Abb. 220. Granitberg bei Prilep und Blick in das Tal oberhalb der Stadt.

Durch eine bizarre Felsenlandschaft geht es in sausender Fahrt das Tal hinab, zur Stadt, die allmählich, breit in der Ebene sich ausdehnend, vor den Blicken auftaucht. An halb ruinierten mohammedanischen Grabdenkmälern, einer weißen Kaserne, einem öden türkischen Friedhof vorbei, rasselt das Auto über holperiges Pflaster in die Gassen der Stadt hinein.

Pappeln, Minarets, Kirchtürme ragen über den dunklen Dächern und grauen Mauern der Stadt auf, die infolge ihres Reichtums an Gärten wie eine Vegetationsinsel aus der dürren Öde des Felsentals sich abhebt. Doch bei der Einfahrt bemerkt man von den Gärten zunächst nichts; denn als echt türkische Stadt zeigte Prilep nach außen nichts von der Schönheit seiner Häuser und Gärten. Lehmmauern begrenzen meist die Straßen, welche die Besitztümer einschließen. Anders wird das Bild erst, wenn man in das Geschäftsviertel, den Bazar gelangt, wo das übliche Leben einer orientalischen Stadt vor den offenen Werkstätten und Läden sich abspielt.

Abb. 221. Türkischer Friedhof von Prilep, dahinter Markograd.

In Prilep lag das Oberkommando der XI. Armee. Ihr Befehlshaber war gerade in jenen Tagen Exzellenz von Steuben geworden, eine liebenswürdige, feingebildete Persönlichkeit, in dessen Gesellschaft ich manche behagliche Stunde verbrachte und von dem ich manche Hilfe erfuhr. Das war vor allem bei späteren Besuchen in Prilep der Fall; hier nahm ich im September 1917 an einem Front-Hochschulkursus teil und im Juni 1918 besuchte ich Prilep nochmals. So hatte ich Gelegenheit, auch die nähere Umgebung der Stadt kennen zu lernen.

Prilep ist von anderen mazedonischen Städten nicht erheblich verschieden; sie hat weniger individuellen Charakter als andere. Weder Kirchen noch Moscheen haben besondere Art und Geschichte. So ist sie eine gleichgültige Stadt, wenn auch das Leben ebenso bunt ist, wie in anderen Städten.

Eigenartig und interessant ist aber die Umgebung von Prilep. Das Tal, an dessen Ende die Stadt liegt, ist von zwei Bergketten eingefaßt, die einander parallel verlaufen und die in mancher Beziehung sich voneinander unterscheiden. Sie streichen in der Hauptsache von Norden nach Süden. Die westliche Kette besteht in ihrem südlichen Teil aus Granit, der an den Bergen in geradezu bizarren Formen zutage tritt. Weiter im Norden, gegen den Paß zu, sind die Berge aus Kalk aufgebaut, aus welchem auch die ganze östliche Kette besteht. Mächtige Marmormassen kommen im Kalkgebiet vor.