Abb. 51. Buschwald und Talbildung im Nikolatal.

Sehr auffallende Schildwanzen fanden sich auf den Doldenblüten; es waren lebhaft rot und schwarz gebänderte Tiere der Arten Graphosoma semipunctatum F. und italicum Müll. Vor allem fiel aber die größte Landwanze Europas Mustha spinulosa auf, die in Scharen an den Baumstämmen herumlief. Es ist ein vorderasiatisches Tier, das im Balkan, vor allem in dessen Osten vorkommt.

Rot und schwarz gezeichnet waren auch Langwanzen der Arten Spilostethus saxatilis Scop., pandurus Scop. und equestris L., welche auch in großer Anzahl auf dem Schwalbenwurz sich aufhielten. Auf den Salbeiarten der Felshalden fand sich Calocoris cinctipes Costa, ein typisch mediterranes Tier. Auf verschiedenen Pflanzen jagden auf Blattläuse schwarz- und rotgewürfelte Krautwanzen Doraeocoris Schach., eine Art von ähnlicher Verbreitung wie die vorige.

Ein Tier, dessen Stich sehr unangenehm war, fand sich wie bei Kaluckova und in der Plaguša Planina auch hier im Nikolatal, die große, bunte Raubwanze Rhinocoris iracunda Poda; sie schwärmte an Büschen und blühenden Pflanzen im Sonnenschein umher und verführte gelegentlich zum Fang mit der Hand, was sich empfindlich bestrafte.

Auch sogenannte Leuchtzikaden gab es im Nikolatal, jene Tiere mit fast schnabelförmig verlängertem Vorderkopf, bei denen man früher in diesem ein Leuchtorgan suchte, welches aber nie nachgewiesen wurde, da es gar nicht existiert. Trotzdem haben die Tiere den Namen Leuchtzirpen behalten. Sie sind deswegen nicht weniger interessant mit ihrer Wachsproduktion am Hinterende, welche bei manchen exotischen Arten ganz enorm ist. Im Nikolatal kamen zwei flink springende Arten mit grün geäderten Flügeln vor (Dictyophora europaea L.), der europäische Laternenträger und Chanithus longirostris Walck.

Unter diesen Fängen und Beobachtungen waren wir am Kamm angelangt, wo ein frischer Wind blies und wir mit Behagen uns unter einem Baum niederließen, um den Ausblick zu genießen, der vor allem nach Norden sich reizvoll vor uns öffnete. Wir blickten in die Felsenberge gegen Demir Kapu; dicht vor uns öffnete sich ein weites zirkusähnliches Tal, am jenseitigen Rand von einem weißen, rosa angehauchten Kalkgrat abgeschlossen. Die Wardarschlucht, nach Norden sich verengend, lag tief unter uns. Nach Süden konnten wir den Fluß in vielen Windungen durch das felsige Land verfolgen, das dürr und kahl aussah, bis auf die Talmulde bei Gradeč, von wo das angebaute und Gartenland grün herüberschimmerte.

Nach kurzer Rast stiegen wir diesmal vorsichtiger auf wohlüberlegten Pfaden rasch zur Talsohle ab. Dann wurde gegessen, die Zelte abgebaut, der Wagen beladen und bespannt, worauf die Heimreise nach Kaluckova angetreten wurde. Im Nikolatal war die Umgebung des Baches, im Tal des Wardars, dessen Ufer umflogen von vielen Hunderten von Libellen, welche in diesen Tagen wesentlich zum Charakter der Landschaft beitrugen.

WARDAR OBERHALB DEMIRKAPU.

Am Abend, beim Übergang über den Wardar bei Hudova, spiegelte der Fluß einen unvergeßlich schönen Sonnenuntergang wieder, in welchem die Felsenberge der Schlucht wie flüssiges Metall glühten, das sich über den Spiegel des Wassers zu ergießen schien, blaue und grüne Schatten in den Wogen erzeugend.