Abb. 262. Am Nordrande des Prespasees. Blick gegen die Ausläufer des Peristeri n. O.S.O.
Die weiten Wiesen bilden eine gute Weide für Pferde und Rinder und so waren sie damals von großen Herden von Rindern, Eseln, Maultieren, Pferden und Büffeln belebt, was nicht wenig zum Reiz des Landschaftsbildes beitrug. Gruppen von Pferden oder Stieren sah man oft im seichten Wasser des Strandes stehen und da saufen, Büffel in den tieferen Tümpeln sich suhlen und der Kühlung im Wasser erfreuen.
Dazwischen stolzierten Reiher; Uferläufer, Sichelschnäbel, Brachvögel, Enten und Gänse suchten sich zwischen Gras und Schilf ihre Nahrung. Kraniche und Störche fanden sich zahlreich ein, dazu Purpurreiher, Fischreiher, Löffelreiher und auch hier die schönen Edelreiher. Unendliche Mengen von Fröschen erhoben ihre Stimmen vor allem in den Abendstunden. Ringelnattern von verschiedenen Formen schwammen im Wasser oder huschten durch das Schilf.
Nicht selten hörte man die dröhnende Stimme der Rohrdommeln ertönen, Rallen, Schnepfen, Brachvögel und Bekassinen liefen am Strand entlang. Daß auch hier Rohrsänger und Rohrweihen häufig waren, wie am Katlanovosee, braucht kaum erwähnt zu werden. Auch Nachtreiher wurden beobachtet.
Daß es in dem sumpfigen Gelände nicht leicht war, an die Vögel heranzukommen und die erlegte Beute auch zu sichern, ist verständlich. So wurden dort mehr Tiere beobachtet als erbeutet. Leichter war es auf den Motorbootfahrten an die Tiere heranzukommen. Durch Schilf, Buschwerk und tote Bäume, die als Zeugen des Wachstums des Sees aus dem Wasser hervorragten, fanden die flotten Seeleute als Führer der Motorboote geschickt ihren Weg. Unsere Motorboote auf dem Prespasee waren besonders gut und rasch und da sich die feindlichen in diesen Tagen selten auf dem See zeigten, konnten wir es wagen, uns weit nach Süden in den schönen, bergumgebenen Teil des Sees zu begeben und dahin unsere Untersuchungen auszudehnen.
Daß wir dabei von den Feinden nicht unbemerkt blieben, erfuhr ich erst später auf der Rückreise in Prilep, wo unser Nachrichtenoffizier mir belauschte Gespräche des Feindes über die seltsamen Manipulationen auf dem Prespasee erzählte. Sie hatten sich allerlei Gedanken über Minenlegen u. dgl. gemacht, während wir harmlos loteten und die Planktonnetze ins Wasser senkten.
Vor allem war es schön in der Abendstimmung an die Felsenhänge oder gegen die Insel heranzufahren und bei aufglühendem Himmel über den milchblauen See zu steuern, auf dem tausend Reflexe von den vielfarbigen Wolken wiedergestrahlt wurden.
Reizvoll war die Rückfahrt durch die Schilfinseln. Dort sammelten sich hunderte von Kormoranen [Phalacrocorax carbo subcormoranus (Brehm)] und der Zwergscharbe (P. pygmaeus Pall.) auf den toten Bäumen an, die ihnen als Schlafbäume dienten ([Abb. 263]). Aus dem Schilf trieb das Geräusch unseres Bootes die verschiedensten Entenarten, Wasserhühner, Taucher auf. Ja stolze Pelikane sahen wir einige Male in der Ferne wie duftige Wölkchen über dem Wasser schweben. Auch Adler, Fischadler und Seeadler zogen in großen Kreisen ihren Schlafbäumen in den Sumpfwäldern zu, aus denen Fledermäuse sich erhoben und über dem See Insekten jagten.
Abb. 263. Schlafbäume der Kormorane im Prespasee.