Abb. 212. Anopheles superpictus Gr. u. Fel. Schluchtenfiebermücke.
A Weibchen. B Männchen. Vergr. 5.

Wie war es wohl zu erklären, daß gerade diese Form bei Kaluckova die häufigste war? Die Untersuchungen der Schluchten klärten diese Frage auf. Es stellte sich dabei heraus, daß gerade Anopheles superpictus in den Schluchtbächen brütet. Und zwar findet man die Larven nicht, wie man das bisher für alle Anopheles-Arten annahm, nur im ruhenden Wasser stehender Tümpel, sondern auch im strömenden Schluchtbach. Da lagen sie vor allem in charakteristischer Lage mit dem Hinterende an den Steinrändern des Bachufers angelehnt. So wurden sie von der leisen Strömung nicht mitgerissen.

Auch in den Sammelgläsern und Glasschalen, in denen ich die Larven aufhob, zeigten sie eine ganz besondere Neigung sich mit dem Hinterende an die Glaswand anzulegen, was für eine mit ihrer Lebensweise zusammenhängende Besonderheit spricht.

Die Larven von Anopheles superpictus konnte ich dann in vielen Gegenden Mazedoniens als bevorzugte Bewohner der Schluchtbäche feststellen, in denen gelegentlich auch diejenigen von A. maculipennis vorkommen. So waren denn die Schluchten nicht mehr als harmlose Nachbarschaft von Lazaretten und Truppenquartieren anzusehen und unter anderen erwies sich die Verlegung bzw. Aufhebung des Lazaretts Kaluckova vor dem nächsten Sommer als notwendig.

Immerhin war die Bekämpfung der Malariamücken auch in den Schluchten nicht unmöglich. Ich gab dafür ein Mittel an, welches die Natur mich gelehrt hatte und welches mir in diesem Lande selbst für die Einwohner ausnützbar und mit wirtschaftlichen Zwecken verknüpfbar erscheint. Nachdem ich nämlich beobachtet hatte, daß nach starken Regengüssen die Tümpel der Schluchtbäche von dem angeschwollenen Wasser glatt von Schnakenlarven ausgespült werden, welche dann auf den Geröll- und Sandbetten des im Sommer austrocknenden Unterlaufs absterben, empfahl ich dafür eine Nachahmung des natürlichen Vorganges durch einfache Handgriffe.

Bei geeigneter Auswahl der richtigen Stelle kann man in jeder Schlucht mit einer Arbeitskraft in einem Tage aus dem vorhandenen Geröll eine labile Sperre herstellen, welche eine Wassermasse staut, genügend für eine einmalige radikale Durchspülung der Schlucht. Gleichzeitig könnte in dieser Weise angestautes Wasser zur Bewässerung von Anbauland ausgenützt werden und nur periodisch alle paar Wochen zur Schnakenbekämpfung Dienste tun.

Auch andere Malariabeobachtungen konnten auf dem Balkan gemacht werden, die nicht ohne Interesse waren. So zeigte sich die Verschleppung der Malaria stets an das Vorhandensein der Anopheles geknüpft, wobei die Menschen als Dauerträger der Parasiten eine große Rolle spielten. So wurde die Malaria besonders in der schlimmen Form der Tropica in vielen Gegenden des Balkan erst während des Krieges eingeschleppt, in denen sie früher gefehlt hatte. Es zeigte sich, daß das neue Auftreten von Tropikafällen fast immer mit dem Erscheinen von meist asiatischen, türkischen Truppen und an der feindlichen Front von farbigen Abteilungen in Zusammenhang stand; diese hatten als Malariaträger in ihrem Blut die Infektionsformen des für das Land neuen Parasiten mitgebracht.

Auch wurde zum ersten Male auf dem Balkan von unseren Militärärzten auf die Wichtigkeit der Kindermalaria geachtet. An manchen Orten, so am Prespasee, in Struga am Ochridasee, war es sehr auffallend, wie die meisten Kinder bleich und hohläugig, vielfach abgemagert und mit vorstehendem Bauch herumliefen. Sie wurden untersucht und erwiesen sich als sogenannte Milzbäuche, d. h. als Malariaträger, bei denen durch den Einfluß des Parasiten die Milz stark geschwollen war.

Solche Kinder, welche ihre Jugend in einem ständigen Kampfe mit dem Malariatod verbrachten, waren dauernd Infektionsquellen für die Anopheles, welche in einem so belasteten Ort während des ganzen Sommers mit Malariakeimen beladen, auf gesunde Ankömmlinge lauerten, um sie beim Stechen zu infizieren. Kam Einquartierung in einen solchen Ort, so war mit Sicherheit anzunehmen, daß dort in kürzester Frist ein hoher Prozentsatz der Leute mit Malaria infiziert wurden.