Gar nicht so sehr selten scheint das Wildschwein in den Bergen zu sein. Von vergeblichen Jagden und aufgefundenen Spuren ist ja in verschiedenen Kapiteln einiges erwähnt worden. Reh und Hirsch scheinen aber sehr selten und verscheucht zu sein. Sie leben wohl nur noch in den Wäldern der hohen Gebirge. Mehrfach wurden im Babunagebirge, in der Marianska Planina, und in anderen Bergen Rehe zur Strecke gebracht. Von Hirschen erfuhr ich seltener; doch erwarben wir in Koinsko einmal eine schöne Decke, und ein stattliches Achtergeweih, das in der Treskaschlucht im Freien gefunden wurde, hatte ich zu sehen Gelegenheit. Es ist hier abgebildet ([Abb. 267]).
Mit den Wäldern sind natürlich alle diese jagdbaren Tiere immer mehr vertrieben und in die unwegsamsten Gebirgsgegenden verscheucht worden. Das gilt selbst für die Gemsen, welche weit außerhalb der bewohnten Gegenden leben, aber im albanischen Grenzgebiet von den Gebirgsvölkern eifrig gejagt werden. Ihr Vorkommen im Schardakh und den umliegenden Bergen konnte ich durch Erwerbung eines Gehörns und durch Besichtigung einer schönen Winterdecke beim Bürgermeister des Dorfs Veseca an der Kobeliza feststellen. Auch im Korab kommen Gemsen wohl sicher vor.
Abb. 267. Geweih und Schädeldecke eines mazedonischen Hirsches.
Damit sind nicht allzu eingehende Kenntnisse über die Säugetiere Mazedoniens gewonnen. An ihnen ist noch viel zu tun. Im großen und ganzen zeigt sich die Säugetierfauna aus typisch europäischen Formen zusammengesetzt, doch werden unter den Kleinsäugetieren sich wohl auch zahlreiche südliche und östliche Formen nachweisen lassen.
Viel tiefer konnten wir in die Vogelwelt Mazedoniens eindringen. Außer vielen Beobachtungen brachten wir eine Sammlung von 3200 gut präparierten, genau bezeichneten Vogelbälgen heim. Diese liegt, von Dr. Erwin Stresemann bearbeitet, auch schon publiziert vor. Über das Vorkommen der Tiere ist in den Kapiteln dieses Buches manches mitgeteilt worden, wobei die Benennungen der Vögel sich stets auf die Arbeit Dr. Stresemanns stützten.
Hier sei noch einiges Zusammenfassende über die Ornis Mazedoniens mitgeteilt. Nach der Durcharbeitung unserer Ausbeute stellt sich Mazedonien, wie für andere Tiergruppen, auch für die Vögel als Mischgebiet dar. Dabei erscheinen mitteleuropäische und mediterrane Formen fast im gleichen Verhältnis beteiligt. Allerdings im südlichen Wardartal stechen die südlichen Formen besonders hervor.
Dabei ist ein Vordringen südlicher Formen nordwärts und umgekehrt nördlicher Formen südwärts zu erkennen, wobei die Verbreitungsgrenzen Schwankungen zu unterliegen scheinen. Besonders bemerkenswert ist, daß nördliche Formen, wenn sie weiter südlich vordringen, dort höher in die Gebirge aufsteigen und dort ihnen zusagende Klimazonen aufsuchen.
Zu diesen Elementen gesellen sich östliche Formen, die teils auf den Nordosten, also auf die Steppen Südrußlands und den Nordrand des schwarzen Meers, teils auf den Südosten und damit auf das Kaukasusgebiet und Kleinasien hinweisen. Mehr noch als unter den Vögeln zeigen sich solche Beziehungen in der Pflanzenwelt und unter den Insekten.
Schon in den bisher angeführten Tatsachen zeigen sich Abhängigkeiten von klimatischen Einflüssen. Solche haben wir in vielen der früheren Kapitel dieses Buches in ihrem Einfluß auf die Tier- und Pflanzenwelt, selbst auf die Oberflächengestaltung des Landes kennen gelernt. So fanden wir auch in den verschiedenen Formationen mit einer bestimmten Pflanzenwelt immer charakteristische Vögel beieinander. Eine knappe Zusammenstellung in der Reihenfolge vom Tal ins Hochgebirge wird interessante Gesichtspunkte vor Augen führen.