Abb. 233. Ameisenlöwe. Larve von Macronemurus appendiculatus Latr. Kaluckova. Vergr. 5.
Um so interessanter war die Untersuchung der Larven; ich hatte in Deutschland die im Westen häufige Larve von Myrmeleon formicarius genau auf Bau, Lebensweise und Reaktionen durchforscht und eine Monographie über sie geschrieben[1]. So merkte ich sogleich, daß die hier vorliegenden Larven ganz anders reagierten und somit sicher zu einer anderen Art gehörten. Während die Larven der deutschen Art nur rückwärts kriechen können, sah ich die hier vor mir sitzenden gerade so flott sich vorwärts bewegen. Allerdings, wenn sie sich zum Trichterbau in den Sand einwühlten, ging auch hier das Hinterende voran, wobei merkwürdige, wie Schaufeln aussehende Gebilde an diesem eine wichtige Rolle spielten ([Abb. 233]).
Beim Bau des Trichters liefen sie zuerst oberflächlich in einer Spirale auf dem Sand herum, dabei eine Furche ziehend. Versetzte man ihnen einen leichten Tastreiz am Hinterende, so setzten sie sich vorwärts in Bewegung; beim Laufen benutzten sie das erste und zweite Fußpaar, wobei zuerst das erste, dann das zweite, abwechselnd links und rechts vorgesetzt wurden. Die Bewegungen waren sehr lebhaft, die Reaktionen dieselben wie bei dem von mir studierten deutschen Ameisenlöwen.
Er stellte sich tot wie jener; nahm eine ähnliche Bereitschaftsstellung an, führte denselben Schnappreflex aus, drehte sich, auf den Rücken geworfen, schnell durch einseitiges Anstemmen des Kopfes um. Er zeigte Reizbarkeit durch Licht, stellte sich im Trichter nach dem Lichteinfall ein.
Abb. 234. A B Macronemurus appendiculatus Latr. A Männchen. B Weibchen. Nat. Gr.
Schon im Mai und Anfang Juni traten Imagines dieser Art bei Kaluckova, im Wardar- und Nikolatal zahlreich auf. Die von mir gefütterten Larven kamen nur zum Teil zur Verpuppung in kugeligen Kokons, welche von Sandkörnern umhüllt waren.
Eine zweite Form des Ameisenlöwen, der bei Kaluckova Trichter baute, war Myrmeleon formicalynx F. Auch von dieser Form hielt ich die Larven in Gefangenschaft, züchtete sie und erzielte aus ihnen Imagines. Auch sie liefen sowohl vorwärts als rückwärts, bauten große tiefe Trichter und entsprachen in den Reaktionen im wesentlichen den anderen von mir untersuchten Larven. Die Imagines waren größer als die von Macronemurus appendiculatus Latr., hatten breitere Flügel mit sehr deutlichem, weißem Randmal an beiden Flügelpaaren, hinter welchen eine deutliche Verdunkelung des Flügels sichtbar war ([Abb. 235]). Der Körper war im allgemeinen schwarz, mit gelben Flecken am Prothorax. Gelbe Streifen fanden sich auch am Kopf. Femur und Tibia der Beine waren auch gelb, mit schwarzbraunen Gelenken.