Von den Kirchen aus dieser Zeit ist in Ochrida besonders die dem heiligen Climent geweihte zu erwähnen, Sie liegt oben am Berg und sie ist eine Kreuzkuppelkirche, deren Kuppel auf schweren Pfeilern ruht ([Abb. 274]). Gerade in der Gegend von Ochrida fanden die beiden Apostel des Christentums Climent und Naum eine große Verehrung. Sie hatten im Auftrag des Zaren Boris unter den Bulgaren Mazedoniens das Christentum verbreitet, nachdem sie im Jahre 885 nach dem Tode Methodis aus Mähren, wo sie als Schüler Cyrills und Methodis sich entwickelt hatten, an dessen Hof gekommen waren. Leider konnte ich infolge des Vordringens der Feinde das Kloster Sv. Naum bei Pogradeč nicht besuchen, dessen Kirche besonders durch seine Malereien berühmt war, und welche das Grab dieses Heiligen beherbergt. Doch auch in Sv. Climent fanden sich sehr schöne Malereien vor allem am Ikonostas. Ein segnender Christus aus dem 13.-14. Jahrhundert fiel besonders auf ([Abb. 275]).
Aus Filow.
Abb. 274. Ostseite der Kirche Sveti Climent in Ochrida. Gebaut 1295.
Im Kloster Sveti Climent hat seinerzeit der Jenenser Professor Gelzer für die Kirchengeschichte des Balkans wichtige Dokumente entdeckt. Wo mögen diese mittlerweile hingeraten sein?
Sehr schön und interessant sind in Sv. Climent auch die Holzschnitzereien und Metallarbeiten, welche überhaupt in den bulgarischen Kirchen eine große Rolle spielen und auch durch die Türkenzeit hindurch eine gute Tradition bewahrt haben.
Von den zahlreichen anderen Kirchen Ochridas möchte ich noch eine erwähnen, welche infolge ihrer malerischen Lage manchem Besucher wie mir in unvergeßlicher Erinnerung geblieben sein wird. Es ist die am westlichen Ende auf einem in den vorragenden Felsenvorsprung erbaute kleine Kirche Sveti Jon, dem heiligen Johannes geweiht. In der Armee wurde sie meist als die Fischerkapelle bezeichnet, wohl wegen ihrer Lage bei den Fischerhäusern am See.
Sv. Jon ist eine kleine Kreuzkuppelkirche aus Haustein mit roten Zwischenlagen von Ziegeln gebaut. Hohe Strandmauern sind auf den schroffen Felsen zu ihr emporgebaut, um die Plattform herzustellen, auf der sie steht. Treppen führen durch diese zu einem felsigen Strand hinab, an welchem ich manches köstliche Bad in dem klaren Wasser des Sees genossen habe. Mächtige alte Bäume ragen vor den Felsen auf und erhöhen die malerische Schönheit des Bildes, welches die Kirche darstellt, die sich wundervoll vom Himmel und dem dunkelblauen Wasser des Sees abhebt, wenn man im Kahn von der Stadt her sich ihr nähert.
Aus Filow.