Abb. 46. Morimus funereus Muls. Tomeros. Nat. Gr.

Abb. 47. Agapanthia cynare Germ. Nikolatal. Nat. Gr.

Hauptmann Jungmann hatte uns allerhand von Rehen und Wildschweinen versprochen, die wir hier oben antreffen sollten. Wir fanden tatsächlich ein Suhlbett, wo Säue gewühlt hatten und auch auf einen Rehwechsel stießen wir. So müssen damals tatsächlich solche jagdbaren Tiere im Gebiet vorhanden gewesen sein. In jenen Tagen war ich für eine Jagd nicht ausgerüstet und verfolgte andere Absichten. Als ich im nächsten Jahre (Juni 1918) mit waidgerechten Freunden eine richtige Jagdexpedition in das Nikolatal unternahm, war es zu spät. Das Wild war durch zielloses Jagen von Bulgaren und anderen Soldaten vergrämt und wohl auch erlegt. Im Jahre 1918 konnte ich im ganzen Gebiete weder Wechsel noch Losung einer Wildart entdecken. Von Säugetieren traf ich bei allen Besuchen im Nikolatal nur Mäuse und Fledermäuse an.

Durch den Wald huschten Schwarzamseln, verschiedene Ammern waren zu bemerken, Nußhäher flogen vor unseren Schritten auf, auch Buchfinken waren nicht selten. Raubvögel, die hier in den Wardarfelsen sehr viel horsten, zogen oft ihre Kreise über uns, in einigen erkannten wir mit Sicherheit Adler. Ja, wohl zu einem solchen gehörte ein Horst, den wir am Südhang, an einem unersteigbaren Felsen befliegen sahen. Bussarde waren nicht selten, ein solcher durch Abschuß als Mäusebussard erwiesen.

Besonders eigenartig war ein Tier, welches ich hier auf der Südseite in großer Anzahl antraf. Es war ein großes grillenähnlich aussehendes Tier von etwa 6-8 cm Länge, so groß wirkend wie eine Maus. Es stellte sich später als eine eigenartige Heuschreckenart heraus. Zwei einander sehr ähnliche Arten kamen im Lande vor; sie gehören zu zwei Gattungen und führen die wissenschaftlichen Namen Callimenus oniscus Charp. und Dinarchus dasypus Illig. Beide wären geeignete Vorbilder für einen Kunstgewerbler vom Talent und den Neigungen eines Japaners. Sie sehen schon im Leben aus, als wären sie aus Bronze gebildet. Beide Gattungen gleichen sich sehr mit ihrem kantigen Brustschild und ihren langen dünnen Fühlern. Meist sind sie schwarz oder dunkelbraun gefärbt, manchmal ist ein grünlicher Ton auf ihrer Oberfläche ausgebreitet. Stets glänzen sie eigenartig metallisch.

Abb. 48. Große Bronzeheuschrecke (Dinarchus dasypus Illig). Männchen (unten) und Weibchen (oben).

Beide Arten hüpfen trotz ihrer langen Hinterbeine nicht, sondern sind außerordentlich träg in ihren Bewegungen. Bei der einen von ihnen dient eine auch sonst bei Insekten häufige Eigentümlichkeit als wirksame Verteidigungswaffe. Faßt man diese Heuschrecken an, so lassen sie an verschiedenen Gelenken ihres Körpers eine gelbe, klebrige Flüssigkeit in solcher Masse austreten, daß einem die ganzen Hände damit verschmiert werden, und daß sie in großen Tropfen über diese und von ihnen hinabfließt. Diese Flüssigkeit ist ihr Blut, welches durch Poren austritt und auf Feinde eine abwehrende, vielleicht auch ätzende Wirkung hat. Es wird angegeben, daß diese Ausscheidung nur bei der Gattung Callimenus vorkommt, nicht bei Dinarchus und zwar bei jener aus den Zwischenräumen zwischen dem ersten und zweiten Dorsalsegment des Abdomens. Ich glaube sie bei allen Individuen der Arten, die ich fing, beobachtet zu haben und zwar an verschiedenen Stellen des Körpers. Doch achtete ich in Mazedonien nicht genügend auf die Verschiedenheit der zwei Arten, die ich erst in der Heimat feststellte.