Abb. 37. Hoher Baum der Stacheleiche (Quercus coccifera L.) in der Bergregion der Plaguša Planina auf blumiger Wiese, dahinter das übliche Gebüsch der gleichen Eiche.
Auf dem Felsen wuchsen hier schon jene wollblättrigen Pflanzen, die mir später in den Hochgebirgen begegneten. In der Plaguša Planina waren es Kompositen der Gattung Hieracium vor allem H. pannosum Gris., die nebenan abgebildet sind, wie sie wie weiße Plüschgebilde sich vom Felsgestein abheben.
Dr. Laser phot.
Abb. 38. Felsen in der Plaguša Planina bewachsen mit wollblättrigen Kompositen (Hieracium pannosum Gris.).
Der Abstieg wurde zur beschwerlichen Felsenkletterei, als wir nun an einem alten türkischen Turm vorbei den Kamm verfolgten. Der Turm, kaum ruiniert, ragte stattlich empor und bot einen schönen Blick auf die reizende Stadt, welche unter uns lag, der Ort mit dem wohllautenden Namen Valandova. Der ganze Kamm, besonders alle Spitzen trugen Spuren türkischen Mauerwerkes; der Zugang aus dem Gebirge in die Stadt, und damit einer der Pässe nach Strumiza muß früher stark befestigt gewesen sein.
Valandova ist ein stattlicher Ort, wenig zerstört, mit vielen Häusern, deren rote Dächer fast ganz in grüne Bäume eingehüllt sind. Die Kuppel einer Moschee, ein Minarett, eine christliche Kirche ragten über die kleinen Häuser empor. Auch die ganze Talebene um den Ort war in saftiges Grün getaucht, Maienpracht war dort noch über Wiesen und Felder gebreitet. Wundervoll leuchteten zwischen den Maulbeerpflanzungen die weißen und violetten Flächen der blühenden Mohnfelder heraus.
Über Valandova hinaus dehnte sich das Tal weit gegen die Belasiza Planina aus. Vor uns, jenseits Valandova, lagen die Lazarette von Rabrovo mit ihren vielen Zelten und Baracken. Jenseits des Tales mündete die Kleinbahn von Hudova in dem Lager von Dedeli. Zwischen der Endstation der Bahn und dem schattigen „Hain Mamre‟ stieg im Zickzack die steile Straße zum Furkapaß hinauf, welche an die Doiranfront führte. Staubwolken, welche von ihr aufwirbelten, zeigten den starken Kolonnenverkehr an, der der wichtigen Doiranfront galt.
Beim Hinuntermarsch nach Valandova galt es wie immer in Mazedonien, auf weiten Bogen die Schluchten zu umgehen, welche auch hier von allen Seiten tief in den Berghang einschnitten. Nur so konnte man ein ermüdendes Auf- und Abklettern an den Schluchtwänden vermeiden; wir hätten 6-8 Schluchten durchklettern müssen, um auf geradem Weg ins Tal zu gelangen, hätten wir nicht ihre oberen Enden geschickt umgangen.
Über der Stadt hoben sich von der dürren Felsenwand des Berges zwei scharf umrissene, dunkle Flecken ab. Es waren dies zwei Haine alter Platanen. Dem einen von ihnen strebten wir zu, denn einer meiner Begleiter, Dr. Laser, kannte den köstlichen Quell, der in seinem Schatten entspringt. Der Abend nahte, wir waren 14 Stunden auf den Beinen, die Feldflaschen waren leer, Durst und Müdigkeit bei uns allen groß; zudem hatte die Sonne am Nachmittag, je tiefer wir hinabstiegen, immer mehr ihre mazedonische Sommerkraft entfaltet.