Weniger erfreuliche Eindrücke traten uns entgegen, als wir die steilen Gassen des Städtchens durchkletterten. Was uns aus der Ferne so anmutig erschienen war, bot uns jetzt das Bild der Zerstörung. Die meisten Häuser waren Ruinen, dachlos mit halbeingestürzten Mauern. Einsam war es in den Straßen, leer gähnten die Fensterhöhlen, kaum ein Haus hatte noch eine Türe. Hohe Mauern, meist nur stückweise erhalten, hatten einst Höfe und Gärten umschlossen, in denen jetzt nur Unkraut und verwilderte Sträucher wucherten. Nur hie und da stand noch ein Obstbaum aufrecht, in der Schlucht erhoben sich einige stattliche Pappeln. Von hohen Bäumen war die Moschee umstanden, welche in einem etwas besser erhaltenen Teil des Städtchens sich befand.

Bei jedem meiner Besuche in Plauš fielen mir die verödeten Gassen, der Zerfall und die Zerstörung mehr auf; jedesmal waren wieder einige Häuser zerstört, wieder einige Bäume gefällt. Beides war auf das Bedürfnis nach Brennholz zurückzuführen. Verlumpte Kinder liefen herum, verschleierte Frauen flüchteten in die Häuser. Daß ich so wenig Männern begegnete, hatte wohl zum Teil seinen Grund darin, daß sie draußen auf den Feldern bei der Arbeit waren. Aber selbst an einem Feiertag, als ich sie in der Moschee versammelt fand, war es nur eine kleine Zahl.

Die Zerstörung des Ortes rührte wohl in der Hauptsache aus dem Balkankrieg her, wo Bulgaren und Serben hier gekämpft hatten. Und später fanden wir in der Gegend auch Gräben aus dem gegenwärtigen Krieg.

Der Aufenthalt in dem Orte hatte nichts anziehendes und so habe ich mich niemals in ihm länger als eine Stunde aufgehalten. Der gegebene Rastplatz war der Garten der Moschee, wo man im Schatten der Bäume ruhen konnte und ein laufender Brunnen uns den Durst löschte; er war, wie stets, wo Türken wohnen, gut gehalten und sorgfältig gebaut.

Abb. 33. Dorf Plauš von oben gesehen.

Die Moschee war ein schmuckloses, viereckiges Gebäude, niedrig mit schwach geneigtem Dach, kleiner Türe, mit wenig kleinen scheibenlosen Fenstern. Es war aus Hausteinen mit eingelegten roten Ziegellagen gebaut; das Dach war mit Rundziegeln gedeckt, wie die meisten Häuser des Ortes. Von den roten Ziegeln der Flächen des Daches, stachen hellgelbe Randziegel freundlich ab. Das Innere der Moschee bestand aus einer Halle mit nacktem Tennenboden, von einigen Balken war das Dach gestützt. Schmutzig und schmucklos war der ganze Raum, nicht einmal ein Teppich war da und die zum Gebet versammelten Männer waren ebenso schmutzig und verlumpt wie ihre Ortschaft. Nach der Zahl, Anlage und Größe der Häuser muß aber Plauš in nicht zu ferner Vorzeit ein blühendes, wohlhabendes Städtchen gewesen sein.

Der Anstieg, der von dem Orte weiter hinauf zum Kamme der Plaguša Planina führte, war steil und ging über einen kahlen von Wasserrinnen verarbeiteten Rücken zu einem Paß hinauf. Ganz oben in fast 1000 m Höhe war ein Türke mit seinem primitiven Pflug beim Pflügen eines Ackers beschäftigt, den ich im Herbst mit reifem Korn bestanden wiedersah.

Abb. 34. Eichen im Waldtal der Plaguša Planina (Quercus conferta W. K.).