Abb. 279. Auslegerboot auf dem Ochridasee.

Fahrten auf dem See zum Zwecke solcher Forschungen wurden mehrere noch in diesem Herbst von mir unternommen; im Jahre 1918 übernahm Dr. Nachtsheim diesen Teil der Untersuchungen. Ich will nur kurz über meine Fahrten berichten, um dann die wesentlichen Resultate unserer Forschungen darzustellen.

Im Hafen von Ochrida, wie in allen Orten am See, lagen jene eigenartigen, schweren Ruderboote, welche für diesen See ganz besonders charakteristisch sind. Es sind breite, plumpe Schiffe mit erheblichem Rauminhalt, welche an beiden Seiten in ausgehöhlten Baumstämmen eine Art von Auslegern besitzen. Sie machen die Boote ziemlich stabil, aber schwer beweglich. Auch sind sie bei hohem Seegang für das Boot durch ihre dünnen Wandungen nicht ungefährlich, da starke Wellen, Anstoß an harte Gegenstände, diese leicht durchschlagen und damit das Boot zum Sinken bringen. Das Rudern ist in ihnen sehr beschwerlich und kommt gegen starken Wind und Wellengang nicht an. Gesegelt wird in diesen Booten nicht, wie denn überhaupt das verschönende Motiv des Segelschiffs auf diesem malerischen See vollkommen fehlte.

BLICK ÜBER DEN OCHRIDASEE. — Im Hintergrund Tomoros und Malisat.

Mit einem solchen Boot machte ich verschiedene kürzere Fahrten, bei denen vor allem das Plankton der Oberfläche in Landnähe, also über geringeren Tiefen studiert wurde. Das Oberflächenplankton war im Ochridasee meist bräunlich oder braun, Fänge in der Bucht von Struga waren durch Algen grünlich gefärbt. Sehr viel reicher als in den Oberflächenschichten war das Plankton aus Tiefenfängen von 30 m Tiefe ab.

Um solche auszuführen, mußte man weiter auf den See hinaus. Sollte das nicht allzuviel Zeit rauben, so brauchte man dazu die Hilfe eines Motorbootes. In jenen bewegten Tagen standen diese aber nicht zur Verfügung, und da ich im September 1917 noch solche Fänge durchsetzen wollte, mußte ich mich in einem der großen Eingeborenenboote mit einem kleinen Motorkahn hinausschleppen lassen; in letzterem wäre nicht Platz genug für meine Apparate und meine Hilfskräfte gewesen. Dies Motorboot hatte sofort eine Panne und mußte liegen bleiben, während wir uns durch Rudern langsam südwärts arbeiteten. Wir langten schließlich gegenüber Lin vor einem roten Vorgebirge an. Dort ergab eine Lotung eine Tiefe von über 100 m. Darauf wurde ein Fang mit dem Planktonnetz in etwa 80 m Tiefe ausgeführt. Dieser ergab eine ganz riesige Ausbeute; das Glas war mit einem Brei von vielen Tausenden von kleinen Tieren gefüllt, unter denen Krebse vorherrschten, deren Färbung den ganzen Tierbrei paprikarot erscheinen ließ.

Dies Resultat war nicht ohne große Not erreicht. Während wir arbeiteten, erhob sich ein starker Wind von Norden. Er fegte über die Oberfläche des Sees und erregte hohe Wellen. Es war ein prachtvoller Anblick, wie der See sich immer dunkler färbte und die mächtigen Wellen, mit weißen Schaumkämmen gekrönt, sich zu uns heranwälzten.

Vergebens suchten wir durch Rudern gegen diesen gewaltigen Seegang anzukämpfen. Die meterhohen Wellen warfen unser plumpes Boot hilflos umher; es war unheimlich, sie krachend gegen die dünnen Seitenwände anprallen zu hören. Es kostete die größte Mühe, das Boot wenigstens gegen die Wellen zu stellen; ein Rückwärtsrudern nach Ochrida zu war ganz unmöglich. Wir sahen beim Blick gegen das Land, daß wir, statt nordwärts voranzukommen, immer weiter nach Süden abgetrieben wurden. Wir kamen schließlich über Pescani und immer weiter über die feindliche Front hinaus. Das Boot schwankte hin und her, stieg hoch auf die Wogenkämme hinauf, um mit Krachen und Gepolter in die Wellentäler hinabzustürzen.