Bekanntlich stellt die Malaria in doppelter Weise ein zoologisches Problem dar. Der Parasit, der in den roten Blutkörperchen des Menschen lebt, diese zerstört und ihn dadurch blutarm und durch seine Giftwirkung fieberkrank macht, ist ein einzelliges Tier aus der Gruppe der Protozoen. Und damit dieser Parasit durch die Haut des Menschen in dessen Blutgefäße und so in die Blutkörperchen gelangen kann, bedarf er eines Transportmittels und einer Hilfe beim Einspritzen ins Blut des Menschen. Beides leistet ihm wiederum ein Tier; und zwar ist es ein blutsaugendes Tier aus der Gruppe der Stechmücken.

Alle blutsaugenden Insekten ernähren sich in der Hauptsache vom Blut der Wirbeltiere. Dabei saugen sie mit einem Stechrüssel das Blut in ihren Darm als Nahrung; damit das Blut genügend durch die feine Wunde nachfließt, spucken die meisten Blutsauger beim Saugen ihren Speichel hinein, der in manchen Fällen die Blutgerinnung hindert, stets aber eine Entzündung hervorruft. Diese hat ihre Bedeutung für den Sauger und den Gesaugten. Bei letzterem bringt sie das Zusammenströmen von reichlich Blut zur Wunde zustande. So kommt es zur Schwellung und zu dem bekannten unangenehmen Jucken beim Insektenstich. Für den Blutsauger bedingt das einen reichen Blutzufluß zu dem saugenden Rüssel und sichert ihm eine richtige Portion zum Sattwerden nach einem oder einigen Stichen.

So ist das Stechen der Wanzen und Flöhe zwar sehr unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich, keine Seuche übertragend. Das ist auch bei der großen Mehrzahl der Stechmücken der Fall. Auch solche spielten in Mazedonien an vielen Orten eine höchst unangenehme Rolle. So waren Veles, Teile von Üsküb, der Prespasee, der Doiransee und andere Abschnitte der mazedonischen Front berüchtigte Stechmückennester, wo die Menschen ganz bös von diesen Plagegeistern gequält wurden. Das war ganz besonders schlimm, wenn sie zu den Wanzen und Flöhen und allerhand anderem Gesindel noch dazu kamen. Zum Glück hatten wir es in Mazedonien nicht so schlecht, wie unsere Feinde. Die Franzosen in der Wardarebene bei Saloniki und besonders die Engländer an der Strumafront müssen in reinen Stechmückenhöllen gesessen haben. Wir hörten das aus ihren Berichten und konnten es daran merken, daß in der Frontgegend oft mächtige Rauchsäulen aufstiegen, wenn sie sich durch Abbrennen des Schilfs in den Sümpfen zu retten suchten. Sie zogen sogar manchmal wegen der Schnakenplage ihre Front etwas auf höher liegendes Gelände zurück und konnten sicher sein, daß wir ihnen in diese Hölle in der Schnakenzeit nicht nachfolgten.

Die Schnaken, die am meisten plagten, zum Teil auch am Tage bei heißer Sonne stachen, gehörten zu den Gattungen Culex, Culicada, Aedes u. a., von denen man jetzt seit etwa 20 Jahren weiß, daß sie sich an der Übertragung des menschlichen Malariaparasiten niemals beteiligen. Seither weiß man nämlich, daß es nur die Stechmücken der Gattung Anopheles sind, welche in allen Teilen der Erde die menschliche Malaria übertragen. So wie also der Mensch der einzige Organismus ist, welcher die echte Malaria bekommt, so ist es auch nur die gleiche Parasitenform, die in ihm gedeiht und nur durch Arten der Gattung Anopheles vermittelt werden kann, also nur in solchen lebensfähig bleibt. So sehen wir denn in dieser gesetzmäßigen Verkettung dreier Organismen von verschiedener Art, von denen das eine nicht leben kann, ohne daß beide anderen vorhanden sind, ein interessantes zoologisches Problem vor uns.

