Daß mein Sammler tagsüber am Ufer manches von Insekten und Spinnen erbeutete, ist selbstverständlich. Schmetterlinge und Käfer, Wanzen und Heuschrecken, Ameisenlöwen und vor allem zahlreiche Libellen wurden erbeutet.
Bemerkenswert, weil bezeichnend dafür, wie abhängig man beim zoologischen Beobachten vom Zufall ist, oder vielmehr von der Zeit und der Örtlichkeit, an die man gerade gerät, ist die Tatsache, daß ich damals im Juli 1918 am Prespasee kaum solitäre Bienen beobachtete, während ich bei meinem ersten Besuch, am 22. Aug. 1917, in den Niederungen nördlich vom See, deren eine Menge fing. So erbeutete ich damals allein neun echte Halictus-Arten, darunter H. morbillosus Kriechb., eine typisch östliche Art, welche von Ungarn bis weit nach Kleinasien vorkommt. Vielfach waren es zweite Generationen, die gerade jetzt zur Stelle waren, so z. B. von Andrena carbonaria Scop. Außer den solitären gab es damals auch zahlreiche Honigbienen, und zwar die gewöhnliche deutsche Biene und die griechische (Apis mellifica var. cecropia L.).
Wir anderen, vor allem Dr. Nachtsheim, waren unterdessen mit Untersuchungen auf dem See beschäftigt. Hier zeigte sich, wie im Doiransee, ein großer Reichtum an Algen im Wasser. Auch Peridineen in großer Zahl traten auf. Das tierische Plankton war reich vor allem an Krebsen. Unter ihnen waren Daphniden und Copepoden etwa gleich stark vertreten. Unter letzteren traten Diaptomiden besonders hervor. Diaptomus Steindachneri kam in verschieden großen Rassen vor. Ähnlich wie im Doiransee gab es hier auch eine schöne, durchsichtige Form von Leptodora. Sie war aber nicht sehr reichlich vorhanden, trat hauptsächlich in Fängen aus Tiefen von 5-12 m auf, weniger an der Oberfläche. Auch hier waren Muschellarven in Mengen im Plankton vertreten.
Daß in diesem See bei der geringen Tiefe, die er erreicht, keine solche Variation in den Fängen durchgeführt werden konnte, wie im Ochridasee, ist zu verstehen. So nahmen wir uns vor, nach diesen ersten Feststellungen zu anderen Jahreszeiten wiederzukehren. Das hätte interessante Resultate versprochen. Leider kam der Rückzug dazwischen und verhinderte die beabsichtigte Vertiefung unserer Seenforschungen auf allen vier Seen Nordmazedoniens.
SECHSUNDDREISSIGSTES KAPITEL
RITT ÜBER DEN TOMOROS.
War es auch nur ein flüchtiger Ritt, den ich durch das Tomorosgebirge machen konnte, ich werde nie bereuen, die Anstrengungen auf mich genommen zu haben, um einen Blick in das ganz eigenartige Gebirge zu tun. Schon die Aussichten, welche mir beim Anstieg auf den Prespasee, beim Abstieg auf den Ochridasee zuteil wurden, gehören zu den schönsten landschaftlichen Eindrücken, welche ich von diesen malerischen Seen Mazedoniens mitgenommen habe.
Vor Tagesanbruch stand mein Wagen vor meinem Quartier in Podmocani an der Nordostecke des Prespasees bereit; ich hatte eine lange Fahrt um das ganze Nordende des Sees vor mir, ehe ich in Volkoderi an seiner Nordostecke anlangte, wo mich früh 6 Uhr Reitpferde erwarten sollten, welche mir der Stab der oben auf dem Tomoros liegenden bulgarischen Division versprochen hatte.
Abb. 264. Nordostende des Prespasees.