Im Schatten von Weiden liegen im hier recht breiten Drin die so wohlbekannten breiten Boote mit ihren unförmlichen Seitenwülsten; unterhalb des Dorfes ist die ganze Breite des Flusses durch Zäune und Gatter aus Schilf und Reisig abgesperrt. Zwischen ihnen sind Reusen aufgestellt, um die Fische, welche zwischen Fluß und See wechseln, abzufangen. Schon vor vielen Jahren wurden diese Weidengeflechte und die bei ihnen aufgestellten Hütten mit ihren Dächern aus Röhricht von Besuchern erwähnt. So hat sie z. B. der Aromunenforscher Weigand im Jahre 1889 gesehen. Dieser erwähnt, daß damals schon die Fischerei in Struga um 100000 M. auf 2 Jahre verpachtet war.

Das muß sie wohl getragen haben; denn während meines Aufenthaltes in Ochrida sah ich oft die Ausbeute enormer Fänge. Nicht selten werden an einem Tag Hunderte von Zentnern von Aalen in Struga erbeutet. Es ist ein imposanter Eindruck, wenn man Haufen von vielen Hundert der armsdicken, mehr als einen Meter langen Fische sich durcheinander winden sieht, wenn ihre weißen Bäuche aufblinken, während sie ihre blauschwarzen Rücken nach unten kehren.

Abb. 277. Bootshafen am Drinaausfluß aus dem Ochridasee.

Vielerlei kleine und größere Fische sah ich im Wasser umherhuschen, als ich mit meinen Husaren ins Sumpfgelände hineinritt, um mit einem von ihnen, der ein gelernter Fischer war, Krebse zu fangen. Während unsere Pferde an einer trockenen Stelle grasten, zog der Mann sich aus, sprang ins Wasser und holte unter den Pflanzenpolstern an der Uferwand einen ganzen Sack von Flußkrebsen heraus. Während sie anfangs frei herumschwammen und, auf dem Schlamm sitzend, erspäht werden konnten, zogen sie sich bald in ihre Löcher zurück. Auf diese mußte das ganze Ufer und alle Rohrinseln abgesucht werden, was mein Husar sehr geschickt und sachverständig ausführte.

Unterdessen umschwammen ihn Wasserkäfer, Schwimmwanzen und allerhand Getier, zum Glück fehlten aber hier die Blutegel. Libellen vieler Arten umschwirrten uns während unserer Fischerei. Der Krebs stellte sich als eine auch bei uns verbreitete Art des Flußkrebses heraus (Astacus fluviatilis L.). In der Umgebung herrschte ein reiches Vogelleben. Allerhand Arten von Rohrsängern und anderen rohrbewohnenden Kleinvögeln huschten durch das Schilf.

Abb. 278. Fischsperre in der Drinmündung bei Struga am Ochridasee.

In der nächsten Umgebung flogen auf oder ließen sich nieder Fischreiher und Purpurreiher. Besonders schön zu beobachten war ein ganzer Flug von weißblinkenden Edelreihern. Uferläufer und andere Stelzvögel, Enten, Teichhühner und viel anderes Wassergeflügel war in Mengen vorhanden. Ich bedauerte sehr, damals keinen Präparator bei mir zu haben; denn ich scheute mich, die Tiere zu schießen, ohne Belegstücke für wissenschaftliche Zwecke mitnehmen zu können.

Eine ähnlich reiche Vogelwelt fand sich auch südlich von Ochrida am Strand des Sees, den ich mit meinen Begleitern nach Wassertieren absuchte. Dabei erwies sich als besonders ergiebig das Ufer und seitlich liegende Tümpel bei Goriza und gegen Sv. Stefan. Dort wurden viele Muscheln aus den Gattungen Unio und Anodonta gefangen. Auffallend war im See das Massenvorkommen der Muschel Dreissensia, welche bekanntlich vor einigen Jahrzehnten eine Wanderung durch ganz Westeuropa vom Osten her gemacht hat und jetzt auch bei uns in Deutschland im Süßwasser heimisch geworden ist. Bemerkenswert war später beim Fang des Planktons, in welch ungeheuren Massen Muschellarven, wahrscheinlich meist solche von Dreissensia, das Wasser des Sees in allen Schichten belebten.