Abb. 239. Ameisenlöwe. Larve von Megistopus flavicornis Rossi. Üsküb. Vergr. 5.

Sie traten, Männchen und Weibchen gleichzeitig, in großen Mengen auf und verschwanden ebenso allmählich Ende Juni. In den höheren Regionen, in denen sie etwas später aufgetreten waren, dauerten sie auch etwas länger aus.

Fast noch phantastischer sah die andere Art aus, deren große braungefleckte Flügel eine Spannweite von 10-12 cm, gelegentlich sogar noch mehr erreichten. Es sind dies die sogenannten „Riesenhafte‟, die Art, die im gleichen Gebiete wie Nemoptera flog und womöglich in noch größeren Mengen auftrat, war Palpares libelluloides Dalm ([Abb. 241] u. [242]). Auch bei dieser größten unter den europäischen Landlibellen war der Flug meist etwas schwerfällig und taumelnd. Bei starkem Wind konnten sie sich nicht in der Luft halten, wurden zu Boden geschleudert und zogen sich zwischen Gras und Büsche zurück. Wie die Nemopteren, sah man sie viel bei Tage fliegen, wie denn die meisten der mazedonischen Ameisenlöwen Tagtiere sind.

Abb. 240. Landlibelle mit verschiedenen Flügeln. (Nemoptera sinuata Oliv.) Nat. Gr.

Bei windstillem Wetter im heißen Sonnenschein gaukelten sie in lebhafterem Flug über offene Flächen, über Wiesen und die bebuschten Hügel. Zu den grünen und grauen Flächen des Untergrundes, zu den blühenden Pflanzen an Tümpeln, Bächen und in den Schluchten bildeten sie mit den braunen Tönen ihrer Flügel einen malerischen Gegensatz. Ihre Flügel haben einen länglichen Umriß, sind im Grundton leicht bräunlich gefärbt, dunkler sind die Adern und den starken Randadern entlang zieht sich ein gelblicher Streifen. Eigenartig unregelmäßig verteilt sind die dunkelbraunen gegitterten großen Flecken über die Fläche des Flügels, während regelmäßige kleine Farbtupfen sich den Rändern entlang ordnen. Der ganze Körper, Kopf, Brust und Hinterleib ist der Länge nach schwarzbraun und gelb gestreift, wobei ein dunkler Streifen die Mittellinie des Rückens darstellt.

Auch bei dieser Art traten Männchen und Weibchen gleichzeitig auf; die Männchen sind leicht an den griffelförmigen Fortsätzen des Hinterendes zu erkennen. Auffallend ist gerade bei dieser Art die Versammlung von vielen Männchen um ein Weibchen gewesen; ich beobachtete oft 5-7, ja 8 Männchen, welche sich um ein Weibchen drängten.

Wie die Schmetterlinge, denen sie vielfach so ähnlich sehen, sind auch die Imagines der Ameisenlöwen gegen Temperaturschwankungen sehr empfindlich. Morgens in der Frühe und abends bei sinkender Temperatur waren sie auffallend schwerfällig, so daß man sie ohne weiteres an den Flügeln fassen konnte, ohne daß sie davonflogen. Nemoptera und Palpares waren in der Mittagssonne beweglicher, aber auch dann gehörten sie zu den am leichtesten zu fangenden Insekten.