Über den Seen und den vorderen Bergen hinweg sah ich im blauen Dunst der Ferne einen hohen Doppelgipfel; es war der Olymp, der Götterberg des alten Hellas, der dort herüberschaute.

Ich überblickte das weite Tal des Wardar, wie es sich aus der Enge bei Hudova öffnete, darüber die mir schon lieb gewordenen Umrisse der Marianska Planina und der Mala Rupa. Durch die grüne Ebene von Hudova floß der breite Strom, zum Teil in Arme zerspalten, zu einem neuen Engpaß, in welchem er bei Miletkovo eintrat, um weit nach Süden bis gegen Gewgeli sichtbar zu bleiben.

Quer von Miletkovo herüber sah man eine Hügelkette an Mravinca vorbei gegen Dedeli ziehen und von dort konnte das Auge rückwärts wandernd die Reihe der Dörfer am Fuß der Plaguša Planina verfolgen, vom südlichsten Piravo über Verceli, Aranli, Terzeli und Kalkova nach Kaluckova.

Da ich für die nächsten Tage mir eine neue Besteigung des Plaguša-Gebirges vorgenommen hatte, so nahm ich jetzt den Abstieg hinter dem Grünberg nach Kalkova, wo ein deutsches Pferdelazarett untergebracht war. Als ich die Region von ungefähr 500 m Höhe erreicht hatte, traf ich dort in der Nachmittagssonne ein reiches Insektenleben. Vor allem häufig waren zwei Arten von Ameisenlöwen, darunter die zierliche Form mit den bandförmigen Hinterflügeln (Nemoptera sinuata Oliv.). Schmetterlinge flogen um die Blüten, auch zahlreiche Bienen und Fliegen. Auf letztere jagten zwei Libellenarten. Auf den Pflanzen und am Boden gab es zahlreiche Käferarten, so Mistkäfer, unter denen die Pillendreher besonders auffielen.

Die gleichen Tiere, in noch vermehrter Menge, konnte ich in derselben Region beobachten, als ich am 27. Mai, am Pfingstsonntag, den gleichen Weg, aber mit weiterem Ziel zurücklegte. Geradezu erstaunlich war die Menge von Mistkäfern, welche auf dem Pfad und an den Hängen herum wimmelten. Sicher ein Anzeichen dafür, daß auf dem jetzt so einsamen Pfädchen der Verkehr früher viel stärker war.

Als ich in der Gipfelregion ankam, wehte hier ein kalter Wind. Große Wolken trieben am Himmel und versprachen weniger gutes Wetter als beim letzten Aufstieg. Am ersten Gipfel flogen wieder die Mnemosynen, d. h. bei der Kälte flogen sie nur in den kurzen Augenblicken des Sonnenscheins. Sonst saßen sie starr auf den Büschen und ließen sich leicht mit der Hand fangen.

Aber die Kälte konnte den Insektenreichtum dieser Region nicht vollkommen unterdrücken. Sowie die Sonne herauskam, erhoben sich die Schmetterlinge aus ihren Schlupfwinkeln und gaukelten um die Blüten. Dabei fiel auf, welch kräftige Farben hier in dieser Region die meisten Arten aufwiesen. In die Augen fallend war vor allem das leuchtende Blau der Bläulinge.

Auch andere Insekten waren reichlich vorhanden. Hummeln und Bienen lockten durch ihr Summen die Aufmerksamkeit aller meiner Begleiter auf sich. Cetonien und andere Blumenkäfer ließen sich leicht von den Sträuchern herunterschütteln. Kleine Bockkäfer waren häufig, so Leptura erratica Dalm. und L. fulva de Geer, wie die bunte Strangalia septempunctata Fabr. und die dunkle L. melanura L. Auffallend viele Spanner und Motten flogen umher.

Auf dem Pfad und an seinen Rändern liefen Tigerlaufkäfer (Cicindela campestris L.) herum und überall waren die kreisrunden Löcher im Boden zu sehen, in denen ihre Larven auf Beute lauerten. Auf den Wiesenpflanzen saßen kleine Zikaden mit schwarzrot gefleckten Flügeln (Triecphora mactata Germ.), eine Schaumzikade. Grillengezirpe ertönte von allen Seiten, als eine zeitlang die Sonne wärmer schien.

Das Umwälzen der Steine brachte reiche Ausbeute. Viele Käfer, besonders Laufkäfer saßen unter ihnen. Durch seine krepierenden Bomben aus Sekret der Afterdrüsen fiel der Bombardierkäfer Brachinus immaculicornis Dej. besonders auf. Ganze Scharen von schwarzen und braunen Juliden, jenen walzenförmigen, sich einrollenden Tausendfüßlern, traf ich unter den Steinen an oder fing sie, als sie offen auf den Wegen krochen (Brachyjulus unilineatus hercules Verh.). Fand ich aber einen jener großen, flachen, flinken Tausendfüßler aus der Gattung Scolopendra, so saß das Raubtier sicher einsam und ungesellig unter seinem Stein. Jedesmal gab es eine aufregende Jagd, bis das Tier mit der Pinzette gefaßt, der schmerzliche und unter Umständen gefährliche Biß vermieden, und trotz aller Gewandtheit und schnellen Bewegungen die Beute im Sammelglas saß.