Andere, wahrscheinlich verschleppte Formen, welche ich in Mazedonien fand, waren die amphibische Eiseniella tetraedra (typica) Sav., welche in der Schlucht bei Plauš in der Plaguša Planina, in der Topolkaschlucht unter Steinen, bei Rabrovo und schließlich im Nikolatal in einem faulenden Baum am Bachufer vorkam; Eisenia rosea (Sav.), am Wodno, in der Gipfelregion bei 1000 m Höhe, im Schlamm am Rand eines Gewässers, ist sogar eine der nachweislich verschleppten Arten; Octalasium lacteum (Örley) von der Plaguša Planina ist offenbar auch eine nicht ursprünglich einheimische Form, welche auch sonst in Mitteleuropa vorkommt, in Ungarn, Südrußland und Rumänien schon beobachtet worden ist, aber auch schon in Spanien, auf den Azoren, in Algier, Nord- und Südamerika gefunden wurde.

Eine Form, deren natürliches Verbreitungsgebiet offenbar Mazedonien umfaßt, ist wohl Lumbricus rubellus Hoffmstr., die weit in Europa verbreitet ist. Sie ist neu für Mazedonien, während Eisenia rosea var. macedonica (Rosa), welche am Pepelaksee in der Golesniza Planina in 2000 m Meereshöhe gefunden wurde, wahrscheinlich eine typisch mazedonische Form ist. Zum ersten Male in Mazedonien fand ich an verschiedenen Stellen Helodrilus (Dendrobaena) byblicus (Rosa), der bisher nur in Syrien und Palästina und in Kreta beobachtet worden war. Ich fand ihn in einem Schluchtbach hinter Kaluckova in einem Moospolster, im Bach des Nikolatales und merkwürdigerweise auch in einem Quellbach auf der Kobeliza in 2000 m Meereshöhe. Schließlich entdeckte ich noch Helodrilus caliginosus trapezoides (Ant. Deg.), in einem austrocknenden Tümpel bei Strumiza und bei Dedeli; diese Form war bisher aus dem Mittelmeergebiet und Nordamerika bekannt.

Dazu enthielt meine Sammlung noch drei neue Arten. Criodrilus macedonicus Ude, welche dem Criodrilus lacuum nahe steht, wurde in Wiesenbächen südlich von Valandova gefunden. Dazu kommen Helodrilus (Allobophora) dofleini Ude aus der Gegend von Üsküb, aus der Gipfelregion des Wodno und von einem Hügel beim Spital und Helodrilus (Eophila) bellicosus Ude von einem Nebenfluß des Wardar bei Miletkovo.

Diese 12 Arten sind kein sehr beträchtliches Ergebnis in einem Land wie Mazedonien, wenn man bedenkt, daß in dem Band des Tierreiches, den Michaelsen 1900 veröffentlicht, für die ganze Erde mehrere Hundert (870) Arten beschrieben sind. Immerhin sind fast alle genannten Arten neu für Mazedonien. Aus diesem Land sind überhaupt nur ganz wenig Oligochäten bekannt. Auch die Limicolen, die wasserbewohnenden Formen, sind selten. Ich fand vielfach eine Form in den Schluchtbächen, in Bergseen, Gräben und Kanälen. Es war wohl sicher immer der kosmopolitische Tubifex tubifex L.

Unter den Regenwürmern ist sicher eine ganze Anzahl typisch verschleppter Formen; dabei ist aber zu bedenken, daß Mazedonien zu jenem Gebiet endemischer Formen gehört, das sich von Portugal, Spanien und Südfrankreich, die Alpen bis Kleinasien, Persien und ostwärts bis Japan erstreckt.

Daß bisher aus Mazedonien so selten Vertreter dieser Gruppe beschrieben wurden, und daß ich so wenig Regenwürmer gerade in diesem Lande auffinden konnte, obwohl ich auf ihr Vorkommen besonders achtete, konnte kein Zufall sein. Das hing sicher mit dem heißen und trockenen Sommer und mit der Bodenbeschaffenheit zusammen.

Darwin hat ein sehr interessantes Buch über die Regenwürmer verfaßt, welches den Titel führt: Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer. In diesem Buch schildert er die Lebensweise der Regenwürmer und die früher nicht geahnte Wirkung, welche diese Tiere auf die Gestaltung der Erdoberfläche haben. Er zeigte, wie sie den Erdboden bearbeiten, indem sie beim Bau ihrer unterirdischen Gänge Erde durch ihren Darm hindurchgehen lassen und immer wieder Massen aus tiefen Schichten in die Höhe tragen und in ihren Kothaufen an der Oberfläche ablagern. So durchwühlen sie den Boden, verlagern seine Bestandteile und lockern seine Zusammensetzung. Auch in anderer Beziehung wirken sie mechanisch auf seine Bestandteile ein, indem in ihrem Kaumagen Steinchen aneinandergerieben, geglättet und verkleinert werden.

Sogar auf die chemische Zusammensetzung des Bodens haben die Regenwürmer einen starken Einfluß, einmal indem sie Blätter und sonstige Pflanzenteile, welche ihnen zur Nahrung dienen, in ihrem Darm chemisch verändern, dann aber auch indem sie alle möglichen anorganischen und organischen Bestandteile des Bodens verarbeiten. So sind ihre eigenartigen Kothäufchen ein guter Dünger für die oberflächlichen Schichten des Erdbodens, denen so immerfort neue Stoffe zugetragen werden.

Sie bewirken, wo sie in großer Menge vorkommen, eine beständige Umarbeitung des Bodens bis in eine beträchtliche Tiefe. Sie sind die Hauptursache der Bildung der schwarzen Erde, welche besonders feinkörnig und fruchtbar ist, wo sie von vielen Regenwürmern ständig durchwühlt wird.

Tatsächlich sind es in England und in Deutschland, wo fast gleichzeitig mit Darwin Hensen ähnliche Untersuchungen durchgeführt hat, erstaunliche Mengen von Würmern, welche in Gartenerde, in Ackerboden, in den Wäldern ihre unterirdische Arbeit leisten. Hensen wies nach, daß in einem Hektar Gartenland sich 133000 Regenwürmer fanden, deren Gesamtmasse fast 10 Zentner wiegt. Etwa die Hälfte davon finden sich nach Darwin in Ackerland, auf Heiden und im Wald. Die Erdmasse, welche diese Tiere in einem Jahr an die Oberfläche befördern, erreicht nach den Untersuchungen dieser Forscher und ihrer Mitarbeiter im Jahr auf den Morgen 8-20 Tonnen, so daß in 10 Jahren eine Schicht von 1-5 cm Dicke über die alte Oberfläche geschichtet werden kann.