Abb. 53. Gesamtansicht des Mala Rupagebirges aus der Gegend zwischen Huma und Koinsko.

Nun tauchten die hellen Felszacken der Mala Rupagruppe auf; die bläulich-weißen Felsmassen hoben sich prachtvoll von den dunklen Flächen der Wälder ab, die wir da oben ahnen durften. Eine gedrängte Gruppe von hohen Gipfeln, die 2000 bis 2400 m erreichen, baute sich immer mächtiger vor uns auf. Es waren große, scharfe Bergformen von schönen Umrissen, die im Charakter an Voralpen, zum Teil in den Felsenbildungen an Jura erinnerten. Der feine blaue Duft, der die Berge einhüllte, gab einen wirkungsvollen Gegensatz zu dem grünen Vordergrund, durch den unser Wagen sich bewegte.

Je näher wir kamen, umso höher schienen die Berge zu werden, umso deutlicher wurden die hellen Felsen, die sie aufbauten. Man erkannte pyramidenförmige Bergspitzen, die sich immer klarer von ihren Nachbarn abhoben, sah schimmernde Felsenbänder von großer wagerechter Ausdehnung, Felsenabstürze und Klüfte. All das war schön gegliedert durch dunklere Flächen, die sich später in den oberen Zonen als grasbedeckte Matten, in der Mitte als hochstämmige Laubwälder herausstellten.

Wir blieben dauernd in einer beträchtlichen Höhenlage zwischen 600 und 800 m, Koinsko, unser Ziel liegt etwa 600 m hoch. So sahen wir auf unserem Weg die Charakterpflanzen der Ebene mehr und mehr verschwinden. Judendorn (Paliurus) und Stacheleiche wurden immer spärlicher, an ihre Stelle traten Wachholder, Hainbuchen und weichblätterige Eichen. Hier zeigten sich Spuren eines reichen Insektenlebens. Große Bockkäfer (Cerambyx scopolii Füssl.) flogen durch die Luft, die von dem Getöse der Zikaden und Heuschrecken erfüllt war.

Wir näherten uns Koinsko, das reizvoll in einem Talkessel liegt, dessen baumreiche Fluren von einem starken Bach durchflossen sind. Einen wunderbaren Rahmen um das Tal bilden die hohen Berge, die es auf drei Seiten umschließen. Nun mehrten sich Getreidefelder und Gärten mit Obstbäumen. Die Ernte war hier, in 600 m Meereshöhe noch in vollem Gange, die Haferfelder standen noch halbgrün. Das Städtchen war in Grün gebettet, von dem sich die dunklen Dächer malerisch abhoben.

Es war nicht leicht mit dem großen Personenwagen in die engen Straßen des Ortes einzufahren. Der Eindruck des Städtchens war höchst reizvoll. Die Häuser sind aus Steinen gebaut mit viel Holzwerk, die Dächer mit Schindeln gedeckt, Veranden und andere Vorbauten aus Balken und Brettern, vom Alter gebeugt, gaben eigenartige farbige Bilder. So wanden wir uns durch enge Gassen und Durchschlüpfe, die überall von Reben umrankt und überdacht waren. Reben gab es überall. Sie zogen sich laubenähnlich an Querbalken rankend über Höfe und Gassen und überzogen die Wände der Häuser. Während wir durch die Höfe wanderten, hingen schwere Trauben, allerdings noch nicht reif, überall über unseren Köpfen herunter. So hat der Ort einen ganz eigenartigen Reiz, erinnert etwa an oberitalienische Dörfer.

Noch am gleichen Nachmittag begannen wir die nähere Umgebung des Ortes zu erkunden. Koinsko liegt am Berghang, so daß man eine Strecke steil zum Bach hinabsteigen muß. Wie genossen wir nach der Sommerglut des Wardartales die frische Luft, die hier die Nähe des Gebirges verkündete. Der wasserreiche Bach, der über Felsen und Steine dahinrauschte, war von dichtem Weidengebüsch umgeben. Dieses durchstreiften wir und fanden hier eine reiche Insektenwelt. Kleine Fliegen umschwirrten uns in Menge, das Goldauge (Chrysopa) kam häufig vor, zahllose Hymenopteren, vor allem Hummeln, besuchten die Blüten der Brombeersträucher, der Königskerzen, von allerhand Lippenblütlern, die hier einen reichen Flor bildeten.

Prof. Schultze-Jena, phot.

Abb. 54. Bauernhaus mit Rebenlauben in Koinsko.