Eigenartig wirkte der breite saftgrüne Sumpfstreifen vor dem leuchtend blauen See; die beiden grellen Farbflecken waren harmonisch verbunden durch den grauen Schilf, der zwischen ihnen sich weit in den Sumpf erstreckte; am äußeren Rand vermischten sich graugrün und blau, indem der Schilfbestand wie eine feine Tüpfelung sich im blauen Wasser auflöste. Man konnte durch den Schilf nicht ans Wasser gelangen und unsere schönen Pläne, im See ein erfrischendes Bad zu nehmen, konnten nicht zur Ausführung kommen.
Die Sonne stieg höher, die Ferne wurde klarer. Hauptmann Frischholz wünschte, daß wir uns nicht mehr am Seeufer zeigten, da erfahrungsgemäß selbst kleine Menschengruppen Beschießung auf sich zogen. Ich war gerne bereit auf die Hügel zu steigen, da das Seeufer wenig zoologische Ausbeute versprach. Am Bach hatte ich große Flüge von Libellen beobachtet, die auch über dem Schilf flogen und eifrig die Federmücken fingen. Heuschrecken in verschiedenen Larvenstadien hüpften im Sumpfgras.
Als wir den Hügeln zuwanderten, bemerkte ich hunderte von Schnecken, Vertreter einer Helix-Art, welche in gedeckeltem Zustand an den dürren Gräsern hingen, schon im Sommerschlaf versenkt. Wir marschierten in glühender Hitze vom See weg, setzten uns am Hügelrand in den Schatten eines einsamen Baumes und ließen uns von unserem Geologen erzählen, was er sich von der Entstehung dieses Seebeckens dachte.
Der See lag blinkend in der glühenden Mittagssonne vor uns. Tiefblaue Streifen wechselten mit breiten, wie Quecksilber schimmernden Bändern. Besonders im Süden zeigten die Berge einen rötlichen Schimmer.
Herr Dr. Leuchs war der Meinung, der Doiransee sei früher viel größer gewesen; er vermutete einen früheren Abfluß nach Osten über das flache Tal bei Brest und eine Verbindung mit der Struma. Diese Verbindung sei später gesperrt worden, indem Gerölle von der Belasiza Planina das Tal auffüllten. Der See habe einen neuen Abfluß nach Süden gewonnen, der jetzt bei dem Bahnhof Doiran austritt und eine Verbindung mit dem Ardzansee herstellt. Er meinte, der See sei früher ein viel größeres Becken gewesen, habe sich weit in das Tal von Cerniste gegen Nordwesten erstreckt und sei wohl, den südlichen Seen vergleichbar, eine Lagune, wenn nicht ein Meeresabschnitt gewesen.
Unsere zoologischen Beobachtungen an der Seefauna ergaben keine Belege für eine solche Annahme einstigen Zusammenhangs mit dem Meere.
Wir mußten nachmittags die Gegend des Sees verlassen, um den Treffpunkt zu erreichen, an welchem das Auto uns abends wieder abholen sollte. Es war ein glühend heißer Tag geworden und der Marsch, bei welchem wir die Instrumente und Netze tragen mußten, war sehr anstrengend. Es war einer der Tage, an denen die Schattentemperatur auf 40° C stieg.
Flieger-Abt. 34 phot.
Abb. 72. Blick aus der Stadt Doiran auf den See.