WARDAREBENE BEI MRAVINCA. Im Hintergrund Plagusa Planina.
Jede Wanderung durch die Fuchsschlucht brachte neue Beobachtungen und neue Funde. Um den Bach flogen viele Libellen und machten auf Fliegen, Schmetterlinge, Eintagsfliegen eifrig Jagd. Unter den Zweiflüglern spielten wieder die Bombyliden eine große Rolle. Zwei charakteristische Formen sind ([Abb. 25] u. [27]) abgebildet. Die Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer und Ameisen entsprachen meist den Formen, die bei Kaluckova und Hudova vorkommen. Aber auch unter ihnen fanden sich manche Besonderheiten.
Am Schluchtbach war ein dichtes Buschwerk von Brombeerbüschen, Schlehdorn, Stacheleichen entwickelt, zwischen denen Sumpfpflanzen verschiedener Art, vor allem viel Wasserminze wuchs. Ende Juni 1917 waren diese Büsche von vielen Hunderttausenden einer Käferart bedeckt (Anomala solida Er.), welche alles kahlfraßen. Man hätte leicht Eimer voll von diesem Käfer sammeln können. Auf den Minzen fanden sich zahlreich die schönen metallisch glänzenden Chrysomela menthastri Suff. Nicht selten war ein Spanner Larentia corollaria H.-S.
Am Ausgang der Schlucht gegen den Wardar waren die Hänge mit reichlich Geröll bedeckt. Hier waren die Fundorte für eine Anzahl südliche und Steppenformen, wie die großen Gliederspinnen (Galeodes graecus C. L. Koch), verschiedene Arten von Skorpionen und riesige Tausendfüßler.
Unten am Wardar selbst und in dem sumpfigen Teil der Ebene, wo der Koslodere in den Strom einmündete, war ein üppiges Gelände von alten Weidenbäumen bestanden. Es waren richtige kleine Weidenwälder. Der Bach durchfloß die Fläche in verschiedenen Windungen, an seinem Ufer wuchsen Schilf, Röhricht, Schwertlilien und viele Wasserpflanzen.
Das war auch ein Gebiet, in welchem zahllose Libellen umherflogen; neben den stahlblauen Wasserjungfern schwebten trägeren Fluges die zarten blauschwarzen, grünschwarzen und goldgelben Arten von Lestes, Agrion und Gomphus, zwischen ihnen sausten gewalttätig die großen roten, grauen, braunen, zum Teil schwarzgefleckten Formen von Libellula und Aeschna. Gerade die letzteren waren schwer zu fangen, und es war eine Freude, waren sie endlich mit metallischem Klirren im Insektennetz gelandet.
Es war schön, im Frühsommer auf den blumenreichen Wiesen stundenlang beobachtend zu verweilen, wenn die großen Wolkenmassen am Himmel schwebten und ihre Schatten auf die weite Ebene und das jenseits sich erhebende Gebirge der Plaguša Planina warfen. Da entstanden Bilder von größtem malerischen Reiz, die mir unvergeßlich geblieben sind.
Es konnte aber auch glühend heiß sein; einmal hatte ich den Eifer im Verfolgen der Libellen zu weit getrieben; mehrere Stunden lang hatte ich am schattenlosen Ufer die flinken Tiere verfolgt und war mit reicher Beute heimgekehrt. Nachts überfiel mich aber hohes Fieber und allerhand unangenehme körperliche Erscheinungen zeigten mir, daß ich einen Sonnenstich erlitten hatte, von dem ich mich aber in zwei Tagen wieder erholte.
Der Kosloderebach beherbergte in seinem Wasser eine Sumpfschildkröte, die wir — so eifrig mein Begleiter, Professor Lorenz Müller, sich auch nach den Reptilien umschaute — nur hier fanden; sie kommt auch am Doiransee vor. Es ist die kaspische Sumpfschildkröte (Clemmys caspica virulata Val.). Sie kommt offenbar nördlich der Hudovaebene in Mazedonien nicht vor.
Ich nehme Anlaß, bei dieser Gelegenheit einiges von den übrigen mazedonischen Schildkröten zu berichten. Sehr häufig war im ganzen Land in allen möglichen stehenden Gewässern die gewöhnliche europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis L.). In allen Teichen und Tümpeln, in Bächen, Straßengräben, Reisfeldern tauchten die plumpen schwarzen Tiere gelegentlich auf.