Besonders schlimm war aber, daß auf die Stiche der Pappatacci eine Krankheit auftrat, welche mehrere Tage hohes Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und ein lang anhaltendes Schwächegefühl mit sich brachte. Die Krankheit, als Pappataccifieber bezeichnet, befiel fast jeden, der in das verseuchte Gebiet kam. Auch in der Türkei, in Kleinasien, Syrien und Palästina hatten unsere Soldaten schlimm unter diesen Bestien zu leiden. Zuerst hielt man die Krankheit für harmlos und glaubte nicht an Nachwirkungen. In den späteren Jahren des Feldzugs zeigten sich aber immer schlimmere Folgeerscheinungen, so daß sie sehr gefürchtet wurde.
So tat man denn alles, um sie zu bekämpfen. Es scheint, daß die Larven vor allem in Lehmmauern, Steinspalten, Bodenritzen leben. Ich suchte in angestrengter Weise nach ihren Brutstätten in Kaluckova, Rabrovo, in Veles, in Üsküb, kurz an allen Stätten, an denen man jede Nacht Massen der Imagines sammeln konnte. Die Schwierigkeit sie zu finden, lag vor allem an der Kleinheit der Eier, Larven und Puppen. Ich kam zur Überzeugung, daß die Hauptbrutstätten in den Lehmbauten und Hausruinen des Landes sein müßten.
Ebenso intensiv wurde natürlich nach dem durch die Pappataccimücken übertragenen Krankheitserreger gesucht. Man suchte ihn im Darm der Weibchen, im Blut der Kranken, suchte dort vor allem in den ersten Krankheitstagen. Schließlich kam man zur Überzeugung, es müsse ein invisibler Virus sein. Merkwürdig ist die Tatsache, daß die überwinterten Larven Tiere aus sich hervorgehen lassen, die bald die Krankheit verbreiten können. Das muß natürlich für alle Überlegungen über die Herkunft des Krankheitskeimes von Bedeutung sein. Man dachte an eine Vererbung durch das Ei, die ja bei anderen Parasiten festgestellt ist.
Ich habe mir nach meinen persönlichen Erfahrungen Gedanken über einen besonderen Zusammenhang gemacht, den ich hier zur Diskussion stellen möchte. Ich halte es für möglich, daß gewisse, normalerweise im Darm der Pappatacciweibchen lebende Parasiten, Bakterien oder andere Organismen, sich jedes Jahr neu an Menschenblut gewöhnen. So wären nur solche Tiere infektiös, welche mehr als einmal an Menschen gesaugt haben. In ihrem Darm wäre die Vorbereitung an das Leben im Menschenblut erfolgt. Ich versuchte, den Beweis für diese Annahme bei mir selbst zu führen, indem ich keiner Pappataccimücke gestattete, ein zweitesmal an mir zu saugen. Das führte ich durch, indem ich jeden Morgen alle Mücken unter meinem Moskitonetz wegfing und alle in meinem Zimmer vorhandenen tötete.
Obwohl ich sehr oft gestochen wurde, habe ich die Krankheit in den beiden Jahren meines Aufenthaltes in Mazedonien nicht bekommen, obwohl ich an den verseuchten Stellen lebte und meine ganze Umgebung wiederholt erkrankte. Doch gebe ich zu, daß es sich mit meiner Annahme um eine noch unbewiesene Hypothese handelt.
Von anderen Plagegeistern in Mazedonien möchte ich noch die Bremsen erwähnen, welche Menschen, Pferde, Maultiere, Rinder und andere Tiere sehr quälten. Die Pferde waren oft von Dutzenden dieser Blutsauger bedeckt. Es waren eine ganze Anzahl Arten, welche in Frage kamen. Ich nenne hier Tabanus graecus Fb., T. ater Rossi, T. tergestinus Ers., T. umbrinus Mg., die zum Teil durch ihren Namen schon ihre südliche Zugehörigkeit zeigen. In den Anmerkungen zu diesem Kapitel gebe ich eine längere Liste der von mir beobachteten Bremsenarten. Ein unangenehmer Blutsauger war auch Haematopota pluvialis L.
Für unsere Pferde und Rinder waren auch die Lausfliegen (Hippobosca equina L.) eine schwere Plage, zumal manchmal 50-100 dieser schwer abzulösenden Blutsauger sich unter dem Schwanz an After und Vulva der armen Tiere anhefteten. Gefährlich waren die Zecken, die Ixodiden, welche bei Pferden und Rindern das Blutharnen, eine schwere, oft tödliche Krankheit übertrugen. Auch Dasselfliegen kamen häufig vor, und man sah bei den Rindern nicht selten die von ihnen erzeugten Beulen. Auch die Pferde litten unter solchen, wie daraus hervorgeht, daß zwei Pferdeverfolger Oestrus (Rhinoestrus) purpureus Brauer und Gastrophilus equi L. nicht selten waren.
Als Krankheitsüberträger mögen auch die Stubenfliegen und Schmeißfliegen eine Rolle gespielt haben, welche jeden Kot in ungeheuren Mengen bedeckten und von ihm auf alle Speisen flogen. Sie mögen bei der Übertragung der Ruhr und des Typhus mitgewirkt haben. Diese beiden Krankheiten spielten auch in Mazedonien ihre verderbliche Rolle; bemerkenswert ist dabei, daß es sich fast ausschließlich um Bakterienruhr handelte, während die in der Türkei häufige Amoebenruhr nur ganz selten vorkam.
NEUNUNDZWANZIGSTES KAPITEL
PRILEP UND SEINE PÄSSE