Die Sammlung von Ameisenlöwen und ihren Larven, welche ich aus Mazedonien mitbrachte, ist wie viele andere Gruppen des Tierreichs bisher noch recht flüchtig durchgearbeitet. Ihre definitive Bearbeitung, welche ich selbst in die Hand genommen habe, soll in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erscheinen.
EINUNDDREISSIGSTES KAPITEL
KRUSEVO ALS AROMUNENSTADT
Gopes und Krusevo, diese beiden Städte fasse ich zur Betrachtung in diesem und dem nächsten Kapitel zusammen, weil sie viel Gemeinsames haben. Sie sind beide Bergstädte und ihre Bewohner sind vorwiegend Aromunen oder Kutzowallachen. Die eine an den Hängen der Baba Planina in fast 1200 m Höhe gelegen, Krusevo, habe ich nur einmal besucht, in Gopes war ich mehrmals zu verschiedenen Jahreszeiten.
Um nach Krusevo zu gelangen, muß man von Prilep quer durch die flache Ebene direkt nach Westen 22 km weit wandern oder fahren, ehe man das Gebirge erreicht, auf welchem die Stadt liegt. Weiß sieht man ihre Häuser beim Anmarsch über die Ebene blinken. Als ich das erste Mal nach Mitte Juni 1917 über die Ebene von Prilep fuhr, erschien sie wie ein üppiger Garten. Weithin war sie von grünen Ährenfeldern bedeckt, auf denen Weizen und Roggen fast 2 m hoch standen; selbst die Gerste, die im Wardartal schon geerntet war, war hier noch nicht ganz gelb, bei einer Meereshöhe von etwas über 600 m. Im westlichen Teil der Ebene gab es ausgedehnte Pflanzungen von Hanf. In den Gräben stand reichlich Wasser, das zur Bewässerung der Felder diente und verschiedenen Bächen entstammte, die von Norden, Osten und Westen der Cerna zuströmten. Als niedere Hügelkette sah man im Süden die alte Barriere, durch welche die Cerna bei Topolčani in die Ebene von Monastir, in die eigentliche Pelagonia durchbricht. Man verstand wohl, daß früher ein See die Ebene, die man jetzt durchfuhr, erfüllt haben mochte.
Das Wasser, welches überall in den Gräben stand, mußte die Entwicklung der Malariamücken sehr begünstigen. Damit brachte ich unwillkürlich die Bauart der Häuser in Verbindung, welche in den Gütern und Dörfern der Ebene einen auffallenden Typus darstellten. Sie ragen turmartig hoch empor und der obere, etwas vorragende Stock ist der von Menschen bewohnte und mit Fenstern versehene. So sehen die Herrenhäuser in all den Orten der Ebene aus, die man durchfährt, in Konjari, Urbjani und Krivogastani. Man denkt unwillkürlich an eine Flucht vor den niemals hoch fliegenden Malariamücken, wenn man diese Turmhäuser sieht und sich daran erinnert, daß auch in der Campagna von Rom im Sommer die Bauern aus Furcht vor dem Fieber auf dem Dach schlafen. Hier allerdings werden auch andere Beweggründe vorliegen, etwa Schutz vor nächtlichen Überfällen. Und das geht auch aus den Schilderungen früherer Reisenden hervor, sowie aus den Schießscharten des unteren Stockwerkes.
Abb. 244. Hochgebautes Haus bei Prilep.
Als ich Anfang September 1917 mit Hauptmann Pfeiffer von Prilep über die Ebene fuhr, war sie dürr und staubig. Die Felder waren abgeerntet. Heuschrecken waren die vorherrschenden Tiere und auf den Telegraphendrähten saßen viele Falken, auf sie lauernd. Lerchen und Elstern waren neben ihnen die auffallendsten Vögel.
Wir ließen unsern Wagen unten am Berg stehen und stiegen in 1½ Stunden die Landstraße hinauf, welche in vielen Windungen einer tiefen Schlucht entlang angelegt ist, die 600 m nach Krusevo hinanführt. Zu ihren Seiten war die Pflanzenwelt sehr dürftig, wenige Bläulinge flogen, auch Wespen gab es, aber vor allem Heuschrecken und unter ihnen waren die Gespensterheuschrecken besonders häufig. Links von der Schlucht sah man am Hang die weißen Gebäude des Klosters Sveti Spas.