War man gegen den oberen Schluß der Schlucht vorgedrungen, so wurde sie oft immer flacher; man war an manchen Zweigschluchten vorbeigekommen, welche dem Schluchtbach Wasser zugeführt hatten. So war er selbst immer dünner und schwächer geworden, bis er schließlich in einer Mulde in einem Grasbüschel zwischen Sand verschwand. Damit hatte man seine Quelle vor den Augen.

Dr. Laser phot.

Abb. 100. Großer, blaublühender Natternkopf (Echium italicum L.).

Im Laufe des Jahres ging mancherlei in den Schluchten vor sich. Im Winter hingen manchmal die Felsen voll Eiszapfen und ihr Grund wurde gelegentlich voll Schnee geweht. Aber vor allem in der Gegend von Kaluckova hielt das nicht lange an. Viel unangenehmer waren die anhaltenden schweren Regengüsse des Spätherbstes und Winters; dann sammelte sich in den Schluchten oft in wenigen Stunden eine solche Wassermasse an, daß sie plötzlich durch das Schluchtende in das Dorf einbrach und das Tal in einen See voll schlammigen Wassers verwandelte. Dann war Not in Kaluckova ([Abb. 101]). Da kamen die Stege zur Geltung, auf denen man laufen mußte, wollte man von einer Talseite auf die andere. Oft wurden die locker gebauten Brücken auch weggerissen und es erforderte Heldenmut, wollte der Arzt von den Häusern am Hügel zu seinen Kranken, die in Baracken an der anderen Talseite lagen.

Meist verlief sich das Wasser in wenig Stunden und von dem stolzen gewalttätigen Fluß war nur ein dünner Wasserfaden übrig. Schlamm und Geröll hatte er aber in Massen hinterlassen, welche alle Wege verschüttet und in Gärten und eventuell auch an den Häusern Schaden getan hatten.

Der Bach in der Kaluckovaschlucht erreichte nur in solchen großen Momenten das Tal, aber auch dann wohl niemals den Wardar. Vorher war sein Wasser längst in den Geröllmassen versickert. Das ist ganz typisch für solche mazedonischen Schluchtbäche. Im Frühjahr beginnt der Bach schon seinen Rückzug bergauf, der nur nach einem starken Regen eine Unterbrechung erfährt. Immer weiter muß man hinaufsteigen, will man an fließendes Wasser gelangen. Nach der Trockenzeit des August und September sind manche Schluchten in ihrem ganzen Verlauf trocken.

Dr. Laser phot.

Abb. 101. Kaluckovabach nach starkem Regen.