Unter ihnen spielten Gespensterheuschrecken (Mantodeen) keine geringe Rolle der Zahl nach. Die häufigste Art war jetzt gegen den Herbst die kleinste Form von den drei Arten von Mantodeen, welche in dem von mir besuchten Teile von Mazedonien vorkamen. Es war Ameles decolor Charp., welche in Hunderten von gelben und braunen Individuen auftrat; bei ihr gibt es nie grüne Exemplare, wie bei den anderen Mantodeen des Landes. Nur das Männchen hat bei dieser Art die langen, gelbbraunen, papierdünnen Flügel, während das Weibchen stummelflügelig ist. Im Verlauf des Frühsommers hatte man sie allmählich von ganz kleinen Stadien heranwachsen sehen, jetzt im Spätsommer waren sie geschlechtsreif, allerdings zum Teil sehr spät. Ich fand noch zwischen dem 20. und 25. August Exemplare mit unentwickelten Geschlechtsorganen. Man sah sie vielfach Bläulinge und andere kleine Schmetterlinge fangen.

Die zweite Gespensterheuschrecke in Mazedonien, fast ebenso häufig wie der kleine Ameles, war die richtige Gottesanbeterin Mantis religiosa L. Dieses große stattliche Tier kam in grünen und gelben Individuen vor. Hier sind beide Geschlechter langflügelig. Auch diese Art entwickelt sich während des Sommers und wird gegen den Herbst geschlechtsreif. Anfang Juli traten im südlichen Wardartal Massen von Larven auf, Ende Juli, Anfang August waren sie erwachsen, aber die Geschlechtsorgane noch nicht fertig entwickelt. Im September und Oktober findet die Fortpflanzung statt. Dann sieht man vielfach an Steinen angeklebt ihre Eierkokons, einige Zentimeter lange, gewölbte Gebilde aus einer zarten Substanz, in denen 80-100 der länglichen Eier parallel nebeneinander liegen.

Die dritte hierher gehörige Form ist Empusa fasciata Brull. Das ist ein Tier, welches eine merkwürdige Tendenz hat, an allen möglichen Stellen des Körpers Zipfel und Lappen zu entwickeln. An den Beinen, am Hinterleib, ja selbst an seinem Eikokon kommen solche vor. Es ist ein stattliches Tier, welches als Larve den Hinterleib stets aufwärts zurückgebogen trägt. Das Männchen hat lange gefiederte Fühler. Ein merkwürdiger Augenfleck auf der Innenseite der Vorderbeine fiel mir bei manchen Exemplaren auf und zeigte sich variabel.

Von ihr fand ich bei Üsküb im Winter gar nicht selten unter Steinen relativ große, aber noch ungeflügelte Larven. Auch im Süden bei Kaluckova und Dedeli kommt die Art vor. Nirgends fand ich sie aber so häufig wie bei Üsküb. Im Frühjahr kriechen sie aus dem Winterquartier und bei eifriger Insektenjagd wachsen sie bald heran und bekommen Flügel. In der zweiten Hälfte des Mai sind sie geschlechtsreif und beginnen mit der Fortpflanzung. Ich habe sie öfter im Käfig gehalten, wo sie leicht mit allerhand Insekten zu füttern sind.

Abb. 251. Gespensterheuschrecke. Mantis religiosa L.

Im Juli sind schon kleine, kaum 1 cm lange, flügellose Larven da, welche den Hinterleib aufrecht zurückgeschlagen tragen und in ihrer Hagerkeit einen bizarren Eindruck machen. Diese kleinen Larven wachsen bis zum Eintritt des Winters bis zur halben Größe heran, um dann zu überwintern. Ende August kamen sie in Veles oft in großen Massen in die Zimmer hinein.

Ameles decolor Charp. ist die einzige Mantide, welche nachts ans Licht flog, diese aber oft in großen Mengen.

Von Lokustodeen, den Heuschrecken mit den langen dünnen Fühlern, erwähne ich Decticus albifrons F., einen nahen Verwandten unseres Warzenbeißers; er ist etwas größer als dieser und niemals grün gefärbt wie er.

Ganz abenteuerliche Erscheinungen sind die Saga-Arten, deren ich zwei in Mazedonien antraf, die grüne Saga serrata Fabr. und die olivbraune, schwarzgefleckte Saga natoliae Serv. Mit ihren langen, ungeschlachten Beinen, ihren kurzen, wie verkrüppelt aussehenden Flügeldecken und ihren plumpen Bewegungen scheinen sie gar nicht recht in das Geschlecht der Heuschrecken hineinzupassen. Von ihnen ist Saga natoliae die südliche Form, die im Balkan und Kleinasien weit verbreitet ist; sie wird nördlich von S. serrata abgelöst. Letztere pflanzt sich fast ausschließlich parthenogenetisch fort, man findet von ihr fast nur Weibchen, während erstere Männchen und Weibchen im normalen Prozentverhältnis hervorbringt.