Daß in den mazedonischen Flüssen solche Riesenfische überhaupt in größeren Mengen vorkommen konnten, erklärt sich wohl durch die primitive Art der Fischerei, welche seit Jahrhunderten dort betrieben wurde. War ein Fisch einmal über eine gewisse Größe erwachsen, so entging er leicht den Nachstellungen der Landesbewohner, welche nur mit kleinen Netzen, Angeln und Spießen fischten.

Die Kriegszeit werden aber nicht viele dieser Riesen überlebt haben, denn die Truppen beider Fronten und besonders rücksichtslos unsere Bundesgenossen, die Bulgaren, haben diese Raubfischerei ohne alle Zukunftsgedanken betrieben, diese Raubwirtschaft, die wir auf allen Gebieten als eine besondere Eigentümlichkeit der Balkanvölker kennen lernen werden. Als Wardarfische wären als von uns beobachtete Formen noch an dieser Stelle zu erwähnen: Cottus ferrugineus H. u. K., Chondrostoma genei Bor., Alburnus alborella H. u. K., die südliche Laube, A. scaranzoides H. u. K. und Abramis melanops Heck., der mit unserem Brachsen verwandte Seerüstling, der als ein ins Süßwasser übergegangener Meeresfisch betrachtet wird.

Von allen Süßwasserfischen meiner Ausbeute ist nur Alburnus scaranzoides H. u. K. als Sonderform des Balkangebiets zu bezeichnen; er ist aus Montenegro, Albanien und „Rumelien‟ bekannt. Alle anderen Arten sind in Küstenflüssen der Adria und des östlichen Mittelmeers, zum Teil in dem Gesamtgebiet von Süd- und Südosteuropa gefunden worden.

Sonst kam ich in Mazedonien nur am Ochridasee zur Beobachtung von zahlreicheren Fischarten. Sie sind im 39. Kapitel geschildert, wie die vereinzelten einzelnen Formen entsprechend den Orten, an denen sie gefunden wurden.

FÜNFTES KAPITEL

DIE PLAGUŠA PLANINA

Die Berge, welche sich dicht hinter Kaluckova erheben und als Kette parallel dem Wardartal von Norden nach Süden ziehen, haben den Namen der Plaguša Planina, wohl von dem türkischen Dorf Plauš, welches im Nordteil der Kette gelegen ist. Zu diesem Dorf führt der Saumpfad, welcher durch Kaluckova und seine Schlucht bergan steigt. Etwas weiter südlich führt ein besser ausgebauter Weg über einen Paß der Plaguša Planina nach Strumiza. In Friedenszeiten war Hudova die Eisenbahnstation für die Stadt Strumiza, zu der man mit Pferd oder Maultier von dort etwa 20 km zurückzulegen hatte. Über das Gebirge zog vor dem Krieg die neue Grenze zwischen Serbien und Bulgarien hin. Jetzt war das keine Grenze mehr und der Verkehr in den Bergen viel geringer, als in der Zeit, in welcher ein blühender Schmuggelhandel auf den jetzt vielfach zerfallenen Pfaden sich abspielte. Immerhin kam noch jede Woche eine Kamelkarawane, welche Militärgut von Strumiza zur Bahn nach Hudova brachte, auf Hin- und Rückweg durch Hudova; von dort ging der Weg über Kalkova auf den Hauptpaßsteig.

Abb. 31. Plaguša Planina in ganzer Ausdehnung, vor ihr der Grünberg. Aufgenommen vom Fliegerlager.

Bei Tag war es im Sommer ein heißer anstrengender Weg, an den Wänden der Schlucht entlang sich nach Plauš hinaufzuarbeiten, wo erst die schlimmste Steigung anfing, wollte man die Kammhöhe von 1100 m erreichen.