Abb. 29. Bockkäfer mit sehr variabler Ausbildung der Fühler. Nat. Gr. (Cerambyx scopolii Füssl.)
In den Schluchtbächen, in kleinen Flüssen hatten wir öfter mit primitiven Mitteln, so in den Schluchtbächen bei Kaluckova und im Nikolatal kleine Barben (Barbus plebejus Val.) erbeutet. Ähnlich war in den Bächen der Hudovaebene, so bei Miletkovo aus einem Bach der Steinpeitzger (Cobitis taenia L.) und eine ähnliche Form Cobitis elongata H. u. Kn. gefangen worden. In den größeren Nebenbächen und im Wardar selbst standen mir aber befreundete bulgarische oder deutsche Pioniere zur Seite.
Bei Miletkovo wurde einmal mit bulgarischen Pionieren, oberhalb Hudova mit bayerischen Pionieren bei Gradeč der Wardar befahren. In der Nähe von Miletkovo konnten vom Land aus die Sprengmittel in einen an seiner Mündung stark erweiterten kleinen Nebenfluß des Wardar geworfen werden, was reiche Ausbeute brachte, so zahlreiche Exemplare eines südlichen Verwandten unserer Nase (Chondrostoma genei Bon.), eines schönen glänzenden Fisches mit grüngrauem Rücken, schwarzgefleckten silberigen Seiten und orangegelb gesäumten Flossen. An der gleichen Stelle wurden die altbekannten Elritzen (Phoxinus laevis Ag.) erbeutet, im Wardar selbst Cottus ferrugineus H. u. K., ein Verwandter unserer Groppe.
Reicher und vor allem nahrhafter war die Ausbeute im Wardar selbst, die unter sachgemäßer Leitung des Pionierhauptmanns Frischholz erzielt wurde. Dieser, ein Fachzoologe, früherer Schüler des Münchener zoologischen Instituts, in seiner Zivilstellung Fischereisachverständiger des bayerischen Ministeriums, befehligte das bayerische Pionierlager in Hudova. Mit einem seiner Boote fuhren wir auf den rauschenden, brausenden Wardar bei Gradeč hinaus. Wir suchten die stillen, tiefen Stellen unterhalb der Schnellen auf und warfen da ausrangierte Handgranaten ab. Wenn eine davon noch losging, gab es im Wasser eine starke Detonation, ein Springbrunnen von 10-20 m Höhe sprang in die Höhe. Aus der Tiefe wurden gelähmte Fische emporgerissen und nun hieß es mit dem Boot gut manöverieren, wollte man die auf der Seite treibenden Fische mit dem großen Handnetz erfassen, ehe sie die wilde Strömung über Stromschnellen und kleine Fälle hinabtrieb, an Stellen, wo das Boot entweder gar nicht oder nur unter großer Gefahr nachfolgen konnte. Das waren aufregende Stunden, in wilder Bewegung und toller Lust mit den strammen bayerischen Pionieren, die einst auf der auch nicht viel zahmeren Isar ihre Künste geübt hatten.
Abb. 30. Riesenwelse aus dem Wardar. (Silurus glanis L.) Soldatenaufnahme.
Die Ausbeute war dem entsprechend. Wir bekamen einen Eindruck von dem Reichtum an Fischen, den die mazedonischen Flüsse bis zur Zeit vor dem Krieg beherbergt haben müssen. Wir holten vor allem Karpfen und Barben heraus. Die Karpfen (Cyprinus carpio L.) waren Riesen, wie man sie in Mitteleuropa jedenfalls im freien Wasser niemals zu sehen bekommt. Sie maßen im Durchschnitt 1-1½ m in der Länge, hatten einen mächtigen Umfang und wogen dementsprechend 10-20 kg. Auch die Barben (Barbus plebejus Val.) waren mächtige Tiere, bis zu einem Meter lang und auch 6-12 kg. schwer. Es war eine Freude für das ganze Pionierlager in Hudova und noch dazu für das Lazarett Kaluckova, als wir mit unserer Ausbeute heimkamen.
Nicht minder große Welse (Silurus glanis L.) beherbergte der Wardar; da waren die mächtigsten Vertreter im Winter vorher gefangen worden, von Soldaten, welche mir Photographien von ihnen brachten, die hier wiedergegeben sind. Über 220 Pfd. wogen die über 2 m langen Kolosse, welche an Mächtigkeit nur selten von den Riesenwelsen der oberbayerischen Seen erreicht werden, die gelegentlich als uralte Greise aus den Tiefen des Chiemsees, Königssees, Starnbergersees mit der Grundangel heraufgeholt werden.
Nicht so mächtig waren die Salmoniden des Wardar; die Lachse, die wir erbeuteten, waren viel kleiner (Salmo dentex Hek.).