Abb. 229. Türkenbrunnen in der Granitlandschaft beim Kloster Treskaveč.
Von der Quelle aus schweift mein Blick zu den Bergketten des Kalkgebirges auf der jenseitigen Seite des Tales. Drüben sehe ich eine weiße Straße aufblinken und sich den Bergen drüben aufwärts der Talwand anschmiegen und in das Massiv vordringen. Staubwolken liegen über der Straße und verraten, daß auch hier abends ebenso starker Verkehr ist, wie auf der Babunastraße. Es ist die Straße, welche zum Pletwarpaß führt, die zweite Verbindung von Prilep mit dem Wardartal.
Auch die Pletwarstraße habe ich einmal auf der Fahrt von Prilep zur Haupteisenbahn Mazedoniens benützt. Es war im Sommer 1917; nach den Qualen durch Hitze und Staub, denen ich damals ausgesetzt war, spürte ich keine Verführung, die Fahrt öfter zu machen, zumal ich die interessanten Gebiete am Ende der Strecke öfter zu besuchen Gelegenheit hatte.
Abb. 230. Hain im Granitgebirge bei Treskaveč. Blick ins Tal von Prilep und auf den Beginn der Pletwarstraße.
An sich war dieser Paß nicht weniger interessant als die Babunastraße, manche Strecken sogar besonders romantisch. Von Prilep kommend, bog man bald rechts von der Babunastraße ab und fuhr steil an der östlichen Talseite aufwärts. Im Juni 1917 war die Straße sehr zerfahren und der Verkehr sehr gesteigert. Es wurde fieberhaft an der Kleinbahn gebaut, welche damals bis Trojazi reichte, in einigen Monaten aber bis Prilep durchgeführt wurde und von da Anschluß erhielt einerseits gegen Monastir und den Cernabogen, andererseits die Cerna aufwärts über Pribilci bis Lera unterhalb Gopes, und damit die Verbindung mit den Fronten am Prespa- und Ochridasee und Albanien herstellte.
Bei der Fahrt war mein Auto stets in eine dichte Staubwolke gehüllt, denn es herrschte regster Verkehr. Er war eher stärker als am Babunapaß; denn hier wurden die Truppentransporte hauptsächlich weitergeleitet. So sah man in den offenen Kleinbahnwagen deutsche, österreichische, ungarische, bulgarische Truppen auf dem Transport, wobei sie auf jeder Station den heimwärts reisenden Urlaubern begegneten. Landstraße und Schienenstrang der Kleinbahn waren zu beiden Seiten auch hier auf diesem Paß von den Leitungen der Seilbahn begleitet, an denen unablässig leere und gefüllte Tragen, die sogenannten Hunde, nach oben und unten wanderten.
Bei der Fahrt den Paß aufwärts kam ich durch die Dörfer Pletwar, Belawodiza nach Trojazi. Von der eigenartigen Landschaft konnte man zunächst nicht viel beachten, denn unendliche Züge von Lastkraftwagen waren gerade in diesen Tagen in Bewegung. Überall wurde gearbeitet und gebaut; die Straße erforderte unablässig Reparaturen, überall wurden Abkürzungen angelegt, neue Brücken, Quartiere, Verpflegungsstationen, Unterkünfte gebaut. Eine Menge Steinbrüche lieferten das Material für Straßen- und Bahnbau, Stationen wurden eingerichtet für Feldbahn und Seilbahn, Gefangenenlager beherbergten die Arbeitskräfte für die enorme Arbeit, welche auch hier die Etappe zu bewältigen hatte.
So ging es stundenlang weiter durch heiße Sonne und Staub. Trotzdem wurde die Aufmerksamkeit immer wieder erregt durch die Landschaftsbilder, die Felsen und Schluchten, die hohen Berge, an denen ich vorbeikam. Der Paß führte nun abwärts an dem Rajetzbach entlang, welcher sein Wasser der Cerna zuführt. Er hatte mächtige Schluchten gegraben in der großen und kleinen Klisura, floß am schimmernden Marmorberg vorbei um schließlich durch die mächtige Adlerschlucht (die große Klisura) in die Cerna zu münden. Etwas oberhalb der Mündung lag der Bahnhof und das Barackenlager von Drenovo.