Wie auf die Tier- und Pflanzenwelt, so hat das Klima eines Landes auch auf den Menschen einen starken Einfluß. Und vor allem macht sich die Wirkung eines ungewohnten Klimas sehr bemerkbar, wenn größere Bestandteile eines Volkes plötzlich in ein Klima versetzt werden, das stark von dem ihres Heimatlandes abweicht. So hatten denn deutsche Soldaten an den verschiedenen Fronten sehr unter Klimaeinflüssen zu leiden. Und gerade in Mazedonien galt das Klima bei unsern Truppen als besonders ungesund.

Das ist nun in dieser Verallgemeinerung unrichtig. Allerdings brachte es für unsere Soldaten manche Überraschungen. Ganz anders als in Italien oder Südfrankreich war der Gegensatz zwischen Sommer und Winter in Mazedonien außerordentlich groß. Während im Hochsommer Temperaturen bis 42° C im Schatten auftraten, in Kaluckova z. B. im Juli und August regelmäßig solche von 35-40° C gemessen wurden, sank das Thermometer im Dezember und Januar nicht selten auf -10° C, ja es wurden gelegentlich selbst im Flachland Temperaturen von -23 bis -28° C gemessen. Das sind ungeheuere Gegensätze.

Wie kommt es nun, daß dieses Land ein so ganz anderes Klima besitzt als Süditalien und Sizilien, mit dem es unter gleicher Breite liegt. Das ist durch den Einfluß der Nachbarländer bedingt. Das heitere Wetter, der andauernd blaue Himmel des Sommers sind bewirkt durch den Einfluß des subtropischen Hochdruckgebietes, welches über das Mittelmeer bis zum Balkan sich ausdehnt. Dazu kommt aber die Einwirkung der stark erhitzten Landflächen Vorder- und Südasiens. Diese erzeugt vor allem die Regenarmut und Dürre. Sie hat auf den Hauptteil Mazedoniens einen stärkeren Einfluß als das ferner gelegene Meer.

Das macht sich auch im Winter bemerkbar. In dieser Zeit ist das ganze Mittelmeergebiet dem subtropischen Einfluß entzogen. So herrscht wie in jenem auch in Mazedonien regnerisches Wetter und Wolkenbedeckung vor. Sehr oft macht sich aber dann die innerasiatische Kälte bemerkbar, dann fallen eiskalte Nordwinde in das Land ein, dann tritt Schneefall ein und sinkt die Temperatur oft sehr tief.

So entstehen jene Kontraste, welche die Tier- und Pflanzenwelt beeinflussen und unter denen unsere Soldaten so sehr zu leiden hatten, weil sie sich gegen sie zunächst nicht zu schützen wußten.

Im allgemeinen kann man die Jahreszeiten in Mazedonien folgendermaßen charakterisieren. Der Sommer ist sehr heiß und trocken; sonniges Wetter herrscht von Mai bis Oktober unter Luftströmungen, die in der Hauptsache von NW nach SO gerichtet sind. Gewitter kommen nicht selten vor, sind aber meist durch geringe Regenmengen ausgezeichnet. Ende September bis Anfang Oktober beginnt der Herbst, der durch kalte Regen, und zwar mit großen Regenmengen auffällt. In dieser Zeit strömen große Wassermassen die Berge herunter, die Hauptarbeit an den Schluchten wird geleistet, Überschwemmungen treten ein. Im Dezember tritt gewöhnlich der Winter ein, der in der Hauptsache vom Januar bis März dauert. Starke Schneefälle und tiefe Temperaturen sind für ihn charakteristisch.

Der Frühling, der meist erst Anfang April beginnt, nicht selten aber früher schon Vorstöße macht, ist eine schöne Jahreszeit auch in Mazedonien. Der April kann noch recht kalt sein. Er ist die Zeit der prachtvollen Wolkenbildungen, die auch im Mai und Juni die Landschaft wunderbar verschönen. Auch im Lenz bringen starke Regengüsse nicht selten Überschwemmungen. So haben wir also zwei Regenperioden im Jahre; der Frühling ist aber keine eigentliche Regenzeit, diese ist vielmehr der Herbst.

Das ist das Klima, wie es sich hauptsächlich in den Ebenen und im Hügelland darstellt; in den Gebirgen herrscht dagegen ein Klima, welches vollkommen demjenigen Mitteleuropas gleicht, also für unsere Truppen sicher gesund war. Aber dennoch gab es in Mazedonien, unabhängig von Klima und Temperaturen, Regionen, die man gesundheitlich als gut und als schlecht bezeichnen konnte. Berüchtigt als ungesund waren die größeren Städte, wie Üsküb, Veles, Prilep u. a. und ebenso die Sumpfgebiete an der Front. Als Regionen mit besonders viel Krankheitsfällen wurden viel genannt der Doiransee, die Gegend bei Bogdanci und Negorci am Wardar, der Prespasee. Dazu kamen die Übernachtungsquartiere der Urlauber, was ich im nächsten Kapitel für Drenovo erklären werde (S. 470).

Quartiere in Höhenregionen von 800-1200 m waren gesundheitlich günstiger als solche in der Ebene. Das hing insofern indirekt mit dem Klima zusammen, als in den kühleren Gebieten die Landeseinwohnerschaft von Seuchen weniger verfolgt war. Vor allem war aber für gewisse Krankheiten von größter Bedeutung, daß in der Höhe die sie übertragenden Insekten nicht vorkommen. Wir werden das unten bei den Malariamücken und den Pappatacci zu besprechen haben.

Sicher spielten für die Gesundheitsverhältnisse bei unseren Truppen die Quartierverhältnisse eine große Rolle. Wir Deutsche sind gewöhnt, unser Klima in guten, dicht gebauten, im Winter heizbaren, im Sommer kühl zu erhaltenden Häusern zu ertragen. Das fanden wir in Mazedonien nicht vor. Die vielfach baufälligen primitiven Häuser waren im Winter sehr kalt; wie oft mußten unsere Soldaten in ganz primitiven Hütten, in Baracken und Unterständen hausen, in denen man nicht warm bekommen konnte.