Abb. 91. Zukleben des Glasdeckels eines Fieldenestes mit Drüsensekretstreifen.

Diese eigentümlichen Gewohnheiten der Körnerameisen kannten schon die Völker, welche im Altertum um das Mittelmeer herum wohnten. Nicht nur spricht Salomo in seinen Psalmen von den Ameisen, welche in die Scheunen sammeln, sondern es gibt sogar jüdische Gesetze, welche bestimmten, wer der rechtmäßige Eigentümer der von den Ameisen gesammelten Getreidevorräte ist.

Abb. 92. Verschiedene Arbeiterformen von Messor barbarus E. André im Fieldenest.

In vielen Fällen konnte ich mich überzeugen, daß die Körner in den Vorratskammern ganz trocken lagen, und daß sie trotz monatelangen Liegens nicht zum Keimen gekommen waren. Es war auffallend, daß die Kammern, in denen die Körner lagen, mit einer eigentümlichen hellgrauen Masse gleichsam auszementiert waren. Später konnte ich in künstlichen Nestern feststellen ([Abb. 91]), daß diese eine schwer benetzbare wachsähnlich aussehende Substanz ist, welche wahrscheinlich aus den Analdrüsen der Ameisen stammt. Sie schmierten diese auf die Glasdeckel der künstlichen Nester, in welchen ich sie hielt, offenbar dabei einem besonderen Instinkt folgend. Diese Abdichtung der Kammerwände spielt wohl eine nicht unwesentliche Rolle bei der Verhütung der Keimung der Samen. Im Lauf des Sommers nahmen die Vorräte in den Messor-Nestern immer mehr zu. Von Woche zu Woche füllten sich die Kammern mit sauber geputzten Körnern und allmählich wurden die Scheunen leerer und rückten immer mehr zu Speichern auf. Aber noch lange in den Herbst hinein wurde noch gesammelt; immerhin hatte der Eifer der Sammler in dieser Zeit etwas nachgelassen. Am stärksten war die Sammeltätigkeit im Frühsommer, als die meisten Samen reiften. Interessant war die Beobachtung, daß während der größten Hitze, im Juli und August, die Körnerameisen die gleiche Mittagspause machten wie alle Tiere und Menschen im Lande. In den heißesten Stunden des Tages waren ihre Straßen leer. Dafür arbeiteten sie wie die mazedonischen Bauern vom frühesten Morgen bis tief in den Abend hinein, ja in hellen Mondnächten oft bis gegen den frühen Morgen.

Wir haben oben festgestellt, daß der Hochzeitsflug der Körnerameisen im April stattfindet. Es muß wohl auch die Zeit sein, in welcher die alten Königinnen eifrig beim Eierlegen sind. Denn im Juli finden sich in den Messor-Nestern in großen Mengen Larven aller Stadien und auch schon Puppen. Später im Sommer findet man auch die großen Puppen der Geschlechtsformen.

Abb. 93. Drei Königinnen mit Arbeitern im Fieldenest. Messor barbarus meridionalis E. André. Mittlerer Arbeiter füttert Königin. Üsküb Zitadellenberg. Phot. 12. April 1918.

In der zweiten Hälfte des Sommers wurden die Nester immer volkreicher. Dann wimmelt es in Mazedonien geradezu von den Körnerameisen. Offenbar muß in dieser Zeit für die Larven und das vermehrte Volk im Neste Platz geschaffen werden, denn nicht selten sieht man dann frische Ringwälle um die Nestausgänge sich bilden. Zu dieser Zeit sind im Innern neue Kammern gebaut worden. Die Larven und Eier finden sich in der Regel in den untersten Kammern, hier und da bemerkte ich in solchen auch geringe Spuren von Bodenfeuchtigkeit.