Oft in ungeheueren Mengen trat Tryxalis nasuta Fab. auf, die Schnabelheuschrecke, mit ihrem schief aufgerichteten Kopf, den breiten, oft parallel nach vorn gerichteten Fühlern, den dünnen Vorderbeinen und sehr langen Hinterbeinen. Solange sie flügellose Larven waren, konnte man sie für junge Stabheuschrecken der Gattung Bacillus halten. Diese in Istrien, Dalmatien und Italien so häufige Form habe ich in Mazedonien nicht gefunden. Sind die Flügel herangewachsen mit ihrem dunkelbraunen, weißgefleckten Längsstreifen, dann ist eine Verwechslung mit einer Stabheuschrecke nicht mehr möglich.

Von den anderen Feldheuschrecken wäre Caloptenus italicus L. hervorzuheben; dies graubraune, schwarzgestreifte Tier mit den roten Hinterschienen und roten Hinterflügeln war überall häufig. Auch die Wanderheuschrecken waren nicht selten. Sie waren in erwachsenem Zustande auffallend große Tiere, sie erreichten 8-10 cm Länge und machten nicht nur mit ihren eigenen Tönen einen gewaltigen Lärm, sondern auch wenn man sie fing und sie sich durch die Büsche zu Boden fallen ließen, so gab es ein mächtiges Gerumpel. Die verschiedenen Individuen dieses Acridium aegyptium L. waren sehr verschieden gefärbt, bald gelblich, bald braun, bald auffallend rot.

Eine verwandte, halb so große Form, grün, schwarz gefleckt, mit rötlichen Hinterbeinen, Pachytilus nigrofasciatus de Geer tritt im Gegensatz zu den verwandten Arten nicht als Wanderheuschrecke auf.

Ich habe oft die Oedipoda-Arten, die Schnarrheuschrecken, erwähnt, welche beim Auffliegen ihre roten und blauen Unterflügel aufblinken ließen, während sie durch betäubendes Schnarren ihre Verfolger erschreckten. Setzten sie sich auf den Boden nieder, so waren sie wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Untergrund, welche mit diesem variierte, wie von ihrer Umgebung verschluckt, wenn sie sich still am Boden hielten. Erschreckt fuhr man zurück, wenn sie an ganz unerwarteter Stelle wieder aufschnarrten. Neben Oedipoda coerulescens L. kam O. miniata Pall. nicht selten vor, jene mit blauen, diese mit grellroten, am Ende schwarzgebänderten Hinterflügeln.

Durch kohlschwarze Färbung des ganzen Körpers, von dem sich die roten Hinterflügel scharf abhoben, wenn das Tier sich vom Boden im Flug erhob, ist Psophus stridulus L. ausgezeichnet. Das Tier war in der Steppe bei Gradzko und Krivolak, aber auch bei Stip eine Charakterform, kam aber auch in den Bergen vor.

Formen von mediterranem Typus sind Paracinema tricolor Thunb. und die Arten von Glyphanus, so G. obtusus Fieb. und G. heldreichi Br.

Eine eigenartige kleine Heuschrecke (Tettix subulatus L.), im erwachsenen Zustande kaum etwas über einen Zentimeter lang, ein graubraunes, lebhaft springendes Tierchen, hielt man kaum für etwas anderes als eine Larve, wenn es vor einem aufsprang. Daß man es leicht für eine Larve hielt, lag auch an dem frühen Auftreten der Form, welche ich am Katlanovosee schon Ende März und Anfang April in erwachsenen Individuen fand; die Art überwintert als Larve.

Auch andere Tiergruppen nahmen während des Sommers an Individuenzahl und an Einfluß auf das Landschaftsbild zu. Das galt vor allem für die Zikaden und die Ameisenlöwen. Erstere begannen in den Mittagsstunden durch ihren Gesang die Heuschrecken und Grillen vollkommen aus dem Feld zu schlagen. Von der großen Wirkung des Konzerts der Zikaden habe ich schon im Kapitel über den Doiransee erzählt. Die Zikaden als echte Sonnentiere paßten so recht in die Steppenlandschaft des mazedonischen Sommers. In der stärksten Sonne saßen die großen Arten an den Stämmen der Eschen, an den höchsten Büschen und erhoben ihren betäubenden Gesang, wenn sonst alles in der Natur ruhte. Die größte Zikade Mazedoniens ist Cicada plebeja Scop., ein silbergraues Tier; als wichtiges Instrument im Zikadenorchester ist Tettigia orni L. zu verzeichnen, denen sich Cicadatra atra Ol. und Tibicina haematodes Scop. anschließen.

So schwebten auch die Scharen der Landlibellen, der Ameisenlöwen in der heißen Sommerluft. Auffallend war es, wie eine Art nach der anderen in großen Individuenzahlen auftrat; jedesmal die Landschaft so sehr belebend, daß man jeweils glaubte, jetzt in der Myrmeleon-, jetzt in der Nemoptera- oder Palpares-Landschaft zu verweilen.

Das war die Zeit, in welcher die Steppe im Flachland von Mazedonien regierte. Jetzt drängte sich alles hervor, was der Steppe entsprach, was mit ihr zu tun hatte. In der Mittagssonne hörte man den Ziesel im dürren Gras rascheln und hastig sein Bündel Heu in seinen Bau schleppen. Von einem Stein schaute einen der Wiedehopf neugierig an, spreizte seinen Schwanz und die bunten Federn seines Schopfes, die ihn einem Indianerhäuptling gleichen machten. Wenn die Nacht herabgesunken war und der Boden noch glühte, huschte über ihn die gespensterhafte Gliederspinne Galeodes graecus mit ihren langen Beinen dahin und stürzte sich wie ein Vampyr über ihre Beute.