien Velia rivulorum, Limnotrechus lateralis var. costae, Notonecta glauca var. furcata und eine Corixa-Art erwähnt. Auch die Alpenplanarie (Planaria alpina) fehlte diesen Bergbächen nicht, wie denn dies Eiszeitrelikt in den mazedonischen Bächen eine regelmäßige Erscheinung ist.

Während wir jenseits des Lisečkammes abstiegen, kamen wir durch malerische Waldgruppen und weite Wiesenflächen. Auf letzteren weideten große Viehherden, als wir etwa auf 1000 m Höhe herabgekommen waren, mehrten sich die Herden von Rindern und Pferden. Trotzdem begegneten wir wenig Menschen und diese waren ausschließlich Türken und Albaner.

Der Charakter der Landschaft änderte sich, je tiefer wir herabritten. Es war ein Gebiet von großer eigenartiger Schönheit. Gruppen mächtiger Bäume, zum Teil von riesigen Ausmaßen, wechselten mit Buschwerk und grünen Wiesen. Auf weiten Flächen standen wieder die schlanken Asphodelos (Asphodelus albus Willd. und Asphodelina lutea Reichenb.), die hier jetzt schon am Verblühen waren. Große Bestände von Farnen bedeckten den Waldboden.

Es war geradezu eine Parklandschaft, in der meist alte Buchen, dazwischen Eichen, Eschen und Ulmen in schönen Gruppen die Ausblicke umrahmten, die wir zunächst auf das verlassene Gebirge genossen. Bald aber öffnete sich vor uns der Blick in das Tal der Kadina Reka. Dies Flüßchen strömte raschen Laufes durch ein enges, auf den Hängen bewaldetes Tal. Der Talgrund war grün von Wiesen und Feldern, zwischen denen vereinzelte, sehr sauber aussehende türkische Bauernhäuser standen. Ein Dorf konnten wir aber in der ganzen Gegend nicht wahrnehmen. Über dem Kadinatal erhoben sich jetzt im Glanz der Nachmittagssonne die vom Wardartal so wohlbekannten stattlichen Gipfel von Kitka und Ostri.

Rasch ritt jetzt die Karawane den Hang hinab zum Ufer der Kadina Reka; am Einfluß eines stattlichen Nebenbaches schlugen wir auf einer üppigen Wiese unser letztes Lager auf. Der Nachmittag wurde noch zu Beobachtungen und Sammlungen ausgiebig ausgenutzt. Das Kadinatal ist eine üppige Gegend, voll interessanter Pflanzen und Tiere, so daß Zoologen und Botaniker noch reichlich Beute machten, während für den Geologen hier weniger zu suchen war.