DIE WIRBELTIERE MAZEDONIENS
Die einzige größere Tiergruppe, bei welcher schon ein allgemeiner Überblick über unsere wesentlichen Forschungsresultate gegeben werden kann, sind die Wirbeltiere. Unter ihnen treten die Säugetiere und Fische an Zahl der Sammlungsexemplare und auch an Bedeutung der wissenschaftlichen neuen an ihnen geförderten Ergebnisse zurück. Dagegen haben die Sammlungen der Amphibien, Reptilien und Vögel mancherlei interessante Funde und Tatsachen ergeben, die in diesem Buch schon gebracht werden können. So lohnt es sich, sie hier in diesem Kapitel knapp zur zusammenfassenden Darstellung zu bringen.
Aus ihr wird hervorgehen, daß wie stets ein solcher erster Vorstoß in ein unbekanntes Land und eine im wesentlichen unbekannte Fauna nur vorläufige Ergebnisse und viele neue Fragestellungen bringt. Vor allem die Säugetierfauna bedarf noch sehr genauer Durchforschung, die viel zum Verständnis der Verbreitung der Säugetierwelt Europas beitragen dürfte. Zu einer rationellen Durchforschung der Säugetiere Mazedoniens bedürfte es des Zusammenwirkens von Sportsleuten mit Wissenschaftlern, um vor allem die Zugehörigkeit der Rehe, Hirsche, Gemsen, der Bären, Wölfe, Schakale, der Wildschweine und all der Kleinsäugetiere zu erweisen.
Nicht allzu reich waren die Erfahrungen, welche ich mit meinen Helfern über die mazedonischen Säugetiere sammeln konnte. Bei der vielseitigen Tätigkeit, die sich auf wenig Mitarbeiter verteilte, kamen die Säugetiere, deren Jagd und Beobachtung so zeitraubend ist, schlecht weg. Immerhin gewann ich einen gewissen Einblick in die Säugetierwelt Mazedoniens. Auch Prof. Müller beschäftigte sich so viel wie möglich mit diesen Tieren; seine Aufzeichnungen habe ich hier mit benützt.
Fledermäuse flogen nicht selten in der Luft; ihre Schlafstellen in den vielen Ruinen, in alten Bäumen, so in den hohlen Platanen des Nikolatales und an anderen Orten, habe ich öfter abgesucht. Leider fing ich im Bergwerk bei Rabrovo im Mai 1918 nur mehr einige Exemplare von zwei Arten. Im Winter war nach Aussage der Soldaten der verlassene Schacht von hunderten dieser Tiere erfüllt gewesen, die aber, als ich in der Gegend ankam, ihn schon verlassen hatten.
Unter den Nagetieren war die Hausmaus häufig; ich habe auch die Waldmaus gesehen. Die Ratten waren teils Hausratten, teils wohl sicher Mus rattus alexandrinus. Prof. Müller hält die von ihm gesammelten Tiere für von beiden abweichend. Eine weißgelbe Ratte mit dunkeln Augen kam in Veles vor.
Eichhörnchen sind auch in den ausgedehnteren Wäldern offenbar selten. Ein schwarzbraun gefärbtes Exemplar im Sommerkleid wurde von Prof. Müller im Buchenwald oberhalb des Han Abdipasa im Babunagebirge bei 1300 m Höhe erlegt. Vom Ziesel (Citillus citillus L.) war im Kapitel 26 die Rede; auch in der Golesniza Planina, unserem dort beschriebenen Fundort, handelt es sich offenbar um die typische Form. Aber das Vorkommen in etwa 2000 m Höhe ist sicher bemerkenswert.
Hasen gab es reichlich in den Ebenen und Hügeln Mazedoniens. Unsere Offiziere und Soldaten haben ihrer viele erlegt; allein die Flieger im Wardartal bei Dedeli haben in einem Winter ihrer über 100 zur Strecke gebracht. In ganz Mazedonien kam ein großer, stattlicher Hase vor. Über seine Zugehörigkeit kann ich noch keine näheren Angaben machen. Der Lepus europaeus mediterraneus kann es nicht sein, da dieser offenbar, von Sardinien beschrieben, eine kleine Inselform ist. Die Balkanhasen müssen erst noch genauer untersucht werden.
Igel, Maulwurf und Spitzmäuse wurden von uns beobachtet und auch erbeutet. Sie scheinen sich von den unseren nicht wesentlich zu unterscheiden, wenigstens die Formen, die uns zu Gesicht kamen.
Von kleinen Raubtieren wurden Marder, Fuchs, Dachs, Wiesel, Hermelin, der Tigeriltis und die Fischotter festgestellt. Bälge bei Händlern in Kalkandelen beweisen ziemlich sicher das Vorkommen von Luchs und Wildkatze im Schardakh. Wölfe gibt es überall in Mazedonien im Gebirge; sie wurden von unseren Soldaten am Peristeri, bei Gopes und in anderen Gebirgen erlegt. Von dem von mir mitgebrachten Wolf aus der Golesniza Planina ist im 26. Kapitel berichtet. Auch der Bär wurde während meines Aufenthalts am Peristeri einmal von Truppen dort erlegt. Schakale scheinen besonders im Süden nicht selten zu sein; von ihnen sah man auch schlecht erhaltene Felle gelegentlich bei Händlern.