Da ich nun selbst Protozoenforscher bin und mich mit dem Malariaproblem und seinen biologischen Grundlagen früher viel beschäftigt hatte, so war es naheliegend, daß ich meine Kenntnisse in diesem Gebiet sogleich in den Dienst der Heeresleitung und meiner leidenden Kameraden stellte und untersuchte, was über die Zoologie der Malaria in Mazedonien festzustellen war und was man etwa durch neue Beobachtungen zu ihrer Bekämpfung beitragen könne.

Vorläufig war noch nicht bekannt, welche Malariamücken in Mazedonien vorkommen. Man weiß jetzt längst, daß auf der ganzen Welt mehrere Dutzend Anophelesarten leben, welche alle die Menschenmalaria zu übertragen vermögen. In Europa sind bisher vier Arten nachgewiesen worden, von denen nur zwei in Deutschland vorkommen. Diese heißen Anopheles maculipennis Meig. und Anopheles bifurcatus L. ... Zu diesen kam noch eine für Mazedonien besonders interessante Art Anopheles superpictus Grass u. Fel., während die vierte europäische Art bisher auf dem Balkan nur in Rumänien und im Donaugebiet gefunden wurde; es ist dies Anopheles pseudopictus Grass u. Fel. Wahrscheinlich fehlt sie in Mazedonien. Jedenfalls konnte ich sie trotz eifrigen Nachforschens in den zwei Jahren 1917 und 1918 nicht finden.

Anopheles maculipennis und bifurcatus leben auch hier in der altbekannten Weise im Larvenzustand in stehenden Tümpeln. So konnte man sie in der auch sonst in der Welt üblichen Methode bekämpfen, indem man entweder die Brutstätten zuschüttete, Abläufe anlegte und ihr Entstehen und Bestehen in der Nähe menschlicher Siedelungen verhinderte. War eine Beseitigung der Wasseransammlungen nicht möglich — und das war in Mazedonien oft der Fall, wo das Wasser zur Bewässerung von Feldern und Gärten vielfach angestaut werden mußte, so konnte man durch Aufgießen einer dünnen Schicht von Petroleum oder Saprol die Puppen und Larven der Stechmücken am Atmen verhindern und so ersticken. Denn die Entwicklungsstadien der Stechmücken sind Luftatmer und müssen in kurzen Abständen sich an der Wasseroberfläche immer wieder Luft zum Atmen holen. Sperrt man ihnen diese durch eine dünne Ölschicht ab, so müssen sie ersticken und sterben.

Diese Methoden waren in Mazedonien von den Armeehygienikern, unter denen besonders der erfahrene Professor Fülleborn aus Hamburg sich hervorgetan hatte, in den ersten Jahren schon an vielen Stellen mit Erfolg angewandt worden. Es hatte sich aber herausgestellt, daß in vielen Gegenden die Maßregeln nicht eingeschlagen hatten. So hatten sie besonders an verschiedenen Lazaretten versagt, welche man am Ende von Schluchten aufgeschlagen hatte, um sie mit fließendem Wasser leicht versorgen zu können.

Gerade in meinem Standquartier Kaluckova war dies der Fall gewesen und hier speziell hatte man die betrübende Beobachtung machen müssen, daß die Ruhrkranken, die an diesem Ort konzentriert wurden, fast regelmäßig noch dazu im Lazarett an Malaria erkrankten und damit viel schwerer behandelt und dem drohenden Tod entrissen werden konnten. Das mußte besondere Ursachen haben, und diese zu untersuchen, nahm ich mir vor.

Schon im Jahre 1917 gelang es mir festzustellen, daß gerade in der Gegend von Kaluckova die kleinste der europäischen Anophelesarten (Anopheles superpictus) auffallend häufig vorkam. Außer durch ihre Kleinheit ist sie besonders von der auch häufigen Art A. maculipennis durch die Anordnung der dunkeln Flecken auf den Flügeln leicht zu unterscheiden. Die vier Flecken liegen nämlich am Vorderrand der Flügel in einer Reihe hintereinander (vgl. die untenstehende Abb. 212). Auch sonst zeigt sie einige leicht nachweisbare Unterschiede von den anderen Arten.