Ein Rundgang zeigte uns dann noch die wesentlichen Teile der Stadt. Trotz der Hitze war es nicht unangenehm in den engen Straßen zu bummeln, in welche die weit vorgebauten Häuser tiefen Schatten warfen. Es waren malerische Durchblicke, an den vorragenden Dächern und Balkonen mit Schnitzerei und Fachwerk vorbei, auf die steilen Felshänge der Granithügel, über denen ein wolkenloser Himmel blaute.

Abb. 211. Stadtstraße in Stip.

Es gab viele Obstläden, in denen es Äpfel, Birnen, Zwetschen und frische Nüsse und Haselnüsse zu kaufen gab. Auch Trauben und köstliche süße Melonen bildeten mit Tomaten und Paprikaschoten einen farbigen Vordergrund für das schöne Straßenbild. Merkwürdig gut und reich beschickt waren die Läden; in den Stoffhandlungen sah man noch viele englische und deutsche Stoffe und in der Apotheke bekamen wir eine Flasche Gießhübler, die wir zu dem vortrefflichen Kaffee tranken, den wir in einem kleinen Kaffeehaus an der Bregalniza in Messingkannen auf glühenden Holzkohlen in gut türkischer Weise zubereitet bekamen.

Dann besuchten wir noch die griechische Kirche, eine stattliche, dreikupplige Basilika mit seitlicher Säulenhalle. Sehr reizvoll war die Schnitzerei am Ikonostas im Innern, während die Malerei nicht sehr bedeutend war. Eigenartig war eine verschlossene Gittergalerie für Frauen oben im Kirchengewölbe, in der die Frauen abgesondert von den Männern dem Gottesdienst beiwohnten.

Schöne Blicke auf den Hügel mit der Moschee und ihrer herrlich grün patinierten Kuppel boten sich im Rahmen der stattlichen weißen Säulen des Umgangs der Kirche, um welche prachtvolle Bäume und allerhand blühende Pflanzen standen. An den Säulen saßen massenhaft schlafende Stechfliegen (Stomoxys calcitrans L.) bereit, sich auf die Beter zu stürzen.

Von der Kirche wanderten wir noch durch das trockene Bett der Bregalniza zu dem Vorort Novo Sielo, der als Schwefelbad berühmt ist. Wir kamen an einer graziösen kleinen Moschee mit einem säulenreichen Vorraum und schlankem Minaret vorbei zu dem malerisch zwischen uralten Pappeln und Weiden gelegenen Dorf. Ein niedriges Haus enthielt ein viereckiges Badebecken aus Zement, in welchem ein 50° C messendes, gelbliches Wasser brodelte, welches auf Kilometer im Umkreis die Luft mit Schwefelgeruch erfüllte.

Unter einer alten Pappel lagerten wir uns und waren damit beschäftigt, Schmetterlinge, Käfer und Ameisen an den alten Stämmen zu beobachten, als ein glühend heißer Staubsturm uns in die Stadt zurücktrieb. Dieser machte uns auch die Rückfahrt nach Veles nicht sehr erfreulich und füllte auch diese Stadt, als wir ankamen, mit Staub und afrikanischer Glut, welche die Steppe bis zum Wardartal wirken machte.

ACHTUNDZWANZIGSTES KAPITEL

KLIMA UND SEUCHEN IN MAZEDONIEN