In der Latschenregion der Begova wurden Tannenmeise, Heckenbraunelle, Hausrotschwanz und Hänfling angetroffen.
Typische alpine Flora beginnt in der Regel erst in den mazedonischen Alpen von 1400-1500 m ab. Natürlich ziehen sich auch hier mit den Bächen Alpentiere und -pflanzen weit abwärts. An Nordhängen fand man nicht selten schon alpine Vertreter in 1100-1200 m Höhe in größeren Beständen, so die für die erste alpine Zone der mazedonischen Gebirge sehr charakteristischen Pflanzen, den Germer, Veratrum album, und das zarte Heidekraut Bruckenthalia spiculifolia Salisb. Mit dieser zusammen fand ich auf fast allen Alpenbergen Mazedoniens in der gleichen Region die balzende Heuschrecke Stenobothrus miniatus Charp.
In dieser Zone flogen die Parnassier, früh im Sommer die Mnemosynen, später die Apollos; da gab es die charakteristischen alpinen Erebien, die Bläulinge, die Perlmutterfalter und Spanner, welche für diese Zone charakteristisch waren.
Hier begannen nun allmählich die Matten zu herrschen, die typischen alpinen Felsenpflanzen vorzuwiegen. Wie bei den Tieren, so ist bei den Pflanzen der Felsen ein charakteristischer Wohnort der alpinen Formen. Alpine Felsentiere und -pflanzen folgen den Felsen in die Tiefe; Felsentiere und -pflanzen der Tiefe steigen mit den Felsen zu den Alpengipfeln empor.
So herrschten denn in den mazedonischen Alpen von Pflanzen neben den Enzianen, den Alpenrosen bald immer mehr die Steinbrech-, Nelken- und andere Pflanzenarten vor, welche Polster und Rosetten bildend, wie Moos sich an die Felsen heften.
Auf den Matten der Regionen über 2200 m war eine wundervolle alpine Flora von großem Formenreichtum vorhanden und mit ihr eine charakteristische Alpentierwelt. Und das, obwohl hier unter der Breite des 40-42° N, sich kein ewiger Schnee, keine Gletscherbildung von größerer Ausdehnung gehalten hat. So war denn hier nicht wie in den Hochalpen eine sehr reiche, formenreiche Nivalfauna wie sie neuerdings vor allem in den schweizer Alpen durch Zschokke und seine Schüler eine eingehende Untersuchung erfahren hat, entwickelt. Wir haben in den mazedonischen Alpen in der Golesniza und am Peristeri nur geringe Massen von Dauerschnee angetroffen. Aber wir fanden die Spuren einstiger Vergletscherung auch in den mazedonischen Alpen und damit auch Relikten der einstigen Eiszeit, wie sie zu erwarten waren.
In den höchsten Felsenregionen und Grasflächen über 2000 m fanden wir die Brutstätten der Ohrenlerche, der Feldlerche und des Braunkehlchens; in den zerklüfteten Felsgebieten der Begovagipfelregion mit ihren Schneefeldern und Schneelöchern gab es Scharen von Alpendohlen, auch Alpenbraunellen ließen sich hier nachweisen. Den Felsen nachgefolgt waren ebenso hier hinauf der Alpenmauerläufer und der Felsenkleiber.
Auch unter den Insekten und niederen Tieren ließen sich typisch alpine Formen und Eiszeitrelikte nachweisen. Ich habe in früheren Kapiteln auf den Schmetterling Anarta, auf die Alpenplanarie, auf die nordischen Hummelformen hingewiesen. Die weitere Verarbeitung des Materials verspricht noch manchen interessanten Aufschluß. Unsere Untersuchungen der Biologie der mazedonischen Alpen sind erste Vorstöße gewesen, denen die Forschungen der Botaniker und der vielen, besonders österreichischen Entomologen vorausgingen. Noch viel Interessantes ist von zukünftigen, vertiefteren Untersuchungen zu erwarten.
FÜNFUNDDREISSIGSTES KAPITEL
AM PRESPASEE.