Abb. 222. Geschäftsviertel (Bazar) in Prilep.

Ganz besonders charakteristisch für die Gegend von Prilep ist die Granitlandschaft, die am Varosberg und nördlich von ihm am Zlatovrh, an welchem das Kloster Treskaveč liegt, vorherrscht. Das dunkle, oft rote Gestein mit den gewaltigen Steilwänden, den Hängen voll riesiger Blöcke, der mageren Pflanzenwelt bringt eine Landschaft hervor, welche ganz einzigartig ist. Die Berge sehen aus wie steil aufgetürmte Steinhaufen; tiefe Schatten lassen die Spalten scharf von den glatten Flächen des Granits sich abheben.

Abb. 223. Granitberg nördlich von Prilep.

Besonders gut konnte man die seltsamen Granitformen am Varosberg studieren, welcher als Abschluß der westlichen Kette mit seinen eigenartigen Umrissen in die Ebene südlich Prilep hineinragt. Weithin über die Ebene und von fernen Bergen erkannte man die beiden pyramidenförmigen Gipfel des Varosberges als Wahrzeichen Prileps. Zwei mächtige Granitmassive stiegen steil einige hundert Meter über der Talsohle auf. Die Konturen sind stark zerrissen, feine Zacken und breite Buckel überragen allenthalben den Umriß und geben seinen schönen Linien etwas eigenartig unruhiges. So sind auch die Abhänge, welche nur in der Gipfelregion einzelne größere Flächen zeigen; sonst sind sie von kleinen und großen Gesteinsbrocken bedeckt, die übereinander geschichtet eine oft unübersehbare Wirrnis bilden, ein starkes Hindernis für die Ersteigung des Berges, da es sich um mächtige Blöcke mit Durchmessern von 10-50 Metern und mit glatten schlüpfrigen Wänden handelt. Viele von ihnen haben die sogenannte Wollsackform mit abgeschliffenen, gerundeten Kanten. Eigenartig malerisch sehen sie vor allem dann aus, wenn sie mit dunkelbraunen Moospolstern und grauen Flechten bedeckt sind. Dann heben sie sich farbig vom kurzen Rasen ab, der zwischen ihnen die Hänge bedeckt, welche die Möglichkeit zum Besteigen der steilen Berge geben.

Neben den einjährigen Pflanzen und allerhand Kräutern und kleinen Büschen, welche diesen Rasen bilden, außer den in den Spalten der Felsen wachsenden Pflanzen, spielen Sträucher und Bäume im Granitgebiet bei Prilep eine geringe Rolle. Wachholder ist hier der häufigste Strauch und die Form, die hier vorkommt (Juniperus excelsa L.), wächst manchmal zu stattlichen Bäumen heran und bietet damit einen überraschenden Anblick.

Abb. 224. Granitfelsen mit Moos und Flechten bewachsen.

Auch die Tierwelt war an diesen Hängen nicht übermäßig reich. Immerhin flogen zahlreiche Schmetterlinge, unter denen ein Bläuling (Lycaena admetus Esp.) besonders auffiel. Da, wo Tiere geweidet hatten, gab es viele Mistkäfer, vor allem Pillendreher, von denen hier Scarabaeus sacer L. und S. pius Illig eifrig beim Pillendrehen waren. Auch ein stattliches Exemplar des glänzend schwarzen Baumschröters (Sinodendron cylindricum L.) fand sich hier und wies darauf hin, daß die weitere Umgebung nicht ganz baumlos sein konnte. Eine große Raubfliege Schizopogon scaliger Lw. machte sich in größeren Mengen bemerkbar.

Auch Heuschrecken gab es an den heißen Hängen in großer Zahl. Nicht weiter erstaunlich war es, hier Felsenvögel zu beobachten, unter denen waren bemerkenswert der muntere Felsenkleiber (Sitta neumayeri Michah.) und das Steinhuhn (Alectornis graeca graeca Meissn.), das mit knatterndem Flug mehrmals vor mir aufstieg; dabei stieß ich im Juni 1917 auf ein Gelege von 10 Eiern, welches in einer Mulde zwischen Steinen lag.