Fast noch großartiger waren die Verhältnisse der Babunaschlucht, welche einige Kilometer südlich von Veles den Wardar erreichte. Sie mußte ich jedesmal von unten durchwandern; denn den oberen Teil bildete eine Klamm, welche man nur bei niederstem Wasserstand durchwaten konnte; ein Weg führte nicht hindurch, da die Felswände senkrecht zum Fluß abfielen. Gerade dort war die eigenartigste Landschaft des Gebietes. 300-400 m stiegen die Felswände fast senkrecht in die Höhe, unten nur von mäßigen Geröllhalden begleitet, welche der Fluß bei Hochwasser stets überflutete.
OBERES ENDE DER TOPOLKOSCHLUCHT BEI VELES.
Auf dem Weg zur Babunamündung kam man am Wardar entlang wandernd an einer kleinen Kapellenruine vorbei, welche im Fluß auf einem vom Wasser umrauschten Felsen stand. Sie bot ein höchst malerisches Bild, mit ihren rötlichen Mauern, besonders im Sommer, wenn sie mit ihrem Felsen von dem grünen Wasser der Wardar umschlossen war.
Abb. 68. Mühle in der Topolkaschlucht bei Veles.
Zoologisch war der obere Teil der Babunaschlucht besonders interessant. Ehe man die hohen Felsen erreichte, durchwanderte man einen Kessel, der fast ringsum abgeschlossen, durch Kalkberge von der Sommersonne zu einer Höllenglut erhitzt werden konnte. Legte man die Hand an die Felsenwand, so zog man sie erschrocken zurück und glaubte sie verbrannt zu haben. In diesem heißen Gebiet fanden sich unter den Steinen zahlreiche Skorpione und riesige Tausendfüßler. Die Skorpione waren Euscorpius carpathicus L. und Buthus occitanus Amoreux. Hier fingen wir die Giftschlange Vipera ammodytes (L.), die Sandotter, hier lagen auf den Felsen große grüne Eidechsen mit blauen Bäuchen (Lacerta major Blgr.), und die flinken Mauereidechsen (Lacerta muralis muralis Laur.) huschten zu Dutzenden umher, auf der Jagd nach der Insektenwelt, die in dem zur Zeit fast pflanzenlosen Gebiet unerklärlich reich erschien. Ein besonders interessanter Fang war dort eine Fliege aus der Familie der Bombyliden, die abgebildete Bombylius analis Eb. mit ihrem schneeweißen Hinterende, das vom tiefschwarzen Körper eigenartig absticht. Sehr geplagt wurde man von Bremsen, besonders dem Tabanus ater Rossi.
Abb. 69 Hummelfliege. Bombylius analis Fb. (Babunaschlucht).
In ganz unglaublichen Mengen kam ein kleiner Käfer mit eigenartiger orangegelber Behaarung (Amphicoma vulpes Fabr.) vor. Von Schmetterlingen fielen bei den verschiedenen Besuchen Euchloë groni H. S., ein Verwandter unseres Aurorafalters auf, dessen Männchen am Vorderflügel orange-, am Hinterflügel hellgelb gefärbt ist, während das Weibchen schwarzweiß ist. Übrigens flog dort auch der gewöhnliche Aurorafalter Euchloë cardamines L. Von Bläulingen gab es Lycaena cyllarus, von Perlmutterfaltern Argynnis pandora Schiff und von den dickköpfigen Hesperiden Allopea lineola Ochs.