Im Winter sind die geflügelten Tiere vollkommen verschwunden; eine Überwinterung der Weibchen, wie bei den Stechmücken, kommt bei ihnen offenbar nicht vor. Sie treten Anfang bis Mitte Mai auf und erreichen ein Maximum der Häufigkeit in Mazedonien im Juni, dem ein zweites Maximum im September folgt. Im Oktober bis November verschwinden sie vollkommen, was nicht mit einem Überwintern zusammenhängen kann. Nach vollendeter Eiablage sterben nämlich die Weibchen.

Die Pappatacci haben ein eigenartiges Aussehen; sie haben dünne nicht allzu lange Beine, lange, zart behaarte Fühler, vorstehende Augen und einen ziemlich langen Stechrüssel am Kopf. Der Leib ist beim Männchen schmäler als beim Weibchen und trägt am Hinterende einen eigenartigen Klammerapparat. Die Flügel sind lang und schmal, fein geädert und behaart und werden in der Ruhe in einer eigenartigen Stellung gehalten, welche als Engelsflügelhaltung bezeichnet wird (vgl. die oben- und umstehenden Abbildungen 213, 214 und 215).

An der Wand sitzen sie mit stark nach unten abgebeugtem Kopf, aufrechten Fühlern und abstehenden Beinen. Rührt sich etwas in ihrer Umgebung, so nehmen sie eine Bereitschaftsstellung ein, aus der sie durch einen seitlichen Sprung sich einige Meter an der Wand entfernen, um meist bald sich wieder zu setzen. Sie sind auf Tastreize, Bewegungen und Lichtreize außerordentlich empfindlich. Licht zieht sie an. Sie haben eine ausgesprochene Tendenz sich auf rauhe Unterlagen zu setzen.

Abb. 214. Pappatacciweibchen in Engelstellung von vorn.

Hat man abends sein Moskitonetz auf Pappatacci sorgfältig geprüft und vollkommen frei von ihnen gefunden, so findet man dennoch morgens oft deren 50-60 unter dem Netz. Sie sind offenbar durch den Geruch des Menschen angezogen worden und mit großer Geschicklichkeit durch die Maschen des Netzes gekrochen. Weibchen wie Männchen werden gleicherweise durch den Menschen angezogen, obwohl nur die Weibchen Blut saugen. Es werden also auch die Männchen durch den Menschengeruch angelockt, obwohl sie sich nicht an ihm ernähren. So sehen wir bei ihnen den Geruchssinn in ähnlicher Weise in den Dienst der Fortpflanzung gestellt, wie bei manchen Schwärmern unter den Schmetterlingen, wo die Geschlechter auf den Geruch gewisser Blüten sich an diesen versammeln, ohne daß sie an diesen saugen, was ihnen gar nicht möglich ist, da sie einen verkümmerten Saugrüssel haben und im Imagozustand überhaupt keine Nahrung zu sich nehmen.

Abb. 215. Pappataccimücke. Weibchen von oben: voll Blut gesaugt.

Morgens fand ich die Weibchen stets voll Blut gesaugt auf der Innenseite meines Moskitonetzes ruhig sitzend und fing sie regelmäßig alle zu wissenschaftlichen Zwecken weg. Dabei fand ich viele Pärchen in Begattung vereinigt; dann war das Weibchen stets voll Blut gesaugt; das Männchen hing entgegen manchen Angaben stets nach unten.

In der Regel stachen die Pappatacci nur nachts, doch konnte ich in manchen Fällen ebenso wie bei den Anopheles auch ein Stechen bei Tag beobachten. Nachts war ihr Stechen vielfach qualvoll, manche Menschen reagierten auf sie sehr stark und waren am ganzen Körper nach den Stichen von Quaddeln bedeckt; die Stiche hatten oft ein Ekzem zur Folge. Die Ärzte, Schwestern, Kranken konnten in den kritischen Monaten in Kaluckova überhaupt kaum mehr schlafen und kamen auf diese Weise körperlich und seelisch sehr herunter. Kaluckova, Hudova, Veles und andere Orte waren von diesen Tieren stark geplagt, während sie in Üsküb weniger hervortraten, in Prilep fast ganz und in hochgelegenen Orten wie Gopes vollkommen fehlten. Vor allem im südlichen Wardargebiet litten unsere Truppen ganz außerordentlich unter diesen Quälgeistern.