(BABUNA- UND PLETWARPASS)

Seitdem Monastir in die Hände der Feinde gefallen war, spielte Prilep eine wichtige Rolle als Hauptstadt im Westteil der mazedonischen Front. Seit jeher war sie als Durchgangspunkt auf dem Wege nach Südmazedonien und Südalbanien bedeutend gewesen. So waren hauptsächlich zwei Pässe seit altersher als Zugangsstraßen nach dieser Stadt üblich. Beide waren jetzt für die Versorgung der Front ausgebaut worden, der Babuna- und der Pletwarpaß, die vom Wardartal nach Südwesten nach Prilep führten. Beide hatten ein Gebirge auf diesem Weg zu überqueren, so daß für die Versorgung der Front die Strecke von 70-80 km große Schwierigkeiten bedeutete.

Zu meinem ersten Besuch in Prilep wählte ich im Juni 1917 den Weg über den Babunapaß, wobei Veles den Ausgangspunkt darstellte. Dort fand ich bei Hauptmann Jungmann gastliche Aufnahme und das für die Fahrt so wichtige Beförderungsmittel. Über die Paßstraße ging ein regelmäßiger starker Verkehr von Lastfuhrwerken und Kraftwagen. Um diesen zu bewältigen, war im Laufe der Zeit die Straße immer besser ausgebaut worden; außerdem war eine Kleinbahn über den Babunapaß im Bau, die jedes Vierteljahr ein Stück weiter vorgeschoben wurde, während der Rest der Strecke für den Proviant- und Munitionstransport an die Front durch eine Schwebebahn überwunden wurde.

Die Straße von Veles nach dem Babunapaß ging zuerst geradeaus südlich an der Topolka entlang, um dann über eine Höhe hinweg die Babuna zu erreichen, welche bei Izvor direkt aus Süden in einem breiten Tal dem Gebirge entströmt. Es ist eine eigenartige, abwechslungsreiche Landschaft, welche man durchfährt, während allmählich die Ketten des Gebirges immer höher vor einem aufsteigen. Diese Gegend hatte ich auf Kreuz- und Querfahrten mit Hauptmann Jungmann ziemlich genau kennen gelernt, da er mich oft bei den Inspektionen seiner Lager mitgenommen hatte. An der ganzen Straße hatte er Lager von Kriegsgefangenen, hauptsächlich Rumänen, welche am Straßen- und Bahnbau arbeiteten. In der Umgebung dieser Lager habe ich mit ihm manche Exkursion gemacht, welche besonders viel interessante Insekten brachte.

Nicht weit von Veles war eine Stelle, wo bei Anlage einer Sandgrube für die Straßenarbeiten der Hauptmann Zähne und Kieferstücke eines Mastodon ausgegraben hatte. Ich sah mir die Örtlichkeit sehr genau an; denn dort sollten später weitere Ausgrabungen vorgenommen werden. Es fand sich in der Grube eine eigenartige Schichtung von feinem Sand, Geröll und Lehm, dazwischen dünne schwarze Schichten. Spätere Grabungen förderten hier prachtvolle Fossilien zutage. Es fanden sich hier außer weiteren Resten des Mastodon eine große Menge versteinerter Säugetierskelette von Antilopen, Pferden und dergleichen, vergleichbar der berühmten Fundstätte von Pikermi in Attika. Die Ausbeutung hatte im Herbst 1918 kaum begonnen, als der Rückzug uns vertrieb und leider eine planmäßige Durcharbeitung unmöglich machte, die hoffentlich in nicht zu ferner Zukunft wieder aufgenommen werden kann.

So bot jedes der Lager irgendeine Besonderheit für den Naturforscher. Bei einem waren ausgedehnte sumpfige Reisfelder, deren Wasser interessante Tiere beherbergte, bei Izvor enthielt ein Teich Wasserschildkröten. Dort war im Frühsommer 1917 der Kopf der Feldbahn angelangt, fest wurde an dem Schienenstrang gearbeitet; das Lager war von hunderten von Arbeitern erfüllt, hier meist von den Bulgaren gepreßte Arnauten. Daneben dehnte sich ein malerisches Türkendorf aus.

Die Gegend vor dem Gebirge war reich angebaut; anfangs Juni waren die Getreidefelder gerade schnittreif. Die Dörfer, sich als türkische Siedlungen meist durch ihr Minaret verratend, lagen hoch in den Hügeln und Bergen und boten mit ihren schwarzroten Ziegeldächern, welche aus reichen Obstbaumbeständen hervorlugten, reizvolle Bilder.

Bei Izvor verläßt die Straße das Tal und beginnt an der Babuna entlang ins Gebirge aufzusteigen. In immer kühner werdenden Serpentinen führt sie allmählich die Hänge hinauf; zunächst überschreitet sie auf zahlreichen Brücken den windungsreichen Bach. Nach Stepanci, dem späteren Endpunkt der Kleinbahn, beginnt die stärkste Steigung, die schließlich steil zur Paßhöhe von 1060 m hinaufsteigt. Hier verläßt die Straße den Babunafluß und folgt zunächst einem seiner Zuflußbäche, der den Namen Desna führt. Weiter oben fährt man an einer starken Mineralquelle mit erfrischendem Wasser vorbei, wo meist eine kurze Rast gemacht wurde. Je weiter man hinauf kommt, desto grüner werden die Berge, welche schließlich eine Höhe von etwa 1600 m erreichen. Die höheren von ihnen sind oben dicht bewaldet. Die Kuppen haben schöne, mannigfaltige Formen, sie zeigen steile Hänge, sind von tiefen Schluchten durchzogen, einige der ferneren Höhen sind kahle Felsengipfel.

Abb. 216. Am Feldbahnhof in Drenovo.