Auch Schnecken aus den Gattungen Lymnaeus und Paludina waren in großen Mengen zu finden; dabei allerlei Wasserinsekten, Käfer, Schwimmwanzen und Larven vieler Arten. An den Felsen und Steinen, besonders unterhalb der Kirche Sv. Jon, fanden sich massige Krusten eines Süßwasserschwammes.

Um die Fische des Sees zu bekommen, mußte ich mich mit den am See ansässigen Fischern in Verbindung setzen; denn ich selbst hatte keine Fischereigeräte zur Verfügung. Dazu sollte mir eine Empfehlung eines bulgarischen Politikers dienen, welche dieser mir an den Erzbischof mitgegeben hatte. In dessen Haus wurde ich sehr liebenswürdig empfangen und die Erfüllung meiner Wünsche mir versprochen. Das war aber offenbar in jenen Tagen nicht ganz leicht. Die Stadt war infolge der kriegerischen Ereignisse von Militär überflutet, welches alles Eßbare und damit auch die Fische für sich beanspruchte.

So war es denn wichtig, daß mir ein Polizist zugewiesen war, der die Fischer gut kannte und vor allem in ihrer Sprache sich gut mit ihnen verständigen konnte. Dabei sprach er ganz gut deutsch, mit sehr ausgesprochen österreichischem Akzent. Als ich ihn frug, wo er denn sein Deutsch gelernt habe, erzählte er mir, er sei Jahre lang in Karlsbald und Franzensbad gewesen. Auf meine weitere Frage, was er dort gemacht habe, antwortete er mit spitzbübischem Lächeln: „Ich war dort Honigtürke!‟ Wieso? „Ja, ich stand mit einem Fez oder Turban an der Promenade und verkaufte türkischen Honig. Die meisten Honigtürken in Deutschland und Österreich sind mazedonische Bulgaren. Aber dort ist vorteilhaft Türke zu sein, man setzt einen Fez auf, auch wenn man slavischer Christ ist und die Leute dort können doch türkische und bulgarische Sprache nicht unterscheiden. Wenn man Chef des Geschäfts ist, verdient man viel Geld, weniger als Straßenverkäufer!‟

Dieser Helfer sorgte dafür, daß die Fischer mir Fische aus dem Ochridasee heranbrachten.

Außer den Aalen gab es auch reichlich Karpfen im See; allerdings so stattliche Exemplare fanden sich hier nicht, wie ich sie seinerzeit im Wardar erbeutet hatte. Von Weißfischen wurden eine ganze Anzahl gebracht, so die mit unserem Aitel verwandten Squalius illyricus H. u. K., und Sq. dobula H. Auch die gleiche Art von Barben, welche ich im Wardar und seinen Nebenflüssen gefunden hatte, kam hier reichlich vor (Barbus plebejus Val.). Bei Struga hatte ich selbst einen unserer Nase verwandten Fisch, in Italien Stric genannt (Chondrostoma genei Bon.) erbeutet. Dort fingen wir auch den Gründling (Gobio vulgaris Cw.). In Ochrida selbst wurden die Arten Chondrostoma phoxinus Heck. u. Ch. soetta H. u. K. von den Fischern gebracht.

Eine heimische Erscheinung ist der Schiet (Aspius rapax Ag.), während die laubenähnlichen, silbrig blinkenden Alburnus alborella H. u. K. und A. scoranzoides H. u. K. echt südliche Formen sind. Dasselbe gilt von Leuciscus adspersus Heck.

Der beliebteste Fisch auf dem Fischmarkt von Ochrida, gerühmt von allen Besuchern der Stadt und in normalen Zeiten weithin versandt, ist die Ochridaseeforelle. Es ist das ein prachtvoller Vertreter der Lachsfische mit allen Vorzügen dieser Gattung, der prachtvollen Färbung wie dem guten Geschmack des Fleisches. In stattlichen 50-70 cm langen Exemplaren sah man das Tier in jenen Tagen manchmal bei den Österreichern und bei den Blücherhusaren auf dem Kasinotisch. Die Seeforelle, von den Eingeborenen Latzniza genannt, wird wissenschaftlich als Salmo dentex Heck. bezeichnet; doch hat Steindachner die Form aus dem Ochridasee als Salmo ochridanus Steind. abgetrennt.

Daß mit diesen 11 Fischarten, von den 14 Arten aus dem Ochridasee, welche frühere Reisende auf dem Fischmarkt von Ochrida konstatiert haben wollen, drei fehlen und dazu vielleicht noch manche andere, die zu entdecken gewesen wäre, hat seine Ursache in einem seltsamen Mißgeschick. Die große Auswahl von Seefischen, welche durch die Sorge des Erzbischofs für meine wissenschaftliche Sammlung bestimmt war, fiel leider durch Dummheit des Fischers und durch die Energie des Kasinovorstandes des Offizierkasinos der deutschen Division diesem in die Hände und wurde dort verzehrt.

Vor allem von den Seeforellen Ersatz zu schaffen, war in jenen Tagen, also Mitte September, sehr schwer, da sie nur mit komplizierten Apparaten einer Fischerflottille in der Tiefe des Sees gefangen werden konnten, wo sie sich in dieser Jahreszeit aufhielten. Stürmisches Wetter hinderte in den Tagen, die ich damals noch in Ochrida weilte, das Ausfahren dieser Boote.

Andere Forschungen gaben die Möglichkeit, eine Erklärung des Tiefenvorkommens der Seeforelle in diesem Teil des Jahres zu finden. Ich hatte mich mit Apparaten ausgerüstet, um auch in diesem See Plankton zu fangen. Um das auch in größeren Tiefen ausführen zu können, hatte ich mir von der Telegraphenabteilung in Prilep Kabel und dünne, feste Stahldrähte in der Länge von mehreren 100 Metern verschafft, mit denen Lotungen und Fänge in größeren Tiefen durchgeführt werden konnten.