Außer diesen zwei Wasserschildkröten kommen in Mazedonien zwei Landschildkröten, damit also im Land im ganzen vier Schildkrötenarten vor. Diese Landschildkröten waren in den meisten Gegenden des Flachlandes von Mazedonien so häufig, daß man sie nicht übersehen konnte. Mit ihren langsamen, watschelnden Bewegungen, mit dem Gepolter, mit dem sie durch eine steinige Schlucht oder durch ein dichtes Gebüsch hindurchrumpelten, verrieten sie sich auf weite Entfernung und besonders die deutschen Soldaten schenkten ihnen eine weitgehende Beachtung. In vielen Lagern und Quartieren wurden sie lebend gehalten und ich übertreibe nicht, wenn ich erzähle, daß viele Tausende von ihnen als Heimatpakete nach Deutschland geschickt wurden oder mit Urlaubern heimreisten.

Die possierlichen, anspruchslosen Tiere, welche eine Panzerlänge von 30-40 cm erreichen, ihren Kopf, Schwanz und Füße in den Panzer zurückziehen können und so lange zappeln müssen, um sich wieder aufzurichten, wenn man sie auf den Rücken legte, haben unseren Soldaten manche Stunde vertrieben. Auch haben diese sich nicht selten eine Schildkrötensuppe aus ihnen gekocht. Ob von den vielen heimgebrachten mazedonischen Schildkröten wohl noch eine oder die andere in Deutschland lebt?

Die beiden mazedonischen Arten von Landschildkröten sind Testudo graeca (L.) und T. ibera Pall. Beide mit ihrem schwarz und gelb oder schwarz und dunkelgrün gefleckten Panzer sehen einander sehr ähnlich und werden vom Laien auch nicht unterschieden. Die griechische Schildkröte ist in ihrer Verbreitung hauptsächlich auf die Balkanhalbinsel und Süditalien beschränkt, während die andere Art auch in ganz Nordafrika und Westasien verbreitet ist.

Dr. Laser phot.

Abb. 28. Landschildkröte (Testudo ibera Pall.) in den Felsen bei Valandova.

Beide Arten waren in der ganzen Hudovaebene und den angrenzenden Hügeln und Gebirgen auch bei Mravinca sehr häufig. Wir fingen sie oft, beobachteten sie viel im Sommer, wie die Männchen die Weibchen verfolgten und unter eigenartigem Grunzen und Anstoßen mit den Panzern zur Begattung schritten. Auch ihre Gelege fand ich öfter, mit den hartschaligen Eiern von einem Längsdurchmesser von 3-3½ cm. Oft lagen die Eier vereinzelt im Gras und zwischen den Büschen. In Mazedonien lernte ich verstehen, warum die Japaner die Schildkröte als Symbol der Geilheit betrachten. Hier waren die Männchen vom Frühsommer bis in den Spätherbst hinter den Weibchen her und in allen Teilen des Landes konnten ihre Kopulationsgeräusche bei Tag und Nacht aus Büschen und Gräben hervortönen.

In den Weiden am Wasser gab es auch manche besonderen Insekten. So war ein auffallender Rüsselkäfer Chlorophanus axinus Fabr. Auch kam im Sommer 1917 in der ganzen Gegend der große Bockkäfer Cerambyx scopolii Füssl. vor. Das war ein höchst auffälliges Tier mit seinen langen gebogenen Fühlern, wenn er, diese weit vorstreckend und die Beine abspreizend im heißen Sonnenschein hoch über den Büschen durch die Luft flog. Dann machte er einen ganz unwahrscheinlich großen Eindruck. Ich beobachtete ihn zwischen dem 10. und 20. Juni an vielen Orten Südmazedoniens, außer bei Mravinca bei Kaluckova, Hudova, Davidovo, auf der Fahrt nach der Malarupa bei Negorci und Koinsko, im Nikolatal. Da er in Fühlergestalt und Fühlerlänge in beiden Geschlechtern sehr zu variieren schien, so sammelte ich eine größere Anzahl von Exemplaren, die einmal genauer untersucht werden sollen.

Von Käferbeobachtungen aus der Gegend von Mravinca möchte ich noch die Dorcadionarten erwähnen, Formen mannigfaltiger, schön gefärbter Bockkäfer, die meist unter Steinen saßen und von denen wir im Sommer nur Spuren in Gestalt von Flügeldecken und ihren knotigen, gebogenen Hörnern fanden. Ihnen und anderen Tieren zuliebe kehrte ich einmal im frühen Frühling 1918 nach Mravinca zurück, wo ich schöne Exemplare dieser Erdböcke fand, so Nosodorcadion bilineatum Gam. und Dorcadion lineatocolle Kraatz. Von dieser in Südeuropa und den asiatischen Steppen in vielen Arten vertretenen Familie fand ich in Mazedonien noch manche schönen, interessanten Formen der Gattung, so auf dem Wodno Dorcadion equestre Laxm., einen samtschwarzen Käfer mit weißen Längsstreifen auf dem Brustschild und großen weißen Flecken auf der Mitte der Flügeldecken. Eine zart silbergraue Art mit schwarzen Flecken, auf der Golesniza Planina in 2000 m Höhe gefunden, ist wohl noch nicht beschrieben.

Mit dem Aufenthalt in Mravinca sind auch Erinnerungen an Fischfang verknüpft. Zu solchen Zwecken mußte man sich mit Fischern oder mit Pionieren in Verbindung setzen. Fischer als einheimische Bevölkerung fand man wohl an den Seen und am Wardar, aber sehr wenig; zumal in den besetzten Gegenden fehlten der Bevölkerung Boote vollkommen. Auch ich hatte keine geeigneten Geräte für den Fang größerer Fische bei mir. Somit war hier am unteren Wardar der Pionier mit seinen Booten die notwendige Stütze. Und außerdem mußte zu dem grausamen und dem Naturforscher sehr unsympathischen Hilfsmittel der Handgranaten und anderen Sprengmitteln gegriffen werden.