Anopheles superpictus scheint mir gegenüber den auch bei uns verbreiteten Arten A. maculipennis und bifurcatus eine südliche Form zu sein. Darauf weist zunächst einmal hin, daß ich sie im südlichen Teile Mazedoniens viel häufiger fand als im nördlichen. Während ich in Üsküb unter zahlreichen A. maculipennis nur ganz selten einen vereinzelten A. superpictus fand, waren es in Kaluckova zehnmal mehr von dieser letzteren kleinen Form. An allen südlichen Fundorten, so in Veles und Dedeli war sie die häufigere. Das mag ja zum Teil aus ihrer Vorliebe für Schluchten zu erklären sein.
Aber andererseits ist bemerkenswert, daß A. superpictus später im Frühling aus dem Winterquartier kommt und später seine Eier legt als A. maculipennis. Das Winterquartier ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um die Häufigkeit einer Art in einer Gegend festzustellen. Auch in Mazedonien überwintern nur die Weibchen in Kellern, Häusern, Ställen, Schuppen, aber auch in Erdspalten und Höhlen im Freien. A. superpictus hat eine besondere Tendenz in solchen natürlichen Verstecken zu überwintern.
Die Weibchen von A. maculipennis haben oft schon kurz nach dem Verlassen des Winterquartiers legereife Eier besessen, das Legen beginnt bei dieser Art schon im April. Bei superpictus habe ich es vor Ende April bis Anfang Mai nicht beobachtet.
Bei Anopheles gibt es scheinbar als Norm im Sommer drei Generationen; bei günstiger Witterung und guten Ernährungsverhältnissen kann es wohl auch zu mehr Sommergenerationen kommen. Normal dürfte wohl folgende Reihenfolge sein: Die überwinternden Weibchen legen im Frühling Eier, aus diesen entsteht im Mai die Frühlingsgeneration, die im Mai und Anfang Juni fliegt, sich begattet und zur neuen Eiablage gelangt. Aus diesen Eiern entsteht die Sommergeneration, die meist Anfang August sich zeigt. Sie legt im Herbst ihre Eier, aus diesen entstehen wieder erwachsene Männchen und Weibchen. Erstere sterben schnell ab, die begatteten Weibchen gelangen meist nicht mehr zur Eiablage, sondern überwintern im Winterquartier, um die nächste Generation erst im Frühling hervorzubringen. Die hier eingefügte Tabelle zeigt, daß die Generationen von A. superpictus immer ein wenig denen von A. maculipennis nachfolgen.
| Anopheles maculipennis | Anopheles superpictus | |
| I. Gen. | April-Mai | Mai |
| II. Gen. | Anfang August | August-September |
| III. Gen. | September-Oktober | Oktober |
| Überwinterung | Überwinterung |
Mit den Generationen der Malariamücken hingen auch die Höhepunkte der Malariaepidemien in Mazedonien zusammen. Kurze Zeit nach der Entwicklung zahlreicher Mücken stieg die Zahl der Erkrankungen an Malaria stark an.
Die schlimmsten, unangenehmsten Quälgeister in Mazedonien waren winzig kleine Mücken, welche in gewissen Zeiten den Schlaf fast unmöglich machten. Es waren dies die Pappataccifliegen, kleine 2½ mm lange Tierchen, welche einem einen brennend schmerzhaften Stich beibrachten, der auf die verschiedenen Menschen ganz verschieden ein- und nachwirkte. Wer mit ihnen ernsthaft zu tun hatte, wird sie in seinem Leben nicht mehr vergessen.
Zunächst ist man gar nicht geneigt, so kleinen Wesen, die kaum größer sind als Blattläuse, Beachtung zu schenken. Sie zwingen sich aber bald Beachtung auf. Sie sind im ganzen Orient verbreitet, kommen auch im übrigen Südeuropa, in Italien, in Malta und Nordafrika vor und sind überall sehr gefürchtet. Überall treten sie lokal auf, sind auf besondere Orte beschränkt und fehlen oft dicht daneben.
Abb. 213. Phlebotomus papatassii L. Pappataccifliegen. A Männchen. B Weibchen mit blutgefülltem Darm. Vergr. 20.