Abb. 237. Myrmecaelurus trigrammus Pall. Üsküb. Nat. Gr.

Dieses Tier trat Ende Juni und im Juli in großen Mengen auf. Männchen und Weibchen waren zu gleicher Zeit da.

Um diese Zeit gab es nur mehr wenig Trichter und vom September an wurden es ihrer wieder mehr; diese waren dann aber noch sehr klein und beherbergten entsprechend kleine Larven. Offenbar war im Juli und anfangs August Begattung und Eiablage erfolgt, so daß im Herbst die neue Generation erschien. Die jungen Larven überwintern hier und es scheint mir unzweifelhaft, daß sie in diesem heißen Lande sich schon in einem Jahre zum geschlechtsreifen Tier entwickeln.

Schon vom Mai an waren die Imagines von zahlreichen anderen Arten von Ameisenlöwen oder sagen wir lieber von Landlibellen in Mazedonien aufgetreten. Bis in den Hochsommer nahm Arten- und Individuenfülle immer mehr zu, so daß in dieser Zeit im Landschaftsbild mit den Heuschrecken die Landlibellen eine größere Rolle spielten als die Schmetterlinge. Manche von ihnen glichen aber auch im Flug, in der Farbigkeit, in der Eigenart der Formen Schmetterlingen.

Abb. 238. Formicalynx tetragrammus Pallas. ♀. Kaluckova. Nat. Gr.

Mehrere Formen traten in dieser Zeit im Wardartal auf, welche durch die zarte Durchsichtigkeit der Flügel den bisher beschriebenen drei Arten sehr ähnlich waren. Es war vor allem Formicalynx tetragrammus Pall., ein stattliches Tier mit dunklem Körper und dunkler Aderung der Flügel, welche auch mehrere dunkle Flecken trugen ([Abb. 238]). Von dieser Art sowie von Creagris plumbeus Oliv., einer zartflügeligen Landlibelle, ohne Flecken auf den Flügeln, mit schwarzem, ungestreiftem Körper habe ich die Larven nicht mit Sicherheit gefunden.

Umgekehrt fand ich von Megistopus flavicornis Rossi nur die Larven, wenn ich sie nach der Bearbeitung von Redtenbacher richtig bestimmt habe.

Von Ende Mai an traten zwei eigenartige Formen im südlichen Wardartal, am Doiransee, bei Demirkapu und Veles auf, die weiter nördlich jedenfalls viel seltener waren. Zuerst kam von ihnen Nemoptera sinuata Oliv., ein graziöses, seltsam anmutendes Insekt. Anfang Juni kam dieses schöne Tier in Hunderten von Exemplaren auf den grasigen Hängen des Nikolatals vor, 14 Tage später wimmelte es von ihm einige hundert Meter höher auf der Plaguša Planina. Das Tier ist durch eine große Verschiedenheit der Vorder- und Hinterflügel ausgezeichnet; die Vorderflügel sind breitoval, die Hinterflügel sind lange, schmale Bänder, die nach hinten sich spatelförmig verbreitern. Beide Flügel haben eine blaßgelbe Grundfarbe mit dunkelbraunen Flecken; letztere sind zum Teil so eigenartig verteilt, als hätte ein Maler sie willkürlich auf die Flügel gepinselt ([Abb. 240], S. [480]).

Nur die Vorderflügel leisten Flugarbeit, indem sie rasch schlagen; die bandförmigen Hinterflügel flattern unbewegt hinter dem Tier her und wirken offenbar als Stabilisatoren. In der Regel fliegen die Nemopteren ganz langsam, taumelnd von Blüte zu Blüte, während ihre Hinterflügel wie Wimpel hinter ihnen im Wind sich wiegen. Eine Wiese voll von diesen Tieren, die im hellen Sonnenschein sich behaglich über den Blüten schaukeln, von Zeit zu Zeit auf einer duftigen Dolde wie in einem Flughafen landen, bietet einen höchst reizvollen Anblick dar. Wollte man sie fangen, oder verfolgte sie ein Vogel, so erfolgte die Flucht in ziemlich raschem Flug